Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1887284
Drittes 
zwischen zwei mit Tunica und Pallium bekleideten jugendlichen Personen, 
Welche ihn durchsagen (Fig. 95); das Blut lliesst an den Seiten herab. Die 
Vitter sprechen von der Zersägung des Isaias als einer certissinza traditio 
Iudaeomnn (HIERON. in Is. XV 7. ORIG. Ep. ad Afr.) und erblicken darin ein Vor- 
bild Christi und der Martyrer (TERTULL. De pat. c. 4; PoTAM. Traet. II de mar- 
tyr. Is. proph.). Aber diese Ueberlieferung war nicht unwidersprochen, und sehr 
interessant ist es, zu sehen, wie ein neuentdecktes Schriftstück aus der Zeit des 
Damasus, Priscillians III. Tractat, meint, für diese Historie lasse sich nur 
das Zeugniss der Gemälde und der Poeten, deren Leichtgläubigkeit zu be- 
kannt sei, anführen 1. Dasselbe Glas weist in seinem ersten Felde einen 
Jüngling im Pallium auf, welcher in lehrhaftem Vortrag vor einem zweiten 
steht, dessen Haupt von einem Strahlenkranz umgeben ist und vor welchem 
aus einem runden Behälter eine Buehrolle hervorblickt. Man vermuthet auch 
hier Isaias und eine Anspielung auf Is. 8, 1. Ob die nun folgende Orans als 
Bild Mariens im Zusammenhange mit dieser Scene steht, erscheint ungewiss. 
Sicher aber tritt Isaias auf dem schönen, 1851 entdeckten Wandgemälde von 
S. Priscilla (Ende des 1. oder Anfang des 2. Jahrhunderts) als Verkündiger 
des Erlösers auf 2 und aller Wahrscheinlichkeit nach auf einem Gemälde des 
3. Jahrhunderts in S. Domitilla  Weiter kommen Einzeliiguren Isaias und 
anderer Propheten auf den im 6. Jahrhundert restaurirten Gemälden der Kata- 
kombe von Alexandrien und auf den Mosaiken derselben Zeit vor. Ganz 
besonders bemerkenswerth sind in dieser Beziehung die beiden zerstörten 
Mosaiken der Kathedrale zu Capua (Ende des 8. Jahrhunderts), wo Jeremias 
und Isaias nebst anderen Heiligen mit dem Nimbus auftreten 4. Die von Joh. 
Diaconus beschriebene malerische Ausschmüekung der St. Severuskirehe in 
Neapel (um 866-412) bot zum erstenmal die vier grossen Propheten dar, 
Welche seither so oft im Mittelalter neben den vier grossen Kirchenlehrern 
dargestellt wurden. 
Die Dass neben den Propheten schon sehr frühzeitig in der christlichen Kirche 
Slbym" auch die Sibyllen als Ankündigerinnen der Erscheinung J esu Christi anerkannt 
wurden, ist bekannt. Das Mittelalter hat sie, seit dem 11. Jahrhundert, in 
dieser Eigenschaft neben die Propheten gesetzt, und die spätere Kunst hat, 
wie wir sehen werden, ausgiebigsten Gebrauch von diesem Parallelismus ge- 
macht. Dagegen ist fraglich, ob das christliche Alterthum die Sibyllen irgend- 
wie dargestellt hat. Bis jetzt liegt kein Beweis dafür vor, und der dafür 
angerufene Sarkophag, ehemals im Palazzo Corsini, stellt Scenen aus dem Leben 
der Verstorbenen, nicht die Sibylle mit einem Propheten dar 5. 
Die beiden Eine typologische Gegenüberstellung der beiden Testamente hat 
Testame"ie' man in verschiedenen Scenen erkennen zu dürfen geglaubt G. Ich muss sagen, 
Die 
Sibyllcn. 
1 PmscILL. Tract. III (ed. SCHEPPS. 1889) 
47: ,Fo1'tasse enim aliquis exsiliat et dicat 
Esaialn fuisse dissectxxm; si quis illc est 
inter huiuslnodi, qui ista damnaverint, os 
suum claudat aut certe historiam factae rei 
proferens picturis se dicat credere vel poetis, 
quoniam iam facilius admittunt, quod philo- 
sophorunl studia mentiuntuü etc. 
2 DE Rossx Imag. scelte tav. 1.  KRAUS 
Roma sotterranea Taf. 4 l. 
3 BOSIO p. 295.  LEHNER Die Marien- 
verehrung Taf. 12. 
4 GARRUCCI Stor. tav. 255, besser m: ROSSI 
Bull. 1883, tav. 4-5. 
5 Es ist der schöne, zuerst von BOTTARI 
I 122, dann bei DIAGINCOURT III 118 und 
MÜNTER Sinnbilder T'ai".  zuletzt (recht 
schlecht) von GARRUccr IV 7, tav. 2964 ab- 
gebildete Sarkophag aus S. Urbane, WO RüsTELL 
(Beschreibung Roms I 215) und KINKEL (Ge- 
schichte der bildenden Künste S. 192) Pro- 
pheten und Sibyllen sahen. Vgl. dazu PIPER 
Myth. I 84. 484.  
G HEUSER in ReaI-Encyk]. II 855-.
        

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