Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1888034
Altchristliche Malerei. 
malerei platzgegriffen zu haben; zum Theil so, dass die ganze Wand vorerst 
mit dem punischen Wachs bestrichen, durch Wärmepfannen erhitzt und mit 
demselben Bindemittel ausgemalt wurde. 
Die Stellung, welche unsere altchristlichen Bildwerke hinsichtlich ihres Kunstwertli 
absoluten Kunstwerthes einnehmen, ist allerdings, soweit wir nach dem clgjätääel, 
uns erhaltenen Monumentenschatz zu urteilen in der Lage sind, keine hohe. llhlereiell. 
Die christliche Kunst tritt in einem Augenblicke ins Leben, wo die antike 
Oultur und Kunst sich bereits entschieden dem Niedergangs znzuneigen be- 
ginnen: man kann von ihr nicht verlangen, dass sie sich auf der Höhe des 
augustischen und hadrianischen Zeitalters behauptete oder gar Werke schuf, 
welche an innerm Werthe sich den grossen Schöpfungen der griechischen 
Blütezeit näherten. Auf der andern Seite muss man so gerecht sein, anzu- 
erkennen, dass die noch zu Ausgang des 1. oder in der ersten Hälfte des 
2. Jahrhunderts entstandenen Coemeterialgemälde sehr gut den Vergleich 
mit dem aushalten, was die gleichzeitige profane Kunst leistete oder was 
die damals eben verschütteten Leistungen der campanischen Localkunst dar- 
znbieten hatten. Wir werden sehen, dass das letzte Auffiackern antiker 
Kunstleistung in den Miniaturen des 5. und 6. Jahrhunderts sowie in der 
musivischen Malerei gerade unter den Händen der christlichen Künstler 
platzgreift: genau so, wie die letzten selbständigen Regungen antiker Poesie 
dem Christenthum angehören. Es bewährt sich hier derselbe Parallelismus 
zwischen Litteratur und Kunst, auf den wir so manchesmal aufmerksam zu 
machen haben. Es ist ganz richtig, was Boissier sagt: Die Christen 
entlehnen ihren Vorgängern ihre ganze Technik und schaffen mit christlichen 
Ideen classische Verse. Die Armut und Kläglichkeit mancher der uns er- 
haltenen Reste darf nicht zu der Annahme verführen, als habe es den ge- 
bildeten Elementen der Christenheit im 4. und 5. Jahrhundert an Empündungs- 
vermögen für das Schöne und an ästhetischer Urteilskraft gefehlt: wäre das 
der Fall gewesen, so hätten Schöpfungen wie die Basilika des constantini- 
schen Zeitalters und die Mosaikmalerei von Rom und Ravenna nicht aus 
dem Schooss dieser Gemeinden hervorgehen können. Gegen diese Annahme 
spräche allein schon die merkwürdige Thatsache, dass gerade jetzt in der 
christlichen Litteratur das Naturgefühl zum erstenmal durchbricht. Wir 
wissen jetzt sehr gut, dass die Empfindung für das Naturschöne auch den 
Alten nicht gefehlt hat, Aber was früher nicht ins Bewusstsein getreten, 
das trat jetzt hervor, nachdem in der gesammten geistigen und sittlichen 
Anschauung der Welt, in den zartesten Gefühlen und Almdungen so tief- 
greifende Veränderungen eingetreten waren. Es ist das Verdienst Alexander 
von Humboldts, zuerst darauf hingewiesen zu haben, wie es die christliche 
Richtung des Gemüthes war, welche aus der Weltordnung und Schönheit 
der Natur die Grösse und die Güte des Schöpfers zu beweisen unternahm, 
und wie in den Schriften der Kirchenvater, vorab der hll. Basilius und Gre- 
gorius von Nazianz, in den Schilderungen der Landschaft und des Wald- 
lebens Gefühle ausgesprochen werden, welche sich mit denen der modernen 
Zeit inniger verschmelzen als alles, was uns aus dem griechischen und 
Nr. 76). Vgl. ausserdem DONNIJRS Abhand- 
lung in HELBIGS ,Wandgemä1de Campaniensi 
MAU Vortrag im Archäologischen Institut, 
13. December 1878 (daraus Archäologische 
Zeitung 1879, S. 166  BLÜMNER Techno- 
logie und Terminologie der Gewerbe und 
Künste bei Griechen und Römern. Leipzig 
1879 f.
        

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