Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1887976
Altchristliche Malergi. 
in der im Kerker verfassten Schrift ,Ueber den Trost der Philosophie von 
den Argumenten gänzlich absieht, Welche der Glaube in solcher Lage des 
Lebens an die Hand gibt. Anderer Natur ist Ausonius, der Lehrer des 
Kaisers Gratian, dessen Gedichte Christliches und Heidnisch-Obscönes in merk- 
würdiger Mischung bieten. Solcher Geistesrichtung mochte das Ehepaar an- 
gehört haben, welches sich das schon erwähnte, früher der Sammlung des 
Herzogs von Blacas, jetzt dem British Museum gehörende, 1793 in Rom 
gefundene Schmuckkästchen schenken liess, auf welchem neben der Inschrift 
SECVNDE ET PROIECTA VIVATIS IN CHRIsto die Toilette der Venus 
dargestellt istl (Fig. 178). Ausgiebigere Beispiele solcher synkretistischer 
Gesinnungen liefern die Inschriften; der Umstand, dass uns wenige bildliche 
Darstellungen ähnlicher Art erhalten sind, beweist entweder, dass dieser 
Synkretismus nicht allzu tief ins Leben eingedrungen und sich nicht lange 
gehalten hat, oder dass die Denkmäler dieser Gattung, wie das leicht ver- 
ständlich ist, in den späteren Jahrhunderten beseitigt worden sind. 
Nicht auf Rechnung des Synkretismus ist es dagegen zu setzen, wenn 
auch Christen bei Darstellung rein profaner Gegenstände bei den hergebrachten 
Typen der römischen Kunst blieben. In der Profankunst tritt uns die parallele 
Erhaltung beider Typen, während der christliche in der Sacralkunst längst 
ausgeprägt ist, sowol in den bald zu besprechenden Kalenderbildern des Philo- 
calus als in der Textilkunst entgegen 2. 
In diese Kategorie fällt auch die Verwendung profaner Motive in der 
christlichen Kunst da, wo ein profaner, dem Leben der Gegenwart angehörender 
Vorgang als Analogon eines religiösen aufgefasst und verwerthet wird 3. Wir 
haben in der Darstellung des Weltgerichts auf der barberinischen Terracotta 
eine solche Benutzung profaner Elemente kennen gelernt. Diese Darstellung 
ist, wie ich seiner Zeit nachgewiesen habe, "die des sogen. Liberalitas Azagusti. 
Die Darstellung des seine Gaben austheilenden Kaisers erschien geeignet, 
um die Freigebigkeit des seinen Lohn austheilenden Erlösers zur Anschauung 
zu bringen. Die Entgegennahme der Anweisungsrolle, wie wir sie auf dem 
Constantinsbogen dargestellt sehen, wird vorbildlich für die Ertheilung und 
Entgegennahme des christlichen Gesetzes, jener sich zwischen Petrus und 
Paulus einerseits, Christus anderseits abspielenden Scene, die wir so manches- 
mal dargestellt sehen 4. Die thronende Gestalt des Herrn auf unseren Mosaiken 
und Elfenbeinen wiederholt die Gestalt des im goldgestickten Staatskleide da- 
sitzenden, mit dem Nimbus gezierten, in der einen Hand die Weltkugel hal- 
tenden, die andere mit ausgestrecktein Zeige- und Mittelfinger  der Gebärde 
des Sprechenden  erhebenden Kaisers, wie wir sie auf dem in Madrid befind- 
lichen Silberschild des Theodosius, auf einem Bronceniedaillon Constantins d. G12, 
auf dem grossen Goldmedaillen aus dem Schatzfund von Szilagy-Somlyö in Sieben- 
1 VISOONTI Opp. var. 1 (ed. Liuzns) 216. 
2 Vgl. betreffs letzterer RIEGL 'I'extil- 
funde S. XXIII. 
5 Vgl. jetzt den Aufsatz JUL. v. SGHLOSSERS 
über heidnische Elemente in der christlichen 
Kunst des Alterthums (Allg. Ztg. 1894, Beil. 
zu Nr. 248. 249. 251), dessen Conclusionen 
ich indessen theilweise ablehnen muss. 
4 Vgl. die auch nach andern Rüoksichten 
beachtenswerthen Mittheilungen Swosonßs 
betr. der Pyxis von Pola (in den Mitthei]. 
der k. k. Centralconnnission 1890). Derselbe 
citirt eine Aeusserung des hl. Chrysostolnus, 
die nach dieser Hinsieht allerdings höchst 
charakteristisch ist: ,So wie die Kaisei", sagt 
der Kirchenlehrer, ,ihren Statthalter]: als 
Zeichen der Herrschaft goldene Bücher über- 
reichen, ebenso hat auch Gott jenen Gerechten 
als Sinnbild des Glaubens die Gesetzestafeln 
gegeben."
        

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