Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1887986
Drittes Buch. 
Die 
Etimasie. 
bürgen (jetzt in Wien) mit Valens und Valentinian I sehen 1. Die Conseerations- 
münzen römischer Kaiser, wie diejenige Constantins, mit der gen Himmel 
fahrenden Quadriga Wirkt in unserer altchristlichen Darstellung von der Himmel- 
fahrt des Elias nach, wie die den Kranz des ewigen Lebens von oben herab- 
reichende Hand Gottes an die Receptio ad sidera erinnert 2. Speciell die Con- 
sulardiptychen mit dem Bilde des den Codex der kaiserlichen Edicte haltenden 
oder seinen Schiedsspruch mit erhobener Hand beginnenden Consuls (vgl. das 
Diptychon des Rulianus in Berlin) mussten auf die Schilderung des thronenden 
Erlösers einwirken. Die Münzen römischer Kaiserinnen mit der Pietas 
ielugustae (weibliche Figur, zwischen zwei Kindern stehend oder eines auf 
den Armen haltend) werden ebenso als Vorbild der Schilderung der Madonna 
mit dem Jesuskind angesprochen. S0 namentlich das Goldmedaillen der 
Fausta, Constantins d. Gr. Gemahlin (von 316?), welches die Kaiserin mit 
vom Nimbus umstrahltem Haupte auf dem Thronsessel en face zeigt: sie reicht 
dem auf ihrem Sehoosse liegenden Kinde die Brust, rechts und links stehen 
die allegorischen Figuren der Aeternitas und Felicitasg. Ebenso sieht 
man in einem Elfenbein der Trivulzfschen Sammlung in Mailand die Dar- 
bringung des Tributs durch unterworfene Barbaren in einer an die Darstellung 
der Magier erinnernden Weise geschildert, selbst mit Uebereinstimmung des 
Details und des asiatischen Costüms 4. In Bezug auf beide Annahmen muss 
indessen daran erinnert werden, dass der Typus der thronenden Madonna und 
der ihre Gaben bringenden Magier schon seit Ende des 1. Jahrhunderts in der 
Katakombenkunst uns entgegentritt, also in seinem Kern alter ist als die 
angezogenen Parallelen aus der Profankunst. Diese hat also wol hier nur eine 
auf die Ausbildung des Details und gewisser ziccessorischer Züge gerichtete 
Einwirkung geübt. Es liegt darum auch gar kein Grund vor, mit Gayet 
und nun Wiederum mit Schlosser auf den Typus der altägyptischen Isis mit 
dem Horuskopf zurückzugeben. 
Schlosser hat auch die Etimasie von der Ausstellung der kaiserlichen 
Dienstinstructionen an die Statthalter der Provinzen (der sacra mandata) auf 
einem drapirten Gerüste abgeleitet; ich glaube, dass die von mir vorgelegte 
Erklärung besser entspricht. Begründeter dürfte die Ableitung des mittel- 
alterliehen H öllenrachens (der in dem Ottonisehen Evangeliar noch die 
Beischrift ,abyssus' trägt) von dem als antike Okeanosmaske geschilderten 
Abyssus (auf Genesisbildern, in Miniaturen, auf dem Mosaik zu Monreale) 
sein 5. Dagegen hege ich ernstliche Bedenken, Schlossers weiteren Aus- 
1 Vgl. FRÖHNER Les medaillons de Fem- 
pire romain p. 278. KENNER im Jahrbuch 
der kunsthistor. Samml. des allerhöchsten 
Kaiserhausey IX 170. Ebd. XI Taf. 4, Nr. 365. 
2 Vgl. KENNER in der Nulnism. Zeitschr. 
1880. 
3 Vgl. FRÖHNER 1. c. p. 292. SGHLOSSER 
a. a. O. Derselbe beruft sich unter anderm 
auf das von STRZYGOWSKI (Byzant. Denkm. 
[Wien 1891] I Taf. 1) publicirte Etschmiadziu- 
Evangeliar, dessen Elfenbeindeckel in der That 
den thronenden Heiland völlig dem Typus 
des Consuls nachgebildet, umgeben von den 
Scenen seines Erdenlebens, und auf der Rück- 
seite die Madonna mit dem Kinde ganz ähn- 
lich der Darstellung der Kaiserin Fausta auf 
der constantinisehen Goldmünze bietet. Für 
die Nachbildung eines Consulardiptychons 
spricht hier noch die Abwesenheit des Nimbus 
und der obere Abschluss der beiden Platten 
durch zwei einen Kranz mit dem gleich- 
schenkligen Kreuz tragenden Engel (Vic- 
torien). 
4 W. MEYER Zwei antike Elfenbeintafeln. 
München 1879. 
5 Scnrossna a. a. O. und ,Beiträge zur 
Kunstgeschichtd (Wiener Sitzungsber. 1891, 
S. 1162), mit Verweisung auf Libr. Carolin. 
III 23. Dazu Bmssm. Ott. Evang. (Aachen 
1886) Taf. 24.
        

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