Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1887580
Drittes Buch. 
Augustin (De haer. c. 7) berichtet von einem Weibe Namens Marcellina, welche 
ausser dem Bilde Jesu diejenigen des hl. Paulus, des Homer und Pythagoras in 
Ehren hielt; und von Kaiser Alexander Severus ist bekannt, dass er in seiner 
Hauskapelle die Bilder (Büsten?) Abrahams, Orpheus' und Christi aufstellte und 
mit Opfern ehrte (LAMPRID. c. 29). Wichtiger ist die Meldung des Eusebius, die 
von dem Herrn geheilte blutflüssige Frau habe vor ihrem Hause in Paneas 
(Caesarea Philippi) demselben ein Denkmal aus Metall errichten lassen, welches 
die Statue eines Mannes zeigte, der, in ein weites Pallium gehüllt, der vor 
ihm auf den Knieen liegenden Frau die Hand entgegenstreckte (Hist. eccl. 
VII 18). Am Fusse der Statue wuchs ein fremdes Kraut, das als Heilmittel 
gegen allerlei Krankheiten galt. Nach dem Zeugnisse desselben Eusebius, 
der die Statue auf seiner Durchreise sah, und dem des Asterius hat bereits 
der christenfeindliche Maximinus Daza (305) die Statue entfernen lassen; und 
eine neue Beschädigung bezw. Beseitigung derselben wird von Julian erzählt 1. 
Auch der in unserer Zeit wieder gefundene Apologet Macarius Magnes (ed. 
BLONDEL 1876, 1) bestätigt die Geschichte von der Errichtung der Statue 
durch die Blutflüssige, die er bereits Berenike nennt. Die neuere Kritik hat 
sich ziemlich einstimmig geweigert, dieser Erzählung Glauben beizuinessen; 
sie hat meist angenommen, irgend ein heidnisches Standbild, vielleicht ein 
Denkmal Hadrians und der von ihm besiegten Iudaea, habe den Christen An- 
lass gegeben, die Bildsäule zu Paneas missverständlicherweise auf Christus zu 
beziehen. Aber wenn dieselbe einen Kaiser vorstellte, ist gänzlich undenk- 
bar, dass Maximinus und Julian sich an ihr vergriffen haben sollten; und 
anderseits lässt die in der Heimat des Judenthums noch lange sich erhaltende 
Abneigung gegen bildliche Darstellungen nicht annehmen, dass die dortige Be- 
völkerung so leicht und ohne eine bestimmte Ueberlieferung das Denkmal in 
Paneas a.uf Christus bezogen haben soll. Auch de Rossi ist überzeugt, dass 
es sich hier um eine wirkliche Christusstatue handelte und dass dieselbe den 
traditionellen Christustypus möglicherweise beeinflusst habe. 
Wenden wir uns von den litterarischen Nachrichten zu den uns erhal- 
tenen Monumenten, so stellt sich hinsichtlich der Darstellung des Erlösers die 
Sachlage also heraus. 
Auf den Katakombengemälden und Sarkophagen wird uns der Herr ent- 
weder nur symbolisch (als guter Hirt, dreimal als Odysseus, s. oben) oder 
typisch (in den alttestamentlichen Scenen) oder endlich direct (in neutestament- 
lichen Episoden, seine Wunder wirkend) vorgeführt: in allen diesen Fällen 
erscheint er bartlos, jugendlich, mit oifenbarer Hindeutung auf die ewige, un- 
verwelkliehe Jugend des Gottmenschen. Um die Mitte des 4. Jahrhunderts 
scheint sich das Bedürfniss einer realistischen Auffassung geltend gemacht 
zu haben. Den letzten glanzvollen Nachklang dieser idealistischen Auffassung 
bietet der jugendliche Christus auf dem Mosaik von S. Aquilino in Mailand? 
(Fig. 141). Es tritt uns nunmehr sowol in den Sarkophagreliefs als in 
losgelösten, eigentlich porträtartig gemeinten Brustbildern ein Typ entgegen, 
welcher zwar mit Aufgeben jenes jugendlichen Idealkopfes immerhin noch 
einen Mann voll Hoheit und Manneskraft vorstellt, dessen bärtiger Kopf 
ein volles Alter, aber noch keine Greisenhaftigkeit verräth. Woher kommt 
dieser Typus? Ist er eine freie Erfindung oder lehnt er sich an Vorbilder 
1 Sozom. Hist. 
Hist. eccl. VII 3. 
eccl. V 21. 
PHILOSTORG. 
2 GARRUCGI 
tav. 2341. 
Storia 
dell' 
arte 
cristiana.
        

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