Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1888136
äläßllßäialää, 
Vsycqlptur. 
die einfache Umwandlung einer heidnischen Bildsäule in diejenige eines christ- 
lichen Martyrers gewiss nicht zu denken ist. 
Nächst Hippolytus geniesst der hl. Petrus anscheinend frühzeitig den 
Vorzug statuarischer Darstellung. Jedermann denkt hier zunächst an die 
berühmte Broncestatue des Apostelfürsten, welche, in dem Mittelschiff der 
Peterskirche aufgestellt, dort die Huldigungen der Pilger empfängt (Fig. 186). 
Wir wissen über die Entstehung des Werkes nichts. Die älteste uns erhaltene 
Nachricht über dasselbe geht nicht über Maffeo Vegio (letztes Viertel des 
15. Jahrhunderts) hinaus (Hist. bas. ant. I 4. Act. SS., Iun. t. VIII), nach 
Welchem die Statue ursprünglich im alten Oratorium des hl. Martinus (rechts 
hinter der Tribüne der Basilika) stand und später durch den Cardinal Olivier in 
die Kapelle der hll. Processus und Martinianus übertragen wurde. Sie erhielt 
damals eine Basis mit dem Wappen des Cardinals, der unter Calixt III Primi- 
cerius der Peterskirche war, welche unter Papst Benedict XIV durch die 
jetzige ersetzt wurde. Die in de Magistrfs Werk (Act. mart. ad Ostia 
Tib. p. 350) gestochene Basis mit den durch den Anonymus Einsiedlensis uns 
erhaltenen griechischen Versen ist ein Phantasiestück, indem, wie längst nach- 
gewiesen, diese Verse nicht zu der Statue gehörtenl. Eine gänzlich un- 
beglaubigte Ueberlieferung, welche unter Benedict XIII verzeichnet wird, lässt 
die Statue unter Lee d. Gr. gegossen werden, der 452 den Iuppiter Capito- 
linus einschmelz. Demgemäss pflegt man diesen Guss meist dem 5., selbst 
dem 4. Jahrhundert zuzuschreiben. Schon Didrong hat ihn dagegen aus stili- 
stischen Gründen in die 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts versetzt, und diese An- 
sicht ist, wie uns scheint, mit zutreffenden Gründen, kürzlich durch Franz Wick- 
hoff, vertheidigt werden 3. In der That verräth die Behandlung des Mantels 
nur eine missverstandene Nachahmung antiker Tracht, während der ganze 
Habitus des Werkes in seiner Verbindung eigenthümlicher Steifheit mit lebens- 
voller Frische nicht eine alternde, abgebrauchte Formen nur stumpf wieder- 
gebende, sondern auch eine beginnende, mit den, Schwierigkeiten noch ringende 
Kunst verräth. Die weitere Vermuthung Wickhoifs, die Statue sei Arnolfo 
di Cambio, der 1282 das Tabernakel von S. Paolo fuori le mura schuf, oder 
einem seiner Schüler zu verdanken, ist gleichfalls ansprechend, und es kann 
mit Fug und Recht auf Arnolfois Jungfrau in Orvieto und seine Marmor- 
statue Karls von Anjou im Senatorenpalast als Gegenstück der Petrusstatue 
verwiesen werden. Kaum zweifelhaft erscheint, dass der Mantel der letztern 
(in ungeschickter Wreise) jener andern Petrusstatue aus Marmor nachgebildet 
ist, welche, von Enea Silvie erwähnt, einst im Atrium der alten Peterskirche, 
innen über der ehernen Eingangsthüre, stand und von Paul V in die vatica- 
nischen Grotten übertragen wurde (Fig. 187). Dort steht sie jetzt noch, 
unter einem Cesmatenwerk, dessen Sitz einst Benedicts XII Statue einnah1n4. 
Hände, Kopf und Schlüssel sind im 17. Jahrhundert erneuert worden. Dass 
die Statue nicht eine Oopie der Bronce ist, wie man vielfach angenommen 5, 
hat schon A. Mai eingesehen, indem er sie für die ältere erklärt hat. Es 
fragt sich nur, in welche Zeit sie fällt und 0b sie christlichen Ursprungs ist. 
Wickhoffß hält sie für eine als Petrus adoptirte antike Consularstatue, eine 
Petrus- 
Statuen 
I 
1 Vgl. m: Rossl Inser. U 1. 
2 Ann. arch. XXIII (1863) 29. 
3 Zeitsehr. f. bildende Kunst. Neue Folge. 
(1890) 109 f. 
4 Vgl. DIONYSIUS Crypt. Vat. 1. IX. GAR- 
RUCCI tav. 4291-3.  Real-Encyklopädie II 
784. 
5 BUNSEN und PLATNER Beschreibung der 
Stadt Rom II 1, 20. 
5 WmKuoFF a. a. O. S. 110.
        

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