Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1887540
Drittes Buch. 
Porträts 
Christi. 
ab von derjenigen des Crucifixus auf einem der in den Gräbern von Achmini 
in Aegypten gefundenen Gewandstücke, Welche ihr Herausgeber, Forrer, für 
Reste eines von dein Papste einem ägyptischen Bischof zugesandten Palliunis 
hält 1. Auch hier steht der Crucifixus auf dem Suppedaneum und ist mit 
einer blaugestreiften Tunica und darüber mit einer Art Colobium bekleidet; 
Nagelspuren sieht man weder an Händen noch an Füssen; der Kopf ist bärtig, 
wie bei allen antiken Darstellungen ohne Bedeckung. 
Wir machen den Schluss dieser Betrachtung über die altchristlicheii 
Kreuzigungsbilder mit dem Hinweis auf die vielbesprochene Scene im Coe- 
meterium des hl. Valentinus an der Via Flaminia, welche Bosio (III c. G5) 
zuerst bekannt gemacht hat und welche in unseren Tagen durch Marucchi, frei- 
lich nur in ihren kläglichen Resten, wiedergefunden und abgebildet wurde 2 
(Fig. 140). Christus steht auch hier zwischen Maria und Johannes (mit dem 
Buch!) auf dem Suppedaneum am Kreuz, bedeckt von einem langen Colobium, 
eben erscheinen Sonne und Mond. Die Darstellung stimmt ziemlich überein mit 
dem nun untergegangenen, uns nur durch eine Zeichnung Grimaldils erhaltenen 
Mosaik aus dem Oratorium Papst Johannes VII (705), so dass wir wol be- 
rechtigt sind, sie dem 8., allenfalls dem 9. Jalir- 
 hundert zuzuweisen 3.    
  Gehören die Kreuzigungsbilder der altchrist- 
 hchen Kunst bereits ausnahmslos der Zeit raschen 
  und unaufhaltsamen Vepfalles an, so gilt das 
101i!" i!  "dem   nämliche von den Versuchen das Bildiiiss 
  Ch  t. d G  d fx, D. _t 
 A, ris 1 er emein e _vorzu uireii. ie ers en 
f;  Jahrhunderte hatten keinen derartigen Versuch 
   ; 1 " unternommen. Eusebius in seinem ebenerwzihnten 
  Schreiben an die Schwester des Kaisers, Con- 
 stantia (Acta Conc. Nicaen. II a. 787, Act. VI 
 [ed. LABBIE] 994), und Augustinus (De trin. 
Y Fis. 139- ßlßttgßlllkrßuz- VIII 4 und In Joan. 40, 4) geben den Grund 
(Moll ääiiifijqrouz "m! dafür an. Es soll, sagt Jener, nicht aussehen, 
als 0b wir unsern Gott in einem Bilde herum- 
trügen wie die Heiden. Noch bezeichnender ist des Letztern Aeusserung: 
Quando de forma sacri cogitas, in Christa humanem effigiem cogita; quando 
autem cogitas: in principio erat verbum, pereat de corde tuo omnis humana 
ßgziratio." In der Zeit der Verfolgung herrschte ziemlich allgemein die durch 
zahlreiche Kirchenvater (Justin, Clemens Alexandrinus, Origenes, Tertullian) 
bestätigte Meinung, die leibliche Erscheinung des Herrn (in Knechtsgestalt, 
Jes. 58, 2-3) sei eine sehr unansehnliche oder gar unschöne gewesen4: 
später, im Zeitalter der siegreichen Kirche, kam mehr die gegentheilige Vor- 
stellung auf (Hieronymus, Chrysostomus), und man machte keine Umstände, 
sich dafür auf andere Bibelstellen, wie Ps. 45, 3, zu berufen. Diese Vor- 
gänge und die Art, wie sich Irenaeus (I 25) und Augustinus (De haer. c. 7) 
1 Fonmm und MÜLLER Kreuz und Kreu- 
zigung Christi (Strassb. 1894) Taf. H13. 
2 ORAZIO MARUCCHI La cripta sepolcrale 
di S. Valentino (in ,Gli studi in Italiaf [Roma] 
1877, p. 44 sg., tav. 2a).  GARRUCCI 
tav. 842. 
1' Vgl. auch m: Rossl Bull. 1876, p. 78. 
Real-Encykl. II 242.  Ueber die Mosaiken 
J ohannesf VII vgl. MÜNTZ in der Rev. archäo- 
logique 1877, Sept.  GARRUCCI tav. 2791 
bis 280 s. 
4 Vgl. MÜNTER Sinnbilder II 8-9, und 
andere Zusammenstellungen, welche Real- 
Encykl. II 15 angeführt sind.
        

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