Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1886970
Altchristliche Malergi 
ET REDITV FELICI); dem nämlichen Zweck werden Votivfüsse aus Terra- 
cotta dienen, wie deren in Neapel erhalten sind; viel zahlreicher sind die 
Votivhände, welche gleichfalls den Dank für ersehnte Heilung aussprechen 1. 
Mehr wird man auch schwerlich in den Fibeln von Gestalt einer Fusssohle 
zu suchen haben, welche in den rheinischen Museen vorkommen. Ob ein- 
zelne andere Denkmäler, wie das mit FL PAVLINI ß gezeichnete Bronce- 
siegel zu Wiesbaden (ähnliche kamen in den Katakomben zum Vorschein), 
darüber hinaus die symbolische Bedeutung des Besitzrechtes (nach dem Axiom: 
gluridguid pes tuus calca-verit, 151mm eritf) ausdrücken sollen, sei dahingestellt. 
Die Annahme, es sei durch die Fusssohle auch der Gedanke an die Nach- 
folge Christi oder an das selige Scheiden aus dieser Zeitlichkeit nahegelegt 2, 
finde ich selbst durch den neben dem Fuss angebrachten Beisatz eines Epi- 
taphs IN DEO nicht hinreichend gestützt. 
Weniger als das Reich der Thiere ist das der Pflanzen für Die Palme. 
 die altchristliche Symbolik in Anspruch genommen worden. Die 
al j Palme war bereits im Alterthum ein Symbol des Sieges bei 
lä  Gladiatoren und Kriegern; die Psalmstelle 91, 13 Ciustus ut 
aal palma florebit") musste die Väter dazu einladen, sie als Sinnbild 
m; 48 MOW des Sieges über das Fleisch und diese Welt (so Origenes, Am- 
grainmgwischw brosius), vor allem aber des Martyriums zu übernehmen. Das 
Palme" Lpalma martyriz" ward ein stehender Ausdruck in den martyro- 
logischen Schriften. Infolgedessen glaubte man im 16. und 
17. Jahrhundert neben dem Blutgefass auch die Palme auf den Katakomben- 
gräbern als ein sicheres Anzeichen des Martyriums der an betreffender Stelle 
Beigesetzten erklären zu dürfen. Aber die dahingehende Declaration der Riten- 
congregation vom 10. April 1668 er- 
Ä  A! [ff wies sich bald als gänzlich unhaltbar. 
x   Q  I; l  Männer wie Papebroch, Mabillon, Fa- 
 hlllhllhiiilmllllliiixxon in. 7, bretti, Muratori, dann auch Papst 
lulllllllllghlllxljx;W X0 Benedict XIV Wiesen die Anwesenheit 
Q4;  der Palme sowol auf heidnischen Grab- 
Fig. 49. Monogramm im Lorbeerkranz zwischen Palmen. steinen WlG auf christlichen  
der Friedensperiode nach. Neuerdings 
hat man immerhin noch geglaubt, die Palme, da wo sie isolirt auf Denk- 
mälern der Verfolgungszeit auftritt, als Symbol des Martyriums retten zu 
können 3. Sicher vergebens, auch da, wo ihr ein Epitheton wie iNNOCENTINA 
entspricht. Mehr wie den allgemeinen Sinn des Sieges in Christo wird man 
in der Palme auch da nicht suchen dürfen, wo sie in Verbindung mit dem 
Monogramm Christi, dem Fisch, dem guten Hirten, dem Lamm uns ent- 
gegentritt (Fig. 48 u. 49). Neben dem Leuchtthurm legt sie die speciellere 
Beziehung auf das glücklich vollendete Leben nahe. Wie auf den Phönix- 
bildern die Palme an die Stelle der Sykomore gelangte, ist bereits be- 
Sprechen worden. Man will weiter die Palme auch als Symbol des himm- 
lischen Jerusalem oder des Paradieses, welches sonst als Garten durch 
1 Vgl. FABRETTI Inscr. 5941". ERSIL- 
LOVATELLI Di una mano Votiva. in bronzo. 
Roma. 1890. 
2 Müuz bei KRAUS Real-Encykl. I 546. 
Dagegen SMITH Dictionaryl 682. V. Scmmrzm 
Die Katak. S. 123; Arch. Studien S. 277. 
3 WANDINGER bei KRAUS Real-Encykl. 
II 578 f.
        

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