Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1888614
Alfchristliche Baukgnjß: 
Es liegt auf der Hand, dass diese gesammte Anlage mit der christlichen 
Basilika der constantinischen Aera die allergrösste Uebereinstimmung zeigt. 
Eine wesentliche Abweichung kann vielleicht nur in der Gewölbeconstruetion 
erblickt werden, welche hier die flache Decke ersetzt. Aber die christlichen 
Architekten werden ihre guten Gründe gehabt haben, wenn sie vorläufig nur 
die Rund- und Polygonalbauten mit dem Gewölbebau in Verbindung brachten. 
Wagnisse wie das Gewölbe über der Basilika unternimmt die Kunst der 
Architekten nicht alle Tage, und die folgenden Jahrhunderte haben bewiesen, 
für wie schwer und gewagt man diese Art der Ucberdeckung bei grösseren 
Langhausbauten hielt. 
Wir gehen zur Betrachtung des basilikalen Typus über, wie er ngr 
sich uns in den hervorragenderen Schöpfungen des 4. und 5. Jahrhunderts dar- blgtlläiile 
stellt. Die Monumente sind hier unsere besten, und man kann beinahe sagen, 
unsere einzigen Führer. Denn was uns von Abbildungen altchristlicher Kirchen- 
gebäude aus dem Alterthum erhalten ist und was uns die offenbar architek- 
tonisch durchaus nicht geschulten Kirchenvater an positiven Angaben hinter- 
lassen haben, reicht in keiner Weise aus, um uns ein gesichertes Bild der 
alten Basilika zu verschaffen. Von Abbildungen ist zunächst der von Bosio 
p. 87 herausgegebene Sarkophag des 4. Jahrhunderts aus S. Andrea della 
Valle (jetzt im Lateran)1 zu erwähnen, welcher uns eine oder mehrere 
Basiliken mit ihren Anbauten, in dem Hauptbau einen mit Vela verhängten 
Eingang, eine Concha, kleine Fenster mit Transennae, vor der Basilika ein 
Secretarium (oder Xenodochium), vor dem Eingang einen Rundbau, wol die 
Taufkirche, vorstellt. Die schon früher von uns besprochene, jetzt in St. Peters- 
burg befindliche Broncelampe aus Africa des Herrn Peigne-Delacourt stellt 
eine Basilika mit rundbogigen Saulenarcaden statt der Umfassungsmauern 
dar  ein sehr merkwürdiges Motiv, auf das wir zurückzukommen haben 2. 
Auch das seiner Zeit von uns angezogene Elfenbeinrelief des Domschatzes 
Von Trier mit Darstellung einer Basilika mit überhöhtem Mittelschiff, nie- 
driger Abseite, halbkreisförmiger Concha und kleinen Fenstern (Kirche der 
Blachernen oder Chalkoprateion in Constantinopel) ist hier zu erwähnen. 
Weiter bieten uns die Mosaiken einige Belehrung. Auf dem Triumphbogen 
von S. Maria Maggioreß sehen wir in der Darstellung der Praesentatio die 
Front des Tempels zu Jerusalem in Gestalt einer Batsilikenfacade abgebildet. 
Man bemerkt das grosse Mosaik, anscheinend mit der Figur des thronenden 
Erlösers, im Giebelfeld, die Saulenstellung der Propyläen, die im Eingang 
aufgehängte grosse Lampe. Auf der andern Seite des Bogens sind einschiffige 
Kirchenbauten mit Giebel und Velen am Eingang geschildert 4. Aehnliches 
wiederholt sich an den Seitenwänden. In Ravenna bieten die Mosaiken von 
S. Apollinare Nuovoü in der Schilderung der Oivitas Ravennßztensis] den An- 
blick einer Basilika mit überhöhtem Mittelschiff und Vorhalle, daneben einen 
Gentralbau mit Kuppelgebäude (S. Vitale  Alle diese Abbildungen lassen 
das geringe Vermögen und den wahrscheinlich ebensowenig ernsthaften Willen 
der alten Künstler, wirkliche Basiliken wiederzugeben, erkennen. Noch be- 
dauerlicher ist, dass Eusebius, der uns ausführlicher von den constantinischen 
383, 
' Gmuurcm tav. 323 5. 
2 Vgl. Real-Encykl. II 
13 
g. 
216. 
DE Rossr Mus. Lf. 
GARRUGCI tav. 212. 
24, p. 4. 
5 Ibid. tav.
        

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