Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1888480
Buch. 
Fünftes 
selben sich erhebenden bedeckten Mittelraum eine Aehnlichkeit mit den Basilikexi 
der Alten hatte. ,S0nach', meinte er, ,müsse man ebensowol den heidnischen 
wie den christlichen Römern nachrühmen, dass beide Theile für ihre gross- 
artigen Zwecke sich Gebäude schufen, deren Formen nicht erborgt, sondern 
aus dem klaren Bewusstsein eines bestimmten Zweckes hervorgegangen warenf 1 
Nur den Namen lässt also Zestermann der profanen Architektur entlehnt sein; 
auch werden Ursprung und Gestaltung des christlichen Kirchenbaues aus- 
schliesslich innerhalb des Christenthums, in den Bedürfnissen des Cultus, der 
Scheidung der die Kirche Besuchenden u. s. f. erblickt. Es konnte nicht fehlen, 
dass diese Aufstellungen mancherlei Widerspruch erfuhren, wie sie denn auch 
offenbar der constructiven und technischen Seite der lilrage nicht gerecht wurden. 
Doch stimmten unter den Architekten? Hübsch und Mothes Zestermann 
zu, Letzterer mit der Modilication, dass sich die Christen doch hinsichtlich der 
Construction an die vorhandene Technik, dem Stil nach an die vorhandene 
Formgebung angeschlossen hätten. Die Mehrzahl der Kunsthistoriker und 
Archäologen sprach sich zunächst gegen Zestermann aus. So Urlich s, 
Kugler, Lübke, Fergusson, v. Lützow, E. Förster, während A. Springer 
nach anfänglichem Widerspruch ein man liguef aussprach (1856) und später seine 
Ansicht wieder änderte 3. Kreuser, welcher sich 1851 zuerst auf Zester- 
manns Seite gestellt, versuchte dann einen ganz neuen Weg einzuschlagen, 
indem er auf die jüdischen Tempel und auf ägyptische Vorbilder zurück- 
ging. Auf ihn machte namentlich eine von Haneberg im Talmud nach- 
gewiesene Stelle Eindruck, wo die grosse J udeilsynagoge zu Diospolis Basilika 
genannt wird 4. Der starke Widerspruch der Kunstforscher gegen Zester- 
mann und die Widerlegung einzelner seiner Behauptungen durch Urlichs und 
Brunn veranlassten dann J os. Ant. Messmer, in seiner ersten Schrift über 
den Gegenstand wieder auf den Zusammenhang der altchristlichen und foronsen 
Basilika zurückzukommen. In seiner zweiten Untersuchung der Frage (1859) 
kam er aber zu einem andern Ergebniss, indem er die von Vitruv (VI 5, 2) 
als Privatbasiliken bezeichneten Prachtsäle der Paläste römischer Grossen in 
der Kaiserzeit als Vorbild der christlichen Basilika hinstellte 5. Im Innern der 
1 ZESTERMANN De basilicis libri III, und 
a. a. O. 
2 H. Hiißsun Die Architektur und ihr 
Verhältniss zur heutigen Malerei und Seulptilr. 
Stuttg. 1847.  O. Miornns Die Basiliken- 
form bei den Christen der ersten Jahrhunderte. 
2 Lpz. 1869. 
3 L. Uumcns Die Apsis der alten Basi- 
liken. Greifswalde 1848.  Kuamm Kunst- 
geschichte. Aufl. von 1866.  W. Lüßxn 
G eschichte der Architektur. 2 1858.  J AMES 
Fnncusson Illustr. Handbook of Archit. 
Lond. 1858.  v. Lürzow Meisterwerke der 
Kirchenbaukunst. Lpz. 1862.  E. Fönsrnn 
Vorschule der Kunstgeschichte. 1862.  
A. SPRINGER Baukunst des christlichen Mittel- 
alters (Bonn 1854) S. 33; Handbuch der 
Kunstgeschichte (Stuttgart 1856) S. 120.  
v. QUAST Ueber Form, Einrichtung und Aus- 
schmückung der ältesten christlichen Kirchen. 
Berl. 1853.  A. ROSENGARTEN Architect. 
Stilarten. Braunschweig 1857.  Bnuzvn im 
Kunstblatt 1848, S. 19 f. 
4 KREUSER Christi. Kirchenbau. Bonn 
1851; Ein Wort über den Ursprung der 
Basilika (Mittheilungen der k. k. Central- 
commission, April 1859), und Christl. Kirchen- 
bau. 2 1860. Aehnlich in ,Wiederu1n christl. 
Kirchenbaui 1868.  Die neuesten For- 
schungen haben die Gestalt des jüdischen 
Tempels und seine innere Einrichtung hin- 
reichend herausgestellt, um jeden Gedanken 
an einen organischen Anschluss der christ- 
lichen Basilika an den Tempelbau zu Jeru- 
salem auszuschliessen. Vgl. MELUHIOR m: 
Voeüiä Le temple de Jerusalem etc. Paris 
1864. CmPmz et Penner L0 temple de Jeru- 
salem et 1a Maison du Bois Liban. Paris 
1889. Dazu Fnncnrwixru in Zeitschrift für 
bildende Kunst. Neue Folge. II (1891) 141. 
5 Mrzssmrm (I) Ueber den Ursprung, die 
Entwicklung und Bedeutung der Basilika in
        

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