Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1887134
Altchristliche Malerei: 
Magier, die wunderbare Brodvermehrung, das eucharistische Mahl. Die Gegen- 
überstellung dieser Scenen zeigt die Absicht des Künstlers: der alttestanient- 
liche Vorgang soll auf das neutestamentliche Wunder hinweisen, soll es vor- 
bereiten. In den Schicksalen der auserwählten Männer des Alten Bundes soll 
nichts anderes gesehen werden als ein Vorbild dessen, was sich in Christo 
und den Seinigen erfüllt. Derselbe Gedanke beherrscht auch noch gänzlich 
die gegen Ausgang des 2. und im 3. Jahrhundert hinzutretenden Gegenstände; 
das sind der Sündenfall, Jehovah im Dornbusch dem Moses erscheinend, Moses 
die Gesetzestafeln auf dem Sinai in Empfang nehmend; aus dem Neuen Testa- 
mente die Hochzeit zu Kana, die Heilung des Blindgebornen, des Gicht- 
brüchigen und das eine oder andere ähnliche Wunder Jesu. Ihnen folgen die 
Erschaffung des Menschen, das Opfer des Abel und Kain, der Durchgang der 
Juden durch das Rothe Meer, die Himmelfahrt des Elias, die drei Jünglinge 
vor der Statue des Nebukadnezar, die Verleugnung Petri und einige unter- 
geordnete Scenen, die nur vereinzelt getroffen werden, wie der Manna-Regen, 
die aus dem Gelobten Lande mit der grossen Traube wiederkehrenden Kund- 
schafter, die Magier vor Herodes und die Samariterin am Brunnen; aus den 
deuterokanonischen Schriften Susanna zwischen zwei wilden Thieren (den sie 
versuchenden Aeltesten). Der grössere Theil dieser Auswahl gehört nicht 
bloss der Zeit der Verfolgungen an, sondern er verrath eine Absicht, welche 
der damaligen Lage der Kirche entspricht und welche gar nicht zu verkennen 
ist. Das typologische Element ist klar. Es will dem Judenthum gegen- 
über gezeigt werden, dass das Alte Testament im Neuen nunmehr erfüllt und 
die Aera des herben Gesetzes von derjenigen der Gnade abgelöst ist,  ganz 
Was Eusebius in seiner Praeparatio und Demonstratio evangelica darzuthun 
unternahm. Daneben ist aber die Auswahl der Sujets so getroffen, dass sie 
der leidenden, verfolgten Gemeinde auf Schritt und Tritt Ermuthigung und 
Trost zu spenden vermögen. Die Leiden der Gerechten des Alten Bundes, Jobs, 
Daniels, der Jünglinge von Babylon, Susanna's, schildern die Lage der ver- 
folgten Kirche; iso wie der Herr diese Dulder erlöst hat, so wird er auch die 
trauernde Gemeinde vor den reissenden Wölfen (LACTANT. De mort. pers. 
c. 52: a lup-is 1'apacibeas) erretten, so auch die einzelne kämpfende Seele be- 
gnadigen. Das ist, wie wir oben gesehen, das constante Gebet der Kirche 
in ihren ältesten Liturgien: kein Zweifel, dass dieser Gedanke die gesaminte 
Katakombenkunst beherrschte, von der im allgemeinen alles ferngehalten wurde, 
was die Gläubigen beangstigen, schrecken, entmuthigen konnte. Darum malt 
sie keine Marterscenen, kein Weltgericht, keine Bilder des Schreckens und 
der Züchtigung, sondern allweg nur Scenen, welche die Macht und Güte des 
Erlösers veranschaulichen und der Ecclesia pressa die Zuversicht endlicher 
Errettung geben und erhalten sollen, die auch aus der ganzen alt- 
christlichen Litteratur, aus dem Verhalten der Martyrer, aus allen Lebens- 
ausserungen der jungen Gemeinde herausspricht. Aus dieser Absicht und aus 
dem rein typologischen Zug, welcher diese Darstellungen beherrscht, erklären 
sich eine Reihe von Eigenthümlichkeiten. Es versteht sich daraus heraus 
das Festhalten an einer gemeinsamen Grundidee und selbst an gewissen Acci- 
denzien, daneben aber eine gewisse Freiheit in der Anordnung, welche auf 
die strenge Wiedergabe der biblischen Berichte verzichtet und 
Sich mit dem Wesentlichen des Vorganges begnügt. Das tritt uns Z. B. in 
der Anzahl der Magier, in ihren Gaben entgegen. Es erklärt sich daraus 
Weiter, dass Züge aus ganz verschiedenen Geschichten miteinander
        

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