Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1888490
ßwkw 
Altchristliche 
römischen Domus suchte um dieselbe Zeit auch Wilh. Weingärtner 
den Schooss der basilikalen Entfaltung, indem er aber als den Raum 
für die gottesdienstlichen Zusammenkünfte der Christen speciell den sogen. 
ägyptischen Saal ansah, den Vitruv (VI 3, 9) ,den Basiliken ahnlich' genannt 
hatte. Reh er glaubte den von Messmer zuletzt vorgeschlagenen Weg als den 
richtigen anerkennen zu müssen und verfolgte denselben weiter, indem er den 
Nachweis zu liefern suchte, dass die Privatbasilika der Kaiserzeit die in der Ba- 
silika Porcia vertretene Urform der römischen Basilika (Oblongum mit Säulen- 
stellungen im Innern, apsidaler Ausbeugung, Vorhalle nach dem Forum zu) 
im ganzen treu bewahrt habe, während die Basilica forensis sich von diesem 
Typ weiter entfernte, so dass die christliche Basilika in ihrem Anschluss an 
die Privatbasilika der Urform der römischen Basilika naher steht als die 
Basilica forensis der Kaiserzeit 1. Ihm trat Stockbauerz bei, während 
J. P. Richter und C. Brockhaus3 wieder den innern Zusammenhang der 
christlichen und forensen Basilika betonten und Jos. Burckhardt4 auf den 
Standpunkt Zesternianns zurücklenkte. 
Dem gegenüber ist von anderer Seite, wie von Martigny und ehedem 
auch von mir auf die oben beschriebenen unterirdischen Katakombenkirchen 
hingewiesen werden als auf Räume, welche in ihrer Gesammtdisposition bereits 
jene Eintheilung und jene Vorrichtungen zeigten, welche, den Cultusbedtirfnissen 
entsprechend, später zu der Basilika übergeleitet hätten 5. Holtzinger griff 
(1882) wieder auf die Privatbasiliken zurück, die er sich als mehrschifiige 
oblonge Bauten mit horizontaler Bedeckung und mit einer Apsis an der dem 
Eingang gegenüberliegenden Schmalseite reconstruirte 6. Die doppelgeschössige 
Anlage der Seitenschiffe bedingte seiner Ansicht nach keineswegs die Ueber- 
höhung der Mittelschiffs-Situlenstellungen zum Zwecke der Lichteinfuhr. Der 
Umstand, dass in der Basilika die Apsis das Mittelschiff an Breite derart 
überragte, dass es unmöglich war, die Säulenstellungen an die gegenüber- 
liegende Schmalseite anzulehnen, führte nach Holtzingers wohlbegründeter 
Darlegung zu der Einführung eines Widerlagers, und zwar in Gestalt einer 
Quermauer, die sich nach dem Mittelschiff und den Seitenschiifen in grossen 
Bögen öffnete, um den Blick nach der Apsis freizuhalten; damit war die Ent- 
stehung des Transeptes gegeben. Später ist Holtzinger wieder auf den 
Gegenstand. zurückgekommen, um sich hauptsächlich gegen Langes und Dehio's 
Ansichten zu erklären 7. Seine eigenen Ideen Waren immerhin begründeter als 
die seltsame Hypothese J. P. Richters, welcher (1878) die Meinung vor- 
trllg, man habe in der christlichen Basilika des 4. Jahrhunderts das Hemi- 
Cyclium der Oratorien in der Campagna und die Anlage des Arcosoliums ins 
der christl. Baukunst. Lpz. 1854; (II) Ueber 
den Ursprung der christlichen Basilika (in 
V- QUAST und OTTE's Zeitschrift für christl. 
Archäologie 1859 II 212  
1 RIJBER Ueber die Urform der römischen 
Basilika (Mittheil. der k. k. Centralcommission 
1869 II 35). 
2 STOOKBAUER Der christl. Kirchenbau in 
den ersten sechs Jahrhunderten. Regensh. 1874. 
3 J. P. RICHTER Christ]. Architektur und 
Plastik. Jena 1872.  G. BROCKHAUS in 
Renl-Encykl. für prqtestantische Theologie 
und Kirche, Art. ,Baukunst', 2 II 135 f. 
4 De origine basil. christ. Comm. Hall. 
1875. 
5 MARTIGNY in Dict. des antiq. ohrät. 
'p. 97; 2 p. 88.  F. X. KRAUS Die christ]. 
Kunst in ihren frühesten Anfängen S. 151 f. 
6 HOLTZINGER Die römische Privatbasilikn 
(Repert. für Kunstwissenschaft V [1882] 
280  
7 HOLTZINGER Kunsthistorische Studien. 
Tüb. 1886. In seiner ,Altchristl. Architektur" 
(Stuttg. 1889, S. 4) übergeht er die Frage 
ganz, indem er merkwürdigerweise nur auf 
K. Lange hinweist.
        

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