Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1887066
Drittes Buch. 
ms Gast- 
mahl. 
dem dreifüssigen Tisch, in der Consecrationsscene der Sacramentskapellen, 
als Bild der Kirche. Die Häufung der Oranten auf Deckengemälden der 
Katakomben, wo sie zu zwei oder vier bald mit dem guten Hirten (und, auf 
dem Wandgemälde von S. Sebastiano [Fig 58], auch mit dem Gladiator), 
bald mit Lämmern u. s. f. zusammengestellt sind, schliesst die Annahme aus, 
dass hier Verstorbene dargestellt sein sollen, und nöthigt zu der Unterstellung 
einer allgemeinen symbolischen Bedeutung, welche, gleich der des guten 
Hirten, geläufig sein musste, ehe man das Motiv geradezu decorativ ver- 
wenden konnte. Man wird ja auch da zunächst an die Symbolisirung der 
gläubigen Seele zu denken haben, aber die Brücke von da zu der Sym- 
bolisirung der Kirche war, wie der II. Clemensbrief (a. a. O.) zeigt, früh- 
zeitig geschlagen (vgl. Real-Encykl. II 172). 
Endlich muss auch der symbolische Charakter der in den Katakomben 
uns begegnenden Darstellungen des Gastmahls behauptet werden. Man 
hat die Mahlzeiten auf profanen Denkmälern früher freilich mit Vorliebe als 
die Darstellung einer Fortsetzung irdischer Freuden aufgefasst. Dass sie aber 
eine Bezugnahme auf die im Hades genossene Seligkeit in sich schliessen, 
ist neuerdings anerkannt und wird namentlich in Hinsicht etruskischer Grab- 
gemälde zugegeben 1. Es ergibt sich daraus die Schlussfolgerung für ähn- 
liche Scenen unserer Katakombengemälde, in welchen man mit Rücksicht 
auf die sie begleitenden, die Tischfreuden illustrirenden Beischriften (AGAPE 
MISCE MI, IRENE DA CALDA u. s. f.) zunächst versucht sein könnte, die 
Schilderung rein irdischer Vorgänge zu finden. Aber der ernste Charakter 
dieser Namen, das constante Vorkommen von Brod und Fischen als einziger 
Speise lassen doch nur an einen religiösen Vorgang denken. Die älteren 
Forscher, wie Bottari und Boldetti, sahen hier Agapen; aber die Natur der 
Speisen passt nicht zu den Liebesmahlen, bei denen auch andere Nahrungs- 
mittel ihre Rolle spielten, und so nahmen de Rossi und seine Schule die im 
wesentlichen zuerst von Polidori vorgeschlagene. Deutung an, welche, an- 
schliessend an den Vergleich der paradiesischen Freuden mit einem rplzhww 
(Apostolische Constitutionen II 5), in dem Gastmahl das Bild der ewigen 
Seligkeit sah 2. Eine Reihe von Belegen "aus der martyrologischen Litteratur, 
die auf Trinkgefässen u. s. f. auftretenden Acclamationen, das so oft Wieder- 
kehrende refrigerare, refrigerizezn der Grabschriften, in Verbindung mit den 
biblischen Texten (Luc. 12, 37; 22, 9. Job 22, 19) konnten zur Stütze dieser 
Annahme beigebracht werden. Reich hat sich besonders das Coemeterium 
S. Pietro e Marcellino an solchen Gastmahlsscenen erwiesen (Fig. 59 u. 60). Das 
Brod fehlt hier, aber der Fisch lässt de Rossi ausschliesslich an den Ichthys 
denken und jene Scenen als identisch auffassen mit dem Gedanken, welchen 
die geläufigen Acclamationen: Cipyg äu 925D, vivus in Deo, in Christa, refri- 
gere, in pace Der", oder das Epitaph: vivis in gloria Dei et in pace Domini 
ozostri Iesu Christi, aussprechen. Und ganz den nämlichen Gedanken werden 
1 Vgl. HELBIG Annali delf Istit. Arch. 
1870, N0. 9, p. 18-21. Dazu STEPHANI Der 
ausruhende Herakles S. 15 f. FRIEDLÄNDER 
De operibus anaglyph. in monumentis sepulcr. 
graec. Regiornont. 1846, u. s. w. Die ganze 
Litteratur und das einschlägige Material 
habe ich Real-lüneylz]. II 355 zusammen- 
gestellt. 
2 POLIDORI Dei oonviti efiigiati a simboli 
nei mon. crist. Milano 1844 (estr. dalP ,Amic0 
cattolicd VII 390; VIII 174. 262).  DE 
ROSSI Roma sotterr. IT 341; Bull. 1882, p. 122. 
 MARTIGNY 1. c. 2 p. 700. Vgl. jetzt noch 
Lmvonw Les scianes de banquet peintes dans 
les eatacolnbes et not. dans celle de St. Mar- 
cellin et Pierre (Rev. arch. 1883, p. 224 
        

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