Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1888510
Altchristliche Baukunst. 
christlichen Cultus aus der römischen Volksreligion beruht auf völliger Unkennt- 
niss des Verhältnisses, in welchem die christliche Liturgie zu dem jüdischen Gul- 
tus stand, und ignorirt ganz die Entwicklung des Ghristenthums aus dem Juden- 
thum 1. Ausser diesen sofort gegen Dehio geltend gemachten Argumenten 
hob Holtzingerz auch formelle und technische Bedenken hervor. Er betonte, 
dass Dehio ohne alle Anhaltspunkte an erhaltenen Monumenten sein Atrium 
rein hypothetisch auf Grund einer keineswegs deutlichen Stelle des Vitruv 
reconstruirt. Die Annahme eines gesaulten, mit einer Laterne überdeckten 
Atriums stellt sich als eine Unmöglichkeit heraus, bei der die Beleuchtung 
der Triclinia vollkommen illusorisch gewesen wäre. 
Wiederum einen andern Versuch machte Konrad Lange (1885) 3. Er 
suchte wahrscheinlich zu machen, dass die frühesten Kirchenräume einschifiige 
Säle mit halbrunder Apsis waren. Dabei lehnt er sowol die Dehidsche Hypo- 
these als das eklektische Verfahren Holtzingers ab, während er bedeutenden 
Werth auf die Schola (s. oben) legt, in welchem Punkte ihm in gewissem 
Sinne B r 0 w n nachfolgte 4. 
Zu Dehio's These hat sich ausser Essenwein in neuester Zeit noch Cro- 
starosa bekanntö; dem gegenüber glaubte A. Springer in seiner letzten 
Aeusserung über den Gegenstandß wieder auf die forense Basilika zurück- 
greifen zu sollen: ,Am ehesten", sagt er, ,darf die Erhöhung der mittlern, auf 
Säulen ruhenden Halle über die niedrigeren Seitenhallen auf die forensische 
Basilika zurückgeführt und davon die Uebertragung des Namens abgeleitet 
werdenf" Dabei spricht er aber auch einem gewissen Eklekticismus das Wort: 
iDas Christenthum stand mitten in einem hochentwickelten Oulturkreise und fand 
hier unter den mannigfachen vorhandenen Bauten auch die für seine Zwecke 
brauchbare Gattung. Man darf nicht vergessen, dass in der spätern Kaiserzeit 
überhaupt eine mächtige Baubewegung herrschte, welche für neue Aufgaben 
tüchtige Kräfte bereit stellte, und dass die religiöse Unruhe, welche auch die 
Heidenwelt ergriffen hatte, an den überlieferten Cultusstätten rüttelte, selbst 
an den Tempelformen änderte. Der Tempel der syrischen Göttin in Hierapolis, 
ein Tempel auf Samothrake, beide aus dem 3. Jahrhundert, zeigen eine drei- 
schiffige Anlage, mit vorgelegtem Quersehiffe und erhöhtem (in Samothrake 
halbrund geschlossenem) Altarraume. Wie ferne liegt der alte Tempeltypus, 
wie nahe stehen diese Werke den altchristlichen Schöpfungen." 
 De RossiT hatte die oben betonte Bedeutung der Oellae trichorzze der 
Coemeterien für die Entwicklung unseres Kirchenbaues hervorgehoben. Ich 
hattes in wesentlicher Uebereinstimmung mit ihm den Satz vertheidigt: die 
christliche Basilika sei im Zeitalter Constantins durch das 
Zusammentreten zweier Factoren entstanden; einmal der in 
einer oder drei Apsiden ausladenden offenen Oella cimitezßialvls, und 
columbae domus Simplex, etiam in editis 
semper et apertis et ad lucem, amat iiguram 
Spiritus saucti, orientem Christi figuramf 
1 Vgl. KRAUS im ,Repert. für Kunst- 
wissenschafif VI 386; XI 427. 
s 2 HOLTZINGFR Kunsthistorische Studien 
1-. 30. 
 3 LANGE Haus und Halle, und Berliner 
Philol. Wochenschrift VII (1887) Nr. 7. Dazu 
HARNACK in der Theol. Litteraturzeitung 1886, 
Nr. 3, S. 58, wo auf IGNAT. Ad Magn. o. 13 
(5 Wäißllvü; roü zpsoßurspiou) und Const. 
Apost. II 28, sowie auf den Grundtext zu 
Const. Apost. II 57 in BUNSENS ,Anal. Ante- 
nicaenaf VI 278 hingewiesen wird. 
4 BROWN From Schola. to Cathedral. 
5 CROSTAROSA Le basiliche cristiane. Roma 
1892. " 
6 SPRINGER Grundzüge der Kunstgeschichte 
II 122. 
7 DE Boss: Roma sotterranea III 495. 
9 KRAUS Real-Encykl. I 119.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.