Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1888255
äsllvwr- 
Alticühkristlicyi 
aus Ostia vom Jahre 4081. Die aus Ravenna beizubringenden Namen werden 
nicht Bildhauer, sondern Architekten angehen. 
Auch in einem andern, sehr wichtigen Punkte schlossen sich unsere christ- Poly": 
lichen Bildhauer zweifellos enge an ihre Vorgänger und Genossen in der pro- chrwm" 
fanen Kunst an. Bekanntlich haben die Alten, wie die neuere Forschung 
festgestellt hat, sowol in der Architektur als Sculptur einen sehr umfassenden 
und systematischen Gebrauch von der Polychromie gemacht. Die seit 
der Renaissance herrschende Empfindung, welche von jenen beiden Gebieten 
das Element der Farbe ganz oder theilweise ausschliesst, war der Antike 
fremd. War es an sich wahrscheinlich, dass in dieser Hinsicht die Christen 
keinen anderen Grundsätzen als die übrige Welt huldigten, so haben genaue 
Untersuchungen der letzten Jahre den Erweis geliefert, dass die altchrist- 
lichen Sculpturwerke der Farbe in der That nicht entbehrten 2. Die haupt- 
sächlichsten Beweisstücke, welche dafür beigebracht werden konnten, sind: zwei 
Sarkophagreliefs des Museo Kircherianoß; ein Sarkophagfragment des Museo 
des Camposanto in Rom (Bruchstück einer Hirtenscene); ein Sarkophag des 
Lateranmuseumsti; ein anderer aus Clermontä; der 1872 in Syrakus gefundene 
Sarkophagß; die Marmorstatue des 111. Petrus in den vaticanischen Grotten; ein 
Sarkophag im Camposanto zu Pisa; ein Relief mit Christus zwischen den Zwölfen, 
in S. Marco zu Venedig; ein Marmorköpfchen des 4.H5. Jahrhunderts in Pa- 
renzo. Einzelne dieser Denkmäler tragen Spuren von Vergoldung, wie solche 
auch in den Acten der Martyrer als bei Bildsaulen üblich erwähnt wird. Es war 
Swoboda möglich, aus diesen wenn auch noch so spärlichen Resten ein ei11iger- 
massen gesichertes Bild der Uebung zu gewinnen, welche hinsichtlich der 
Polychromie der Sculpturen seitens der altchristlichen Künstler beobachtet 
wurde. In der That lassen sich die erwähnten Denkmäler in drei Gruppen 
Vßrtheilen. Die einfachste Praxis wird durch die erste derselben bezeichnet, 
wo kaum mehr als drei Farben  gelb, braun, purpur  und diese nur 
dürftig in Linien oder Bändern aufgetragen waren: hier soll die Farbe offenbar 
dem mangelnden Geschick des Bildhauers nachhelfen und jenen Ausdruck 
oder jene Klarheit des Contours geben, den das plastische Vermögen allein 
Zu erreichen nicht im stande war. Eine zweite Gruppe wies ursprünglich 
vollständige Bemalung sowol des Costüms als der Fleischtheile, auch der 
Augen, mit Vergoldung der Haare auf. Wenn nicht viele Beispiele dieser 
Behandlung mehr nachzuweisen sind, so wird dieser Umstand wesentlich darauf 
zurückzuführen sein, dass die Feuchtigkeit der Erde die Farben zerstört und 
anderseits ungeschickte Restaurationen und namentlich das systematisch be- 
triebene Abreiben der Sculpturen die letzten Reste derselben beseitigt haben. 
Als eine dritte Gruppe glaubt Swoboda diejenige bezeichnen zu können, wo 
mlii sparsamer Verwendung von Farben vorwiegend Vergoldung des weissen 
Marmors beliebt wurde. 
Nachdem wir aufgewiesen haben, in welcher Weise die altchristliche 
Sculptur sich an die profane angeschlossen und welche Elemente sie aus dieser 
mit herübergenommen hatte, lässt sich die weitere Entwicklung derselben im 
3., 4. und 5. Jahrhundert leicht erkennen. 
' MARINI bei A. MAI a. a. O. Taf. 1914. 
2 Vgl. die Beobachtungen FROTHINGHAMS, 
MARUocHfs, DE Rossfs (Bull. 1882, p. 103 sg.) 
und besonders die werthvolle Arbeit HEINRICH 
Swoßomfs: Zur altchristlichen Marmor-Poly- 
chromie (Römische Quartalschrift 1 100; IIl 
134). 
5 GARRUGCI tav. 4041-2. 
4 Ibid. tav. 298 3. 5 Ibid. tav. 338 1-3. 
6 Ibid. tav. 365.
        

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