Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1887084
Drittes Buch. 
wir nun dem noch dem Ende des 1. oder Anfang des 2. Jahrhunderts an- 
gehörenden schönen Fresco aus dem Eingänge von S. Domitilla zuweisen müssen, 
dessen schon oben gedacht wurde; während auf der andern Seite nicht aus- 
geschlossen erscheint, dass die eine oder andere Gastmahlsscene die Hochzeit 
zu Kana (so vielleicht Fig. 61), oder wirkliche Agapen vorstellen sollen. 
Das Sprechen wir an letzter Stelle von demjenigen symbolischen Zeichen, 
 welches bald alle anderen überragen und thatsächlich alle anderen überleben 
das Krevz- sollte: von dem Monogramme und dem Kreuze. Der Gegenstand geht 
weit mehr die Epigraphik als die Kunstgeschichte an und darf daher hier 
kürzer behandelt werden, als es seiner Bedeutung in der christlichen Archäo- 
logie an sich zukommt. 
Eine weit mehr durch ihre Zahl als durch ihren innern Werth be- 
deutende Litteratur hat sich mit dem Auftreten des Kreuzes vor Christus be- 
schäftigt, und eine ganze Schule von Archäologen hat sich bemüht, das Kreuz 
als ein schon in vorchristlicher Zeit vorhandenes und von den Christen über- 
nommenes religiös-symbolisches Zeichen zu erweisen 1. Ich bin von der Stich- 
haltigkeit dieser Hypothese bis jetzt in keiner Weise überzeugt worden. Eine 
grosse Anzahl der zum Erweis derselben beigebrachten Beispiele von antiken 
Bildwerken, mexicanischen und asiatischen Bauwerken u. s. f. ist ohne wei- 
teres auszuschliessen, da das Kreuz hier nur als geometrische Figur und rein 
ornamental verwendet ist. In anderen Fällen ist das aus X und P gebildete 
Monogramm wie das angebliche baktrische Labarum und das 4 auf den 
Münzen Herodes d. Gr. einfaches Monetarzeiohen. Als Symbol kann bloss 
das sogen. Swastika-Kreuz (Pfötchenkreuz, croix pattäe, PH), dessen sich die 
Buddhisten in Indien bedienten und das ich auch in der Form LFI auf einer 
prähistorischen Urne (des 7. Jahrhunderts v. Chr., Museum der Villa Papa 
Giulio) bemerkte, ferner das ägyptische Henkelkreuz (oder Nilschlüssel, a2), 
das f asiatischer Völkerschaften und das auf gallischen und andern Denk- 
mälern uns begegnende Sonnenrad ( oder ) in Anspruch ge- 
nommen werden. Aber alle diese Zeichen sind astrologischen Vorstellungen 
entsprungen, deren Zusammenhang mit christlichen ebenso unerweisbar als 
unwahrscheinlich ist. Die Stellung der Religionsparteien um 300 schliesst 
die Unterstellung vollkommen aus, dass die christliche der feindlichen heid- 
nischen gerade ihr hervorstechendstes Emblem entlehnt haben sollte. 
Dass das Kreuzzeichen innerhalb der Gemeinde als signum Domini, signum 
coeleste (so war über der Basilika des hl. Felix zu Nola zu lesen) frühzeitig 
anerkannt war, wird durch die bekannten Aeusserungen des Barnabasbriefes, 
eines Clemens Alexandrinus, Tertullian u. s. w. gewährleistet. Eine andere 
Frage ist, wann es als solches monumental verwerthet wurde. Das ver- 
hüllte Kreuz hat man auf verschiedenen Denkmälern aus der Zeit der Ver- 
1 Für diese ganze Litteratur und alle 
Detailnachweise muss hier auf Real-Encyklo- 
pädie der christlichen Alterthümer 
und 412 verwiesen werden. 
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