Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1888534
Baukunst. 
Altchristliche 
seine ursprüngliche Bedeutung (königliche Wohnung, regmn habitaculzrm, deutet 
sie noch Isid. Hisp. [Orig XV 4]) verloren hatte und für jede gedeckte 
Halle angewendet wurde. Sprach man doch selbst von Weinbasiliken und 
wird in einer Inschrift in Britannien eine Reitbahn basilica egucstris exercita- 
toria genannt (G. I. L. VII 965). Es kann namentlich nicht zweifelhaft sein, 
dass auch noch in Gallien später die kleinen Grabkirchen basiliculae hiessen. 
Einen Schluss auf die Bauform kann man daraus nicht machen 1. 
Es ist vielfach die Annahme verbreitet und auch jüngst wieder durch Angebliche 
Holtzinger verfochten worden, dass es bereits im Zeitalter der Verfolgungen kirätäljfvor 
Kirchen in unserm Sinn, d. h. freistehende, öffentlich als Gemeindeeigenthum Conshmtin. 
bekannte und zur Abhaltung der Liturgie benutzte Bethäuser, innerhalb der 
Städte gegeben habe. Diese Ansicht ist völlig unhaltbar. Sie beruht auf 
Unkenntniss der römischen Gesetzgebung, welche seit Traian die christliche 
Religion als eine unerlaubte (religio illicita) erklärt hatte. Man muss von 
der römischen Gesetzgebung und ihrer Ausübung keine Vorstellung haben, 
um zu glauben, angesichts dieser legalen Situation hätten die Christen es 
Wagen dürfen, Kirchen in unserm Sinne zu erbauen. Wo immer anscheinend 
Von solchen die Rede ist 2, hat man nur an Privathäuser zu denken, welche 
als Ecclesia oder als Conventiczllzevn dienten. Höchst bezeichnend ist in dieser 
Hinsicht gerade die im entgegengesetzten Sinne viel angerufene Aeusserung 
des Lactantius (De mort. persec. c. 12). Beim Ausbruch der Diocletianischen 
Verfolgung überlegte man sich im Palast, ob man die Kirche der Christen 
durch Feuer zerstören oder niederreissen sollte; der Kaiser entschloss sich 
für letzteres, weil sie allenthalben von Häusern umgeben war (multae ac 
magnae domus ab 0mm parte eingebaut). Die Kirche lag sehr hoch und war 
Weithin bis zum Palast sichtbar (in alio constituta ex palatio cidebatrzw). Also 
Zweifellos ein Privathaus, dessen oberer Saal als OOHUQHÜCHZMHI hergerichtet 
und dafür bekannt War. Erst das von Licinius und Constantinus ausgegangene 
(II. Mailänder) Decret, welches weit über das Toleranzedict des Galerius von 
309    ut comßenticula sua componant) hinausging, ertheilte der christlichen 
Kirche Corporationsrechte und erkannte staatlicherseits das bisher ungesetz- 
liche kirchliche Gemeindevermögen an (LAUT. De mort. persec. c. 48:  et quo- 
niam, iidem christiani non ea Zoca tantuißz, ad guae convenire consuerunt, sed  
alia etiam habuisse noscuntur, ad ius corporis eorum, 1d est ecclesiamun, man 
lwmimzm sängulorum giertinevztia, ea omnia lege, gua superius comprehendimus, 
circa ullam prorsus ambiguitateln vel controversßiam iisdevn christianis, id est, 
corpori et con-venticizlis eomm, reddi iubebis) 3. Demgemäss meldet Lactantius, 
dass nunmehr die Oonvmticiula, welche in der Verfolgung conüscirt worden 
Waren, zurückgegeben wurden. Dass aber das Decret des Galerius bereits die 
die Grabkapellen meist Menwriac, die grösseren 
Kirchen Ecclesiae genannt, und letztere Be- 
zeichnung einmal (p. 34) erklärt: ,Ecc1esia 
autem ibi, quae est ingens et valde pulchra 
et nova dispositione, ut vere digna est esse 
domus Deif  Für die Anwendung der Be- 
zeichnung Basil-ica auf kleinere und ein- 
schiffige Bauten vgl. GARRUCCI in Bull. arch. 
Napol. II 1, 36. MINERVINI ibid. p. 16. 
DE ROSSI Roma sotterranea III 460.  Humo- 
NYMUS (Ep. LX ad Heliod. [ed. VALLARSI I 
338D setzt in seiner emphatischen Weise 
basilicns ßcclesiac et martyrzvavn eozzciliabula 
gleich; die Stelle ist von HOLTZINGER (a. a. O. 
S. 9) missverstanden worden. 
1 AVIT. Ep. VI. Lex Salic. tit. 58, ä 34, 
5.  CIAMPINI Vet. mon. I 183. 
2 Vgl. die zahlreichen in AUGUSTI Denk- 
würdigkeiten XI 344 und in unserer Real- 
Encykl. I 115 angeführten Aeusserungen von 
KirchenSchriftstellern. 
3 Vgl. EUsEß. Hist. eccl. IX 10: m2 7d 
zupuzxä ää 1d oZzsTa örrwg zaraaxsudfezv 007- 
Zwpefrrze.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.