Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1888059
Viertes 
Buch. 
Die 
altchristliche 
Sculptur. 
IN der vorconstantinischen Zeit sehen wir die christliche Sculptur hinter Seltenheit 
der Malerei vollkommen zurücktreten. Erst mit dem Sieg der Kirche migihe, 
erhebt sie sich, um in der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts, in den Pro- Werke 
vinzen bis ins 5. Jahrhundert hinein, ihre Hauptblüte zu entfalten. Bald nach 
dem Sturze des Westreiches sehen wir sie verfallen; an grossen Aufgaben 
und an Fähigkeit, solche zu bewältigen, fehlt es alsbald; das plastische 
Leistungsvermögen zieht sich mehr und mehr auf den Betrieb der sogenannten 
technischen und Kleinkünste zurück. 
Die Ursachen dieser Erscheinungen liegen zu Tage. Zunächst muss mit 
dem Umstande gerechnet werden, dass plastische Werke aller Art leichter 
als die in den Coemeterien durch Verschüttung gesicherten Gemälde der Zer- 
störung preisgegeben waren. Man darf annehmen, dass der Procentsatz der 
auch vor Constantin geschaffenen Sculpturwerke der Christen viel betracht- 
licher war als derjenige ist, welcher die uns erhaltenen im Verhältniss zu den 
Gemälden aufweisen. Aber auch zugegeben, dass thatsächlich vor 312 die 
Sculptur bedeutend hinter der Malerei zurücktrat, so braucht man nicht weit 
nach den Gründen dieser Erscheinung zu suchen. Plastische Werke waren da- 
mals wie heutzutage eine kostspielige Sache. Die Beschaffung ligurirter Sarko- 
phage lag gewiss den Privatpersonen 0b, welche für sich oder die lhrigen diese 
Begräbnissweise wählten. Da die weitaus grösste Zahl der Gläubigen sicher 
den unbemittelten Ständen angehörte, ergab sich von selbst, dass nur wenige 
Gemeindemitglieder an eine solche Auszeichnung denken konnten. Die Coeme- 
terialgemalde dagegen wurden, wie man im allgemeinen wird annehmen 
dürfen, auf Kosten der das Coemeteriuin besitzenden Gemeinde oder Frater- 
nitas hergestellt. Es kam hinzu, dass die Aufstellung niehtsepulcraler Sculptur- 
werke in Wohnungen, Basiliken u. s. f. über der Erde angesichts der Arcau- 
disciplin und in den Zeiten der "Verfolgung bedenklich sein musste. Endlich 
konnten derartige Bildwerke, wie auch die Sarkophage, nicht unter der Erde, 
in dem schützenden Dunkel der Katakomben, ausgeführt werden. Man be- 
durfte zu ihrer Herstellung des Lichtes des Tages und wohleingerichteter 
Ateliers. In der ganzen Zeit der Verfolgung war damit ihre Beschaffung 
ausserordentlich erschwert, oft unmöglich gemacht; und das um so mehr, 
als die Christen thatsächlich beim Ankauf ihrer Sarkophage von den Allen 
zugänglichen Ateliers und Verkaufsstätten vielfach abhängig Waren. Das 
geht aus der Thatsache "hervor, dass, wie sie halb fertiggestellte Epi- 
Kraus, Geschichte der christl. Kunst. I. 15
        

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