Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1887649
Die Entstehung des Ohristusbildes kann, wie aus unserer Darstellung er- 
sichtlich ist, nicht mit irgend einer Sicherheit auf eine bestimmte, in der 
Gemeinde festgehaltene Ueberlicferung zurückgeführt werden. Es erscheint 
klar, dass im Gegentheil die verschiedenen Zeiten und die verschiedenen 
Völker das ihnen eigenthümliclie Ideal männlicher Schönheit und gebietender 
Hoheit zu verwirklichen strebten  eine Beobachtung, die bereits im 9. Jahr- 
hundert durch den Patriarchen Phetius gemacht wurde, welcher als Pendant 
zu dieser Erscheinung die verschiedenartige Aneignung der Heiligen Schrift 
durch die Nationen in den Ueber- 
 stellt. Es erhebt sich indessen lllßl- 
 die Frage, 0b bei der Ausbildung 
 des Christustyps im 4. und 5. Jahr- 
 hundert äussere Einflüsse wirkten, 
 bezW. Anlehnungen an Typen oder 
 Vorbilder der profanen Kunst statt- 
 gefunden haben. Den jugendlichen 
 Ideeltypus hat bereits R- Rßßhem 
 als eine Nachbildung. des Apollo- 
     318""; a": den gefällig, Trgdetauf 
    en Jens YPUS Zurüc 1 ein YS 9m, 
    welches am weitesten von Dietrich- 
    Ä   son ausgebildet wurde, der demnach 
 einen Apollinisßhen, Dionysi- 
Fig.147. ChristuskopfinApolliinirc Nuovoin Ravenna. sehen (vom guten Hirten) und 
Zeus-Typus (Iuppiter, Serapis) 
unterscheidet 2. Diesen Ausführungen ist von mehr als einer Seite entgegen- 
gehalten werden, dass sie völlig beweislos dastehen, wie auch die Ansicht, 
nach welcher die Kirche ihr Christus-Ideal den Gnostikern entlehnt habe, jeder 
Spur eines Beweises enträth. Es muss vor allein wieder darauf hingewiesen 
werden, dass im 4-. und 5. Jahrhundert, wo diese Entlehnungen stattgefunden 
haben sollen, das Verhältniss zwischen Christen und Heiden viel zu gespannt 
tragen, z. B. die Gemme bei MARUCCHI (Bull. 
1879, p. 40). Nur als Curiositäten seien zwei 
Werke erwähnt, welche auch Andere als 
Laien in Irrthum geführt haben. Ein stark 
rcstaurirtes Mosaik, welches eine Reihe von 
Jahren dem Museo Cristiano einverleibt war, 
aber durch de Russi wieder entfernt wurde, 
zeigt einen hässlichen und geistlosen Profil- 
kopf, der nach Kugler dem 3. Jahrhundert 
angehören könnte. Die öfter reprodueirte 
Platte (Photographie SIMELLI; Holzschnitt bei 
GLÜGKSELIG a. a. O. S. 93) ist ein schlechtes 
modernes Fabricat. Ziemlich verbreitet ist 
die Copie eines in Smaragd geschnittenen 
Ohristuskopfes, welchen der Sultan Bajasid 
dem Papst Innocentius VII[ zum Geschenk 
gemacht haben soll. FRIEDLÄNDER (,The0l. 
Studien und Kritiken'I [1870] 146) hält den 
lntaglio für ein Werk des 15. Jahrhunderts, 
was mir selbst noch sehr zweifelhaft ist. 
1 Vgl. R. R-OGHETTE Disc. sur Porigine etc. 
des types imitatifs. Paris 1834.  HoLTz- 
MANN Ueber die Entstehung der Christus- 
bilder der Kunst (Jahrb. für protest. Theol. 
I [1877] 189, und Repertorium für Kunst- 
wissensch. V [1882] 436).  Rossmuvn Vorn 
Gestade der Cyklopen und Sirenen (1869) 
S. 60; Eine protestantische Osterandacht 
in St. Peter (1871) S. 12. 99.  TREDE in 
Allgem. Zeitung 1886, Nr. 207, Beil. 
2 L. DIETRICHSON Ühristusbilledet. Vgl. 
auch P. WOLTERS Die Darstellungen des As- 
klepios (Mitthlgn. des k. arch. Inst., Athen. 
Abth. XVII (1892) 1.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.