Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885804
Erstes 
sich bethäitigt. Aber nicht minder gehen die Meinungen auseinander über den 
Begriff des Schönen, in Welchem Goethe die anmuthige Darstellung des Be- 
deutenden erblickte, Hegel zutreffender die sinnliche Erscheinung der Idee 
fand. Auf die Untersuchung über das Wesen des Schönen kann hier des 
nähern nicht eingegangen werden. W01 aber muss eine Frage schon hier 
berührt werden, auf welche später zurückzukommen ist. Es ist der Zusammen- 
hang zwischen Kunst und Religion, speciell zwischen der bildenden Kunst und 
dem Christenthum. Plato hat das Schöne als immanentes Moment des Guten 
und Wahren erkannt und namentlich im Symposion den Zusammenhang der 
Betrachtung des Schönen und der Liebe zum Schönen mit dem Idealen und 
Guten aufgewiesen. Auch in der modernen Aesthetik ist im allgemeinen fest- 
gehalten worden, dass die blosse Nachahmung der Natur noch keine Kunst sei, 
dass es keine Kunst ohne Ideale gebe und die eigentliche Aufgabe der bilden- 
den wie der tönenden Künste in der Einheit, dem gegenseitigen Durchdringen 
des Realen und Idealen gelegen sei. Ueber den Bund der Kunst und Religion 
im allgemeinen bestand in der Philosophie des ausgehenden 18. und beginnen- 
den 19. Jahrhunderts keine wesentliche Abweichung der Ansichten, und die 
Schellingsche Auffassungl dieser Dinge klingt auch bei Schriftstellern der 
neuesten Zeit durch, wo man sie kaum erwartet hätte 2. Aber wenn das 
Kunstwerk die Wiedergabe der schönen Idee in einem sinnlichen Gebilde ist, 
wenn als das erste Gesetz der bildenden Kunst die Wiedergabe der Natur 
erscheint, kann da das Christenthum eine Kunst besitzen, da das innerste 
Wesen desselben, ethisch, Loslösung, Absterben von dieser Natur und der 
Sinnlichkeit ist und, eschatologisch, am Ausgang seiner Betrachtung der 
Untergang dieses sinnfalligen Kosmos, der gesammten schönen Erscheinungs- 
welt steht? In der That sehen wir auch in der neuesten Litteratur die Mög- 
lichkeit einer christlichen Kunst von verschiedenen Seiten her bestritten, ein- 
mal von seiten Derjenigen, welche im Anschluss an den Calvinismus des 
16. Jahrhunderts mit S. Kierkegaard die ästhetische Auffassung des Christen- 
thums überhaupt zurückweisen und jeden Cult des Schönen als einen Abfall 
von der Idee desselben brandmarken3; dann von seiten Derjenigen, welche, 
geblendet von der Herrlichkeit der Antike und der Harmonie ihrer Linien, 
das Empfindungsvermögen für die Schönheit der mittelalterlichen Kunst gänz- 
lich verloren haben 4. Zwischen diesen Abgründen theologischer und ästhe- 
tischer Einseitigkeit führt die goldene Strasse einher, welche die besonnene 
Kritik wenigstens in unserm Jahrhundert festzuhalten bemüht ist. Man kann 
1 ,Der innige Bund, welcher die Kunst 
und Religion vereint, die gänzliche Unmög- 
lichkeit, einerseits der ersten eine andere 
poetische Welt als innerhalb der Religion 
und durch die Religion zu geben, die Un- 
möglichkeit auf der andern Seite, die letztere 
zu einer wahrhaft objectiven Erscheinung an- 
ders als durch die Kunst zu bringen, machen 
die wissenschaftliche Erkenntniss derselben 
dem echt Religiösen auch schon in dieser 
Beziehung zur Nothweudigkeif (SCHELLING 
Vorlesungen über die Meth. des akadem. 
Studiums). 
2 Vgl. die merkwürdigen Aeusserungen 
RICHARD WAGNERS (Gesammelte Schriften 
und Dichtungen X [Lpz. 1883], 315. 319. 
335). 
3 S. KIERKEGAARD Christenth. u. Kirche. 
Hambg.1864; ders. Selbstprüfung. Ebd. 1862. 
4 So ERNESTE RENAN, welcher im Anblick 
des Parthenon ausruft: ,Cette revelation de 
1a grandeur vrnie et simple mkitteignit jus- 
qu'au fond de Fähre. Tout ce qne favais 
connu jusque 151 me semble Teffort maladroit 
d'un art jesuitique, un rococo compose de 
pompe niaise, de charlatanisme et de carica- 
ture 1' (Souvenirs d'enfance et de jeunesse 
[Pan 1883] p. 61.) Ebd. p. 64 heissen die 
Schöpfungen des Nordens ,fantaisies de bar- 
baresi
        

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