Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1887929
Buch. 
Drittes 
tarischem Zustande, einen geflügelten Jüngling vor Maria mit dem Kinde 
stehen 1. Dann zeigen die Mosaikmalereien in S. Maria Maggiore, diejenigen von 
S. Apollinare Nuovo in Ravenna, die späteren Johannes, VII und Leo's III die 
geflügelten Engel, nicht minder ein Enkolpion des 4. Jahrhunderts 2, eine Lampe 
des 5. Jahrhunderts3, welche bereits den Uebergang zu den kleinen Engeln 
des Mittelalters zeigt. Im Codex Rossanensis (Taf. 13) bietet ein Engel mit 
silbernen Flügeln, goldenem Nimbus und weissem Gewand dem Herrn eine gol- 
dene Weinschale dar4. Eine dritte Erweiterung erfahren die Engelsbilder durch 
den Hinzutritt des Stabes, den sie als IIcrolde Gottes tnrgeri (so auf der in Sibirien 
gefundenen Silberschale 5, auf einem Moskauer Onyx des 7. Jahrhunderts und auf 
den Mosaiken von S. Agata in Ravenna, um 400) und dem dann bald auch ein 
Kreuz aufgesetzt wird. Solch einen Kreuzstab zeigen u. a. die Mosaiken von 
S. Michele in Ravenna; ebenda erscheinen die untergeordneten Engel auch bereits 
mit Blasinstrurnenten am Munde. In der J osuahandschrift des Vatican (8. Jahr- 
hundert) begegnen wir St. Michael bereits in kriegerischer Rüstung mit dem 
Schwert in der Hand, mit Nimbus und Flügeln 6. Schon Chrysostomus hatte von 
Engeln in kriegerischer Rüstung gesprochen. Noch etwas später erhält dieser 
Erzengel ausser dem Stab in der Rechten (Offb. 21, 15) auch die Weltkugel 
in die Linke als Attribut (so in den Katakomben von Verona aus dem 10. J ahr- 
hundert und auf Denkmälern des 11. Jahrhunderts 7), welche Auszeichnung an- 
geblich auch Gabriel auf der Tafel des Klosters Dshumati trägt 8. Abbildungen 
der Cherubim finden sich seit dem 6. Jahrhundert in der Rabulashandschrift 
zu Florenz und in dem Cod. Vatic. des Cosinas Indicopleustes (7. Jahrhundert); 
ihre Flügel, mit Augen bedeckt, lassen nur Antlitz, Hände und Füsse sicht- 
bar. Die Unterscheidung der Engel nach ihren Namen und nach der (Jlassili- 
cation des Dionysius Areopagita hat erst der Byzantinismus eingeführt; wie 
sie zu malen sind, gibt das Malerbuch vom Berge Athos genau an. Doch 
gehört die Unterscheidung der drei Erzengel Michael, Gabriel, Raphael noch 
unserer Periode an, wo sie seit dem 6. Jahrhundert auf den Mosaiken Ravennas 
auftritt. Uriel ist höchstens auf einigen geschnittenen Steinen nachweisbar. 
Wo nur zwei Erzengel nebeneinander vorkommen, ist regelmässig an Michael 
und Gabriel zu denken9. Die Ausbildung des Engelcultes und der Engel- 
namen, welche die Aeonenlehre der Gnostiker unternahm und welche in den 
Abraxasbildern und den geschnittenen Steinen der Gnostiker ihre Bezeugung 
hat, konnte auf den Gang der kirchlichen Kunst keinen massgebenden Ein- 
fluss gewinnen. 
Mythologie Wir haben gesehen, was von Raoul Rochette's Theorie zu halten ist, 
üiflilfllääz; nach welcher alle wesentlichen Typen der altchristlichen Kunst der ihr voraus- 
Synkretis- gehenden griechisch-römischen entlehnt sein sollen. Aber kann denn in keiner 
111118. 
1 Das Relief ist zusammenzuhalten mit 
der von BAYET behandelten Sculptur am 
Ambo von Thessglonich  Jahrhundert). 
Vgl. ,Bibl. des Ecoles Frang. d'Athönes et de 
Rome' I (1876) 252. 282 s. 
2 Bull. 1872, tav. 21. 
ß Ibid. 1867, p. 12. 
4 Vgl. andere Beispiele Real-Encykl. II 417. 
5 Bull. 1871, p. 154; 1875, tav. 10 2. 
6 GARRUCCI tav. 159. 
7 CARAVITA I codici e arti a Monte- 
cassino I 233. Vgl. CLAMPINI Vet. mon. I 15. 
8 KONDAKOFF Geseh. des byzant. lümails 
(in Swmnaononsxofs Byzant. Zellenschmuck 
1894, Taf. 272, Fig. 91). 
9 Belege s. Real-Enoykl. I 419.
        

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