Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1888449
Fünftes Buch. 
tilla (S. 51, Fig. 13) erhalten ist. Es zeigt dieselbe Structur, wie die entsprechen- 
den heidnischen Anlagen. Auch hier sehen wir den Vorraum von sogen. Schelme 
llankirt, die ohne Zweifel sowol dem Custoden des Coemeteriums Wohnung als 
den an den Anniversarien abzuhaltenden Vereinigungen und Gastmählern der 
Verwandten und Clienten bezw. den Genossen des Collegiums Raum gewährten. 
So interessant diese Vestibula und speciell das uns erhaltene in S. Domitilla auch 
sind, für die Entwicklung des christlichen Kirchenbaues kommen sie nicht in Be- 
tracht. W01 aber gilt dies von einer zweiten Classe von Coemeterialgebäuden. Es 
ist anzunehmen, dass über jedem Coemeterium auf der es bedeckenden Area ein 
kleines Bethaus, zllaprzifnou, lllemoria, Confessio oder Celle, dann Basilica oder 
Basiliciela genannt, stand, in welchem das Gebet für die Todten abgehalten, 
das Sacrificizmi pro (Zefimcto oder die Oblatio pro dormitioize dargebracht wurde. 
Es wird uns ausdrücklich berichtet, dass, wie in der Stadt den einzelnen 
Tituli  wir sagen heute ,Pfarreien'  ein Presbyter vorgesetzt war, so 
auch jedem Coemeterium ein Priester verstand 1, und dass kein Tag vorüber- 
ging, wo (das gilt also für das Ende des 4. und den Anfang des 5. Jahrhunderts) 
die Presbyter nicht das hl. Opfer darbrachten 2. Solche Cellae cimiteriales 
waren ohne Zweifel die berühmten 40 ,B:isiliken', welche Rein schon in Dio- 
cletians Zeiten nach dem Zeugnisse des Optatus von Mileve (De schism. Don. II 4 : 
Non eniviz grex aut populus appellmzdi fucrant gnauci, gui iizter quadraginta et 
quod excurrit basilicas Zocmn ubi colliqerent 12012 habebavzt, scl. Romae) besass. Das 
war der Ort, wo die Christen officiell, unter dem Schutz des Gesetzes, zusammen- 
kommen konnten,  freilich ostensibel nur, um ihre Todtenfeier zu begehen. 
Und dass das die römische Staatsgewalt sehr gut wusste, geht aus dem De- 
crete des Kaisers Licinius hervor, der in der zweiten, christenfeindlichen 
Hälfte seiner Regierung die Stadtkirchen der Christen, die seit dem Mai- 
länder Edict 312 erbaut werden waren, wieder schliessen oder niederreissen 
liess, indem er die Bekenner des neuen Glaubens wieder aufs freie Feld (d. h. 
die ausserhalbder Stadtmauern gelegenen Coemeterien) verwies 3. 
Ueber die Gestaltung dieser Cellae cimitcriales- hat das Alterthum nur 
eine gelegentliche schriftliche Notiz hinterlassen, und zwar in den Acten des 
Martyrers Theodot (ed. RUINART p. 361), wo eine Confessio mit Concha erwähnt 
wird. Es legt sich die Vermuthung nahe, dass manche dieser Cellae kreis- 
runde oder polygonale Formen hatten, wie die Grabdenkmaler der Alten; 
und in der Tliat war die von Gregor von Diocaesarea (T 374) erbaute, von 
Gregor von Nazianz erwähnte Grabkirche ein derartiger Gentralbau. Im all- 
gemeinen wird man aber für die lllemoriae, in denen die übliche Todtenfeier 
mit Synaxe der Gemeinde abgehalten wurde, nicht den Rund- oder Polygonal- 
bau, sondern jene Form gewählt haben, welche uns durch die zwei einzigen 
noch erhaltenen Exemplare dieser Gattung gewährleistet ist. Solche sind 
nämlich durch Marchi und de Rossi in den kleinen, über der Area von S. (Jal- 
listo und seiner Annexe stehenden Basiliken des hl. Sixtus und der 
hl. Caecilia, die schon Marangoni 1736 gesehen und als christlich erkannt 
hatte, die dann Marchi (Arch. p. 228, tav. 45 sg.) irrthümlich für die Basilika der 
hll. Marcus und Marcellianus erklärte 4, und der hl. Soteris (von Marchi für 
die Basilika des Bischofs Damasus erklärt) nachgewiesen 5. Marchfs Aufnahmen 
1 INNOCENT. I Episto]. XXV, ed. COUSTANT 
p. 860 sq. 
2 1d. Epistol. II 12.  Smlc. Epistol. T 10 
(ed. OOUSTANT p. 631. 753. 791). 
3 Eusmz. Vita Const. II 2. 
4 Vgl. m: Rossl Roma sotterranea II 
III 468 sgg. 
5 Ibid. III 16. 471. 
5 
Sg
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.