Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1888294
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Die hervorragendereii der hier in Betracht kommenden Denkmäler, welche 
in und ausser des Lateranniuseums in Rom angesammelt sind, sind im Ver- 
lauf unserer Darstellung mehrfach erwähnt oder eingehender besprechen, und 
es ist im wesentlichen gerade an diesen römischen Sarkophagreliefs die Ent- 
wicklung und der Charakter der altchristlichen Sculptur aufgewiesen werden. 
Wir werden daher auf eine eingehendere Betrachtung derselben hier ver- 
zichten dürfen. Ausserhalb Roms sind eine Reihe italienischer Städte durch- 
schnittlich mit je einem oder höchstens zwei Denkmälern in der Statistik der 
Sarkephage1 vertreten; der Camposanto von Pisa besitzt indessen 11, Tolen- 
tino und Verona je 4, Velletri und Fusignano 3, Mailand 9. Der Charakter 
dieser Denkmäler ist, abgesehen von den ravennensischen, deren 57 gezahlt 
werden und auf welche wir zurückzukommen gedenken, von demjenigen der 
römischen nicht verschieden. 
Anders verhält es sich mit den gallischen Monumenten, denen zuerst Salrkophage 
Peiresc, dann zu Anfang unseres Jahrhunderts M illin ihre Aufmerksamkeit i" Game" 
zuwandten und welche jetzt in den trelflichen Publicationen Edmond Le Blants 
Vorliegen 2. Es sind im ganzen 295 Nummern, von denen allein '79 auf Arles 
kommen; von anderen Orten der Provence besitzen Marseille 13, St-Maximin 8, 
Avignon 5; auf Narbonne kommen 8, auf Bordeaux 2, auf Toulouse 16, auf 
Soissons 4 u. s. W. Deutlich tritt der Unterschied einer provencalischen und 
aquitanischen Gruppe hervor. Die erstere hat ganz den Typ der römischen 
Vorbilder, die offenbar von Rom leicht nach Marseille und Arles gelangten 
oder dorthin wirkten. Ganz verschieden davon ist der aquitanische Typ, der 
schon geradezu barbarisch genannt werden muss und dessen uns vorliegende 
Exemplare in der That der Zeit des letzten Auslebens der römischen Cultur 
auf gallischem Boden angehören. Schon die Gestalt der aquitanischen Sarke- 
Phage weicht von der der römischen ab. Sie sind unten eng und erweitern 
sich nach oben. Ihr Schmuck ist wesentlich rein ornamentaler Natur, und 
WO Figuren beigesellt sind, erscheinen sie fast nur accessorisch. Eine ganze 
Reihe der noch in der Provence auftretenden Sujets fehlen hier: so Moses 
an den Felsen schlagend, der Durchgang der Juden durchs Rethe Meer, der 
Wachtelregen in der Wüste, David und Goliath; ferner die Geburt und die 
Taufe Christi, Petrus die Schlüssel vom Herrn empfangend, die Fusswaschung, 
die Ankündigung der Verleugnung, der Hügel mit den vier Paradiesesströmen 
und Christus darüber, mit den Hirschen, die sich an den Flüssen laben, das 
Martyriuni des hl. Paulus, das die Auferstehung symbolisirende Kreuz zwischen 
den eingesehlafenen Soldaten. Während, wie gesagt, diese Scencn den aqui- 
tanischen Sarkophagen fehlen, greifen diese merkwürdigerweise wieder zu 
Sehr alten, fast vergessenen Motiven selbst der heidnischen Kunst: wein- 
lesenden und kelternden Putti, Genien mit umgestürzter Fackel, dem Bild 
der Dioskuren. 
Sind die prevenealischen Denkmäler stilistisch den römischen durchaus 
Verwandt, so weisen sie doch einen Vorrath neuer Sujets auf, die in Italien 
gar nicht oder wenig im Gebrauch waren. Der Kindermord von Bethlehem, die 
Uebergabe der Schlüssel an Petrus (hier wenigstens viel häufiger als in Rom), 
der Tod des Ananias, das heilige Grab, Christi Auffahrt gen Himmel, das 
1 KRAUS Real-Encykl. II 726. 
2 LE BLANT Etude sur les sarcophages 
ehrätiens antiques de 1a ville (VATIQS- 40- 
Paris 1878; Les sarcophages chrötiens de 1a 
Gaule. 4". (Beide in der C011. 
inädits sur Phist. de France.)  
Le Blants Sammlungen Pnosw 
archäol. 1887, I 329; II 51. 
des Docum. 
 Vgl. über 
in der Rev.
        

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