Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1888374
Sculptur. 
_A1tchristliche 
nisse begegnen dem berühmten Aegyptologen auf Schritt und Tritt. Die 
Orans soll ,sic:her' eine Reminiscenz des altägyptischen l-l sein, Welche ,an 
der hieroglyphischen Figur Für das Hohe und auch die Erhebung des Ge- 
müthes sammt den mit ihr zusannnenhängenden Handlungen, wie Freude, 
Dank, Gebet, syn1bolisirt' (a. a. O. S. 22). Die Kreislinie ist ihm ein Rest der 
geflügelten Sonnenscheibe; die gekrümmten Linien an den Blattfächern der 
ECk-Akroterien werden ihm zu einem ,gewandelten Uraeusschlsingen-Ornament" 
(S- 42). Ein aus Ranken und WVeinlaub zusammengesetztes Ornament mit 
phantastischem Kopf, zu welchem sowol in Syrien wie in Ravenna die aller- 
verwandtesten Analoga nachzuweisen sind, wird zur ,Darstellung des Ant- 
litzes an Stelle der geflügelten Sonnenscheibe" (S. 43); den Pfau, den wir 
1m Orient wie Occident, namentlich aber Wieder in Ravenna, so oft angetroffen, 
macht Ebers zum Phönix, während Gayet in ihm als einem phantastischen 
Insect eine Symbolisirung des Heiligen Geistes sieht  Die Hasenpaare, 
Welche wir doch in Ravennal haben, leitet Ebers von dem Un nfr, dem 
ßchönen Hasen' der Altägypter ab, so dass das Thier des Osiris ein Bild 
Ghristi wird (S. 48). Dass die Rankenführungen, Palmetten, Weinreben u. s. f. 
m dem Flachenornament und den Randbordüren der Grabsteine durchaus der 
griechisch-römischen Antike entlehnt sind, entgeht Gayet wie Ebers; auch 
diese so leicht verständlichen Dinge sollen auf altagyptische Symbole zurück- 
gehen. Alle diese Deutungen sind völlig unberechtigt und müssen Demjenigen, 
Welcher mit den christlichen Denkmälern des 5. und 6. Jahrhunderts über- 
hauPt einige Bekanntschaft hat, als unbegreiflich erscheinen. Nur auf einem 
Punkte kann man dieser ,koptischen Kunst' eine Anlehnung an ein altagyp- 
tisches Motiv zugeben: das ist die Einrückung des Henkelkreuzes (des Onclz) 
ß an Stelle des sonst in der Christenheit üblichen ä, eine Entlehnung, 
Welche bereits in vorconstantinischer Zeit platzgegriifen zu haben scheint 
und Welche durchaus erklärlich wird, wenn man sich erinnert, dass dies den 
Aegyptern so populäre Zeichen das ,Leben' bedeutete. Dagegen bin ich in 
lfelner Weise geneigt, für zwei andere Bildwerke eine Anleihe bei der alt- 
ägyptischen Kunst zuzugeben: nämlich für das Reiterbild 2, in welchem Ebers 
ohne hinreichenden Grund einen hl. Georg und eine Nachbildung des reitenden 
Horns als Crocodiltödters sieht; weiter für die Gruppe einer ihr Kind saugenden 
nackten Frau und eines vor ihr stehenden, ein Instrument nebst einer Palme 
haltenden Mannes, welche Ebers (S. 36) als Maria und Joseph erklärt (Fig. 204). 
D61" christliche Charakter beider Reliefs ist durchaus unbewiesen, und das 
letztere insbesondere ist eher für eine den Horns saugende Isis zu halten. 
 _So bleibt von den Aufstellungen Gayets und Ebers so gut wie nichts 
ubrlg 3. Nur das kann mit Riegl zugegeben werden, dass diese koptische Kunst 
11m Baptisterium Ursianum (GARRUCCI 
VT 606). 
2 GAYET 1. e. pl. 86.  Eßßns a. a. 0.8. 31. 
3 Bemerkenswerth für die Beurtheilung der 
hier besprochenen Oontroverse ist auch das 
hölzerne Giebelrelief in S. Maria (E1 
Muallakah) in Kairo, das W01 sicher dem 
6. Jahrhundert entstammt. Es weist den 
Einzug Jesu in Jerusalem und die Himmel- 
fahrt des Herrn auf, dazu die Corona trium- 
phalfs, die auch auf dem sogen. fünftheiligen 
Diptychon von Paris und den Iilvangeliare 
deckeln von Etschmiadzin charakteristisch 
sind (s. unten). Die Scene der Ascensio er- 
innert an die entsprechende Darstellung an 
den Ciboriumssäuleu in S. Mai-eo zu Venedig,
        

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