Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1888529
Fünftes Buch. 
zweitens der grossen dreisehiffigen Halle, sei es der forensen, 
sei es der Privatbasilika. Dieser Satz ist in der seltsamsten Weise 
missverstanden worden. Weder de Rossi noch mir ist es eingefallen, zu be- 
haupten, dass für die Langhausanlage der Basilika die Oella cinziterialis Vor- 
bild oder Ausgangspunkt gewesen sei. Die Cella hatte kein Langhaus, es 
konnte sich also auch keines aus ihr entwickeln; es konnte sich aber WOl 
eines an sie angliedern, als man nach 312 der Versammlung statt des freien 
Feldes eine gedeckte Halle zu bieten in der Lage war. In diesem Sinne halte 
ich jenen Satz auch heute noch aufrecht, gebe aber allerdings zu seinem 
zweiten Theile eine erweiterte Fassung. 
Es müssen, ehe wir weiter gehen, noch verschiedene Vorfragen erledigt 
werden: Woher kommt dem christlichen Kirchengebäude der Name Basilika? 
Gab es vor 312 schon Kirchen im heutigen Sinne innerhalb der Städte? 
Lassen sich die Formen des neuen Baues aus der Privat- oder forensen Basilika 
erklären, oder welche andere Bauformen der Zeit können als Uebergänge zu 
der christlichen Basilika bezeichnet werden? 
Der Name Der Name ,Basilica( kommt zur Bezeichnung christlicher Bethäuser erst 
Basümt seit Anfang des 4. Jahrhunderts auf. Früher sprach man nur von ofzog 
rrpoaeuzz-rjpzog, npoaeuxz-äpzou, dann von zupzazöu, die Lateiner sprachen von domi- 
nicum, ecclesia, conventiculum. Die Coemeterialcellen heissen in dem Catal. 
Liberianus noch jabrvicae per coemeteriaß erst im 4. Jahrhundert, in der Zeit 
Papst Iulius, I ßasilicae". Wo Eusebius und Lactantius von der unter Dio- 
cletian verfügten Zerstörung der Gotteshäuser sprechen, gebrauchen sie die 
Ausdrücke äzxlyaia, ecclesia, conveVzzt-iczalum. Das erste Toleranzedict, dasjenige 
des sterbenden Galerius (vom Jahre 309) sagt: ,ut denuo eint christiani et 
comienticzela sua comjponanvf. Sehr bald darauf aber nennt Constantin sie basi- 
licas; so in dem Anschreiben an Bischof Macarius von Jerusalem (EUsEB. 
Vit. Const. III 31), in demjenigen an die Bischöfe Africais (De basilica catho- 
licis erepta [ed. Vind. p. 215]:    basilicam ecclesiae catholiicae, guam in Con- 
stantina civitate iusseravn fabricari). In Africa war für die Coemeterialgebäude 
die Bezeichnung cellae, vnevzzoriae martyruin gebräuchlich; es ist mir aber 
jetzt nicht zweifelhaft, dass sie hier wie in Rom gleichbedeutend mit basilica 
gebraucht wurde (Acta purgat. Felie. Apt. bei OPTAT., ed. DUPIN p. 162; 
vgl. Acta purg. Caecil. ibid. p. 170: basilica, wofür gleichbedeutend gesetzt wird: 
locus ubi oratioazes celebrare consueti fuerant). Es wurden stellenweise in der 
,Basilika' Leichen beigesetzt (OPT. III 4), wobei natürlich nicht an ein Be- 
gräbniss in der Stadt gedacht werden kann; die Basiliken werden angegriffen 
(ibid. VI 7), weil man sich der Coemeterien versichern will. Auch im Liber 
pontiiiealis werden coemeterium und basilica promiscue gebraucht 2. Vom 
4. Jahrhundert an, bezw. nach 312 wird der Ausdruck Basilica dann sehr 
gebräuchlich, und zwar nicht allein für mehrschifüge Kirchen mit überhöhtem 
Mittelraum (wie Zestermann geglaubt hat), sondern auch für einschiffige 
Bauten3: wie denn überhaupt der Ausdruck im Munde der Römer offenbar 
1 DE ROSSI Roma sotferranea I 117. 
2 Vgl. DE R-OSSI Bull. 1880, p. 40. 
sDem Pilger von Bordeaux (um 
333) scheint der Terminus technicus noch 
nicht sehr geläufig gewesen zu sein; er um- 
schreibt ihn noch: ,Ibi [Hierusalem] modo 
iussu Constantini imperat. basilica facta 
est, id est dominicuin inirae pulchritudinis, 
(Itin. Hielz, ed. PARTHEY et PINDER p. 280). 
Ganz gewöhnlich ist der Ausdruck bei den 
Kirchenvätern Ambrosius, Augustin", Hiero- 
nymus, Optatus, Gaudentius, auch in den 
Martyreracten. In der Peregrinatio s. Silviae 
Aqnit. (ed. GAMUBRINI, Romae 1888) werden
        

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