Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1887042
Drittäääavh- 
Die Orans. 
Einige andere Sujets, wie die Ameise, der Kelch, die Leier, welche 
man1 hier und da als Symbole angesehen hat, sind gewiss aus dem Cyklus 
derselben auszuschliessen; nicht aber die Orans, Welche noch eingehenderer 
Betrachtung zu unterziehen ist. 
Das Ausstrecken der Arme und Hände beim Gebet wird als stehender 
Gestus häufig in den altchristlichen Quellen erwähnt. Auf den Monumenten 
sieht man nun am häufigsten stehende Figuren mit ausgebreiteten Armen 
betend dargestellt, und diese sind es, welche man Oranten nennt. Welches 
ist die Bedeutung derselben? Zunächst ist festgestelltz, dass ein starker 
Procentsatz der auf unseren Denkmälern vorkommenden Oranten beiderlei 
Geschlechtes bekannte biblische oder andere Heilige darstellt: Noe, Daniel, 
Abraham und Isaak, Jonas, Susanna, die Magier, Maria (auf Gemälden, Sarko- 
phagen, einmal bezeichnet mit MARIA VIRGO MINESTER DE TEMPVLO 
GEROSALEm), Zacharias, Petrus und Paulus, Caecilia, Mennas u. s. f. Be- 
merkenswerth ist, dass Christus niemals als eigentlicher Orans dargestellt 
wird. An zweiter Stelle ist gewiss, dass die Gestalt des oder der Orans, 
ohne Ansehung des Geschlechtes, die Seele des Abgeschiedenen veranscl1au- 
lichen soll. Dass das namentlich von der weiblichen Orans gilt, entnimmt 
de Rossi der Darstellung des 
O es Martyriums des hl. Lauren- 
h v" v], "O J tius daug eiiierdBliämedaille, 
   , y  wo ie eee es emarter- 
(f? Qläagg  b? ten weiblich gebildet dem 
ä   z w  L  Leibe entsteigt (Fig. 56) 3. 
i;    3 ja, A?  L0 Bezeichnend ist, dass in 
   .    einem Arcosolium des Ostria- 
  i  num neben der Figur der 
d   971V Orans zu lesen ist: VICTO- 
   RIAE VIRGINI    PETE    
Die abgeschiedene Seele wird 
Fig. 56. Bleimedaillc. 3,150 um  Gebet ange- 
gangen 4. Zahlreiche Ge- 
mälde, Sarkophage, Grabsteine, geschnittene Steine zeigen in dieser Weise 
das Bild der Dahingeschiedenen, im allgemeinen in der gleichen Haltung. 
wenn auch einigermassen in Costüm und Umgebung verschieden (vgl. die 
Orante in Colobium, Fig. 57). An die Absicht einer portratähnlichen Dar- 
stellung des Todten ist hierbei durchaus nicht zu denken; wir haben es nur 
mit der Vorstellung zu thun, welche die Acta s. Caeciliae in dem Satze 
aussprechen: Vidit egredientes animas eommz de corporibus, quasi virgines 
de thalamo, und welche in den Bildern der Dormitio B. M. V. des Mittel- 
alters fortleben. Mit Unrecht zählt daher V. Schultze die Orans zu dem 
Cyklus historischer Sujets 5. Kein Bild des Verstorbenen kann der Orans 
auf dem mehrfach erwähnten Gemälde der Sacramentskapellen in S. Callisto 
und auf der Florentiner Lampe sein, wo der Betende auf dem Schiff, dem 
Bilde der Kirche, steht. Hier ist, trotz V. Schultzeis Polemik, der Orans sicher 
1 So bei MÜNTER Sinnbilder und Kunst- 
vorstellungen der alten Christen I 27 f. 
2 Vgl. die Real-Encykl. II 538 von mir 
gegebenen Nachweise. 
3 LUPI Diss. II 192-197.  
Bull. 1867, p. 85. 
4 WILPERT bei DE Rossl Bull. 
5 Die Katak. S. 134. 
 DE Rossr 
1890, p. 18.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.