Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1886981
Drittes 
Buch. 
blühende Bäume angedeutet wird, erweisen, und man beruft sich dafür auf 
das Ruhen der Apostel unter Palmenbäumen auf Sarkophagen und Gemälden 
der Katakomben, auf späteren Mosaiken (S. Cosma e Damiano), auf ein Weih- 
wassergefäss des 4-5. Jahrhunderts, auf Geräthschaften und Schmuckgegen- 
stände, Devotionsmedaillen, Ringe, eine Blechplatte für den Hals eines Sklaven 
 alles Fälle, in denen man meines Erachtens mit der von uns gegebenen 
Erklärung auskommen kann. Die Palme scheint im allgemeinen den Gedanken 
glücklicher Vollendung eines Geschäftes auszusprechen: darum findet man 
sie neben oder statt der üblichen Acclamation feliciterf am Schluss von In- 
schriften, welche die glückliche Vollendung eines Baues bestätigen. 
Der_ Verwandt mit der Palme ist der Oelzweig. Der Oelbaum war bei 
Gehweg den Griechen der Athene geheiligt, sein Zweig galt als Symbol des Friedens 
(so bei VERGIL. Aen. VIII 116; Georg. II 425). Livius und Statius bezeugen 
dessen Bedeutung als Friedensbringer; später galt er auch als militärisches 
und allgemein als Siegeszeichen (PLIN. Hist. nat. XV  auch bei den olym- 
pischen Spielen. In den griechischen Genossenschaften wurde er als Aus- 
zeichnung gereicht. Die Heilige Schrift nennt den blühenden Oelbaum als 
Bild des Gerechten (Eccli. 50, 11 u.  auch des Segens des messianischen 
Reiches (Os. 14, 7 u.  und sie bringt ihn mit Rücksicht auf die Verwen- 
dung seines Ertrages zur Beleuchtung in Verbindung mit der Lehrthätigkeit 
der Propheten (Zach. 4, 8. Offb. 11, 4), worauf ohne Zweifel der auf die 
Apostelfürsten bezügliche Vers des Elpis: Olivae binae pietatis imicae, und die 
Antiphon aus der zweiten Vesper der hll. Johannes und Paulus: Isti sunt duae 
olilvae et duo candelabra lucentia emtc Dominum, zurückgeht. Bei Augustin 
wird die Olive zum Bild der Liebe. Auf unseren Epitaphien wird die Bedeu- 
tung des Oelzweiges, gewiss im Anschluss an den von der Taube Noe ge- 
brachten Oelzweig, als Symbol des Friedens zuweilen durch den Beisatz PAX 
oder IN PACE ausgesprochen (so auf dem schönen Grabstein der Sabbatia 
vom Jahre 484 oder 508). Zwei Oelbäume, zwischen denen eine verschleierte 
Orante steht, wird man mit de Rossi als die Andeutung des himmlischen 
Gartens oder des paradiesischen Friedens zu erklären haben; so auf mehreren 
Goldgläsern, wo Andere die beiden Oelbäume als Sinnbild der zwei Testa- 
mente (mit Rücksicht auf PRoeLUs Orat. II de incarn.) angesehen haben 1. 
In dem Oelkranz wird man mit Johannes Diaconus die Andeutung der 
pax Christi zu erblicken haben 2. 
Der Baum- Der Baum im allgemeinen, speciell der grünende und fruchtbringende, 
erscheint in der Schrift als Bild des Gerechten (Ps. 91, 13 u. ö.) oder das 
des Messias (Is. 11, 1); im Land der Verheissung blühen Fruchtbäume aller 
Art (Ez. 47, 12), und dies Bild entnimmt die Offb. 22, 1 zur Schilderung des 
himmlischen Paradieses. Auf den Denkmälern ist, glaube ich, nur letztere 
Symbolik anzunehmen. Ein Grabstein, wie der von Urbino, wo ein Baum 
zwischen dem A (0 steht, beweist nicht, dass hier Christus gemeint sei, wie 
Münzß annimmt. Die Symbolisirung des Paradieses durch Bäume begegnet 
 1 HEUSER Real-Encykl. II 52-5 f. 
2 Chron. episo. eccl. Neapol. (MG. SS. 
Langob. 424  ,Esaias cum olivae corona 
nativitatmn Christi et perpetuae Virginis Dei 
genitricis Mariae designare voluit dicendo: 
FIAT PAX! Johannes bezog die Kronen aus 
Oelzweigen, 'l'rauben, Aehren und Rosen in 
der Basilika des Severus zu Neapel auf die 
vier Propheten; Heuser will in ihnen eine 
Bezugnahme auf die vier Jahreszeiten er- 
kennen. 
3 KRAUS Real-Encykl. I 147.
        

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