Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1887848
Drittes Buch. 
weitert und verklärt ihn indessen durch den Ausblick über diese Erde und 
ihren die Todten bergonden Schooss hinaus ins Jenseits. So bei Gregor von 
Nazianz 1 und die dem Papst Gregor d. Gr. von dem Erzbischof Peter Oldradius 
gewidmete Grabschrift: iguscipe terra tuo corpus de corpore sumptimz, reddere 
quool valeas vivißcante Dco 2. Die Personilication der Erde auf christlichen 
Sarkophagen kann daher nicht überraschen. Man begegnet ihr auf einem 
vaticanischen Sargeß, wo sie unter der Inzago clypeata als nackte weibliche 
Figur mit zwei Kindern erscheint; auf einem andern 4 bildet sie (mit Bezug- 
nahme auf Is. 6G, 1) den Fussschemel Christi: eine weibliche Halbfigur hebt 
einen bogenförmig wehenden Schleier über dem Haupte empor. Andere sehen 
hier freilich eine Personiiication des Himmels oder einer Flussgottheit; doch 
spricht die Darstellung der Erde in einem pompejanischen Gemälde, wo sie 
den Schleier Aurora gegenüber emporhebt, für erstere Annahme. Auf Denk- 
mälern der christlichen Kaiser sieht man die als weibliche Gestalt mit ganz 
oder halb entblösstem Oberkörper, Früchte im Schooss oder im Füllhorn hal- 
tend, geschilderte Erde dem Imperator huldigen; so auf dem barberinischen 
Diptychon, auf zwei Goldmedaillons des Kaisers Valens und einer Silberscheibe 
des Kaisers Theodosius d. Gr. in Madrid. 
Den über der Erde sich wölbenden Himmel veranschaulichten die Alten 
in dem Bilde des Atlas, eines gigantischen Mannes, der ein das Gewölbe des 
Firmaments symbolisirendes Gewandstück über sich hält. Die christliche 
Kunst übernahm auch diesen Typus; doch bietet nur der Sarkophag des Iunius 
Bassus ein Beispiel dafür 5. Der Schleier des Atlas dient auch hier dem thronen- 
den Erlöser als Schemel. Auf zwei anderen Denkmälern, einem africanischen 
Sarkophag und einem Relief in Perngia 6, ist derselbe Gedanke durch das 
Ruhen der Füsse Christi auf dem Schleier allein ausgedrückt. 
Eine Darstellung der Planeten, welche mit den übrigen Himmels- 
körpern in gewissen gnostischen Systemen eine so grosse Rolle spielen, ist 
in der altchristlichen Kunst nicht nachzuweisen, es sei denn, dass man die 
Tafel des ophitischen Systems mit Einzeichnung der Planeten, deren Origenes 
gedenkt (C. Gels. VI 25), dahin rechnen will. Ein von Boeckh7 und A. Mai 
veröffentlichter Stein aus Milet mit den sieben Planeten wird nicht christlichen 
Ursprunges sein. 
Das Meer wird bald männlich bald weiblich dargestellt, je nachdem die 
Personiiication von der Bezeichnung Ocecmus oder Qdllaaaa ausgeht. Auf einem 
römischen Sarkophags ist das Rothe Meer als eine halbnackte, an der Erde 
liegende Nymphe gebildet; auf anderen Sarkophagen erscheint uns der Oceanus 
als ein mit dem Ruder im Arm das Meer ausgiessender bärtiger Greis 9. Be- 
kannt ist die decorative Verwendung des von Tritonen, Delphinen und Nereiden 
umgebenen Oceanuskopfes in der profanen Kunst, wo Minervini eine An- 
spielung auf die Transmigration der Seelen nach den glücklichen Inseln des 
Jenseits sehen will. Aehnlich wird auch der grosse Oceanuskopf in S. Callisto 10 
1 Die Nachweise s. Real-Encykl. II 428. 
2 GRUTER C. I. II 11751.  CANCELLIERI 
De secr. vet. bas. Vatic. II 669.  Wie sehr 
der Text gefiel, zeigt die Nachbildung des 
Epitaphs in Metz, am Grab des hl. Urbicius 
(KRAUS Christl. Inschriften II Nr. 314.  
DE Rossx Inscr. II 1, p. xLm 14. 166). 
3 PLATNER II 2, 26, n. 13. 
4 BOSIO p. 85. 
5 GARRUCCI tav. 322 2. 
ß Ibid. tav. 32214. 
7 C. I. Gr. n. 2895. 
ß GARRUCCI tav. 809 3. 
9 Ibid. tav. 3313. 
I" DE ROSSI Roma sotterranea 
tav. 27. 28. 
II 
359,
        

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