Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1888029
Buch. 
Drittes 
saikeni und Werken der Kleinkunstg, wie auf den Ampullen von Monza, 
beobachtet (also circa, 600). Die Bezeichnung desselben als mystische 
Mandel, Jllandorla, Vesica piscis, Osterei gehört dem Mittelalter an 3. 
Nur wenige Worte noch über die Technik und den ästhetischen 
Werth der altchristlichcn Malerei. 
Technik (m- Wir besitzen aus den ersten sechs Jahrhunderten nur Reste monumentaler 
 Malerei; dass die Christen auch Tafelgemalde besassen, kann nicht zweifel- 
haft sein und wird uns in der That überliefert 4. Es lag in der Natur dieser 
Erzeugnisse, dass sie dem Verderben leichter als die im Schooss der Erde 
geborgenen Denkmäler anheimiielen. Aber welches, wird man fragen, war 
das technische Verfahren, dessen sich die Christen bei ihren Katakomben- 
gemälden bedienten? Es ist selbstverständlich kein anderes gewesen als 
dasjenige, dessen man sich in der profanen Kunst bediente. Die Aufdeckung 
zahlreicher Reste der letztern in den verschütteten Städten Oampaniens und, 
in unserer Zeit, in den Ruinen der Kaiserpaläste auf dem Palatin wie in den 
Gräbern der Via Latina hat bekanntlich umfassende Untersuchungen über die 
bei diesen Bildern angewandte Maltechnik hervorgerufen, welche, bis in die 
jüngste Gegenwart fortgesetzt, noch immer zu keinem abschliessenden Resultat 
geführt zu haben scheinen. Man nimmt in der Regel an, dass in den pom- 
pejanischen Wandmalereien fast ausschliesslich mineralische Farben zur An- 
wendung gelangten. Von animalischen Stoffen kommen indessen der Saft der 
Purpurschnecke und das aus Knochen oder Elfenbein gefertigte Schwarz, von 
vegetabilischen noch das Kohlenschwarz in Betracht. Kreideweiss, Ockergelb, 
Orange mit Mennig, gebrannter (brauner) Ocker, Kupferoxydblau waren die 
üblichen Farben, über deren Auftrag uns Vitruv (VII 8, 5) nähern Bericht 
gibt. Der Bewurf der zu bemalenden Wandfläche mit einer Kalkschichte, der 
Ucberzug dieser durch verschiedene Lagen von Kalkmörtel und Marmor- oder 
Gipspulver, das Festschlagen und Glätten der obersten Schichten mit dem 
Schlagholz waren die ersten Manipulationen, die der Maler vorzunehmen hatte. 
Er trug dann entweder seine mit Wasser angefeuchteten Farben auf die noch 
feuchte Wand auf (al fresco), so dass eine chemische Verbindung der Farben 
mit dem Kalkverputz eintrat, oder er gab seinen Farben einen Leimzusatz 
als Bindemittel und trug sie auf die trockene Fläche auf (a tevnpera). Eine 
dritte Technik, die enkaustische Malerei, bestand darin, dass mit Wachs oder 
Harz versetzte Farben mittels glühender Eisen eingebrannt wurden. Man 
nahm früher an, dass dies Verfahren nur bei Tafel- und Staffeleigemälden 
zur Anwendung gelangte. Das Malen mit sogen. punischem (d. i. zersetztem) 
Wachs, das mit Wasser mischbar war und wobei die gemalten Figuren, 
Ornamente u. s. f. durch nachheriges Erwärmen grosse Festigkeit erlangten, 
scheint aber nach den neuesten Untersuchungenß gerade auch bei der Wand- 
1 GARRUCGI tav. 284. 293. 
2 Ibid. tav. 4204. 4305- "l 4351. 
3 Vgl. Real-Encykl. II 496. DIDRON 
Iconogr. de Dieu p. 1-146. J. P. RICHTER 
in der Allgem. ew-luth. Kirchenzeitung 1877, 
Nr. 25. V. SGHULTZE Archäol. Stud. S. 63. 
205. 208. 216. 
4 Vgl. über 'l'afellgemälde des 6. Jahr- 
hunderts  MÜNTZ Etude sur l'histoire de 
1a peinture (Paris 1882) p. 22. 
5 Ich verweise hiermit auf die Mitthei- 
lungen ERNST BERGERS im Münchener Archi- 
tekten- und Ingenieuren-Verein, 31. März 
1894 (Allgemeine Zeitung 1894, Beilage
        

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