Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1888238
Sculptur. 
Altchristliche 
schluss an die schöne Inschrift in Bull. 1877, p. 30) zu erblicken, will aber 
Denen gegenüber, welche in den sitzenden Personen das Bild der in der Arca 
beigesetzten Personen sehen, nicht auf seiner ausschliesslich allegorischen Er- 
klärung bestehen. Man kann gegen letztere einwenden, dass auch auf einem 
andern Sarkophag der gute Hirte mit der Orans verbunden ist, wo doch der 
Letzterer beigesetzte Name IVLIANE1 nur an die Darstellung der Defuancta 
denken lässt. Indessen ist mir mit Garrncci? wahrscheinlich, dass der Künstler 
auch hier den Pastor bonns mit der Ecclesia darstellen wollte und später erst 
der Eigenthümer des Sarges der Orans den Namen seiner Gattin beischrieb. 
So haben wir bereits aus der Zeit der Verfolgung eine Anzahl hochacht- 
barer Leistungen der Sarkophagsculptur vor uns. Diese Beispiele liefern den 
Beweis, dass nicht principielle Abneigung gegen die Verwendung der Plastik 
noch künstlerisches Unvermögen, sondern offenbar nur oder wenigstens in 
erster Linie aussere Umstände die Christen in den Tagen vor Constantin ab- 
gehalten haben, einen stärkern Gebrauch von der Sculptur zu machen. Ehe 
wir weiter gehen und die Hauptgruppen der nachconstantinischen Sarkophage 
betrachten, müssen wir noch einige Worte über die Künstler sagen, denen 
wir diese Reste des Alterthums verdanken, und noch einiges über die f a rbi ge 
Behandlung der Sarkophage beifügen. 
Wir haben gesehen, wie eine Menge der vorchristlichen Kunst geläufiger 
Decorationsmotive ohne weiteres von der christlichen übernommen wurde. 
Genien, welche die Inschrift oder die Image clypeata halten; Putti in der 
Weinlese; Genien im Kampfe mit den Hahnen; solche, die eine umgestürzte 
Fackel halten; Amor und Psyche; die Dioskuren; Greife; Medusenköpfe und 
Masken; die Personiiicationen des Himmels, der Flüsse, des Meeres, der Land- 
schaften oder Städte; Pastoralscenen; Hasen, die an den Früchten fressen; 
Tauben und andere Vögel: das sind die ornamentalen Motive, welche zweifellos 
aus den Ateliers der heidnischen Künstler in diejenigen der christlichen über- 
gingen oder welche die Künstler einfach, ihrer alten Gepflogenheit entsprechend, 
beibehielten, auch nachdem mit dem Jahre 312 sich der Sieg und die öffent- 
liche Meinung dem Christenthum zugekehrt hatten 3. Mit einer Reihe anderer 
Ateliergewohnheiten hatte es, wie Le Blant wahrscheinlich gemacht hat, ganz 
ähnliche Bewandtniss. Traditionen dieser Art scheinen sich bis tief ins Mittel- 
alter fortgesetzt und selbst in der Renaissance nachgewirkt zu haben. In 
dieser Richtung hat man auf die Victorien der Traianssäule aufmerksam ge- 
macht, welche auf den Elfenbeinen der Byzantiner und den Capitellen von 
Moissac wiederkehren. Von ganz besonderm Interesse und durchaus belehrend 
ist die unzweifelhafte Thatsache, dass Ateliers des  oder 5. Jahrhunderts 
für eine doppelte Clientel, eine heidnische und eine christliche, arbeiteten. 
Die sehr alte heidnische Ofiicin, aus welcher die Terracottalampen mit dem 
Stempel ANNI SER hervorgingen, lieferte auch den Christen solche Erzeug- 
nisse, welche, mit demselben Stempel versehen, das Bild des guten Hirten 
darbieten 4. Könnte in diesem Falle noch an die Möglichkeit gedacht Werden, 
dass die Inhaber der Firma ihre Confession im Laufe der Zeit gewechselt 
haben, so lässt ein anderes Beispiel keinen Zweifel an der Mischung der 
1 GARRUCCI tav. 3012. 2 Id. Stor. IV 10. 
a Die einzelnen Belege s. bei LE BLANT Les 
ateliers de sculpture chez les premiers chrätiens 
(M161. dßxruh. et (Thist. [Rome 1884] p. 440). 
Kraus, Gesc-lüehto der christl. Kunst. I. 
D'une lampe paienne por- 
ANNI SER (Revue archäo- 
 DE Rossl Bull. 1863, 
16 
4 LE BLANT 
tant 1a marque 
lngique 1875). 
p. 79 sg. 88.
        

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