Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885835
Einleitungl 
den Gang der innern Entwicklung. Man hat dann auch eine Folge von sechs 
bis sieben Perioden aufgestellt: altchristliche, byzantinische, karo- 
lingisch-ottonische, romanische, gothische Kunst, Renaissance 
mit Barocco und Rococo, 1 9. Jahrhundert. Aber auch diese Em- 
theilung trifft den innern Charakter der Richtungen nur theilweise und unter- 
liegt für ganze Zweige des Kunstbetriebs namhaften Schwierigkeiten der 
chronologischen Abgrenzung.  
Thatsächlich liegt die Scheidung der Geister wie die der 
älteren und neueren Kunstrichtung im Ausgang des 1 3. und Be- 
gin n d e s 1 4. J ah rh u n d e rt s. Bis dahin war der Betrieb der Kunst mehr 
handwerklicher Natur , dem Inhalte nach war sie an überlieferte Typen und 
Traditionen , an einen obj ectiv gegebenen Stoff gebunden ; ihr Zweck war 
lehrhaft, ihre Mittel zum guten Theil rein symbolisch-allegorisch, sie bewahrte 
den Charakter der Erhabenheit , Strenge und erbaulichen Würde. Diesem 
ersten Zeitraum gehören die römisch-altchristliche, die byzan- 
tinische, die karolingisch-ottonische, die romanische und zum 
grossen Theil auch noch die g o t h i s c h e K u n st an. 
Mit D a n t e und G i 0 tt o (um 1800) vollzieht sich in Poesie und Malerei 
die Entde ckung der Natur der Se ele. Von jetzt an will innerlich 
Erlebtes dargestellt werden , der Künstler gebiert das Kunstwerk aus seiner 
individuellen Inspiration, der lehrhafte Zweck und damit die fast ausschliess- 
liche Verwendung überlieferter Typen und Formen treten allmählich (nicht 
gänzlich) zurück (z w ei t e r Z e i t r a u m). 
Das 1 5. Jahrhundert (F r ü h r e n ai s s a n c e) geht einen mächtigen Schritt 
weiter. Es zieht aus den Prämissen des 14. die Forderung der Lebenswahrheit, 
es entdeckt die aussere Natur und die Schönheit des mensch- 
lichen Leibes. Der Naturalismus der Niederländer und Floren- 
ti n e r ist die höchste Blüte dieser Richtung , welche in Lionardo , Michel- 
angelo, Raffael, Dürer ihren Abschluss findet (H o c hr e n ais s an c e), und indem 
sie den innern Zusammenhang mit dem Geiste und den religiösen Idealen 
des ersten und zweiten Zeitraumes bewahrt , die höchsten Leistungen des 
christlichen und modernen Kunstlebens bezeichnet (d ritt e r Z e i t r a u m). 
Mit dem Verwalten der dritten Richtung über die altern , mit der vor- 
zugsweisen oder ausschliesslichen Betonung der Schönheit irdischer Erschei- 
nungswelt und dem Zurücktreten der bisher festgehaltenen Ideale beginnt der 
vierte Zeitraum, der Verfall der christlichen und das Verwalten der 
profanen Kun st (Giulio Romano, Holbein, Rembrandt). Die Sp ät- 
r e n ai s s a n c e und B a r o c c o gliedern sich diesem vierten Zeitraum ein. 
Der fünfte Zeitraum zeigt den völligen Zerfall der religiösen 
K u n s t , die ausschliessliche H e r r s c h a f t des auch an heiliger Stätte sich 
geltend machenden p r o fa n e n P r i n c i p s (17. und 18. Jahrhundert) ; er lauft 
in dem Vandalismus der Revolution und der den Ueberlieferungen 
der christlichen Jahrhunderte völlig fremden Kunst des Em- 
p i r e a u s. 
Der s e c h s t e Z e i t r a u m charakterisirt sich durch das Auftreten der 
R o m a n t i k in Frankreich wie namentlich in Deutschland ; es vollzieht sich 
eine Repristination christlicher Kunst in der S c h ul e d e r N a z a r e n e r (C o r- 
n e l i u s, O v e r b e c k): was sie darstellt und will, ist wol individuell, aber 
nicht von dem ganzen Geschlechte durchlebt, und es stirbt daher die Schule 
bald dahin (19. Jahrhundert). 
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