Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1886968
Drittes Buch. 
diction, zum Unterschiede von dem noch später auftretenden sogen. griechi- 
schen Segen, wo der Daumen an den gebeugten Ringfinger angelehnt, die 
übrigen Finger dagegen ausgestreckt gehalten werden (Fig. 47). Diese Unter- 
scheidung zwischen lateinischem und griechischem Segen tritt uns in den 
Denkmälern der ersten 4-5 Jahrhunderte nicht entgegen, und es ist sehr 
zu bezweifeln, 0b sie auch im Mittelalter so streng, wie man vorgibt, fest- 
gehalten wurde1. 
Von grösserer Bedeutung ist dagegen schon in den ersten Jahrhunderten, 
namentlich auf den Sarkophagen des 4., die von oben herabreichende 
Hand als die Andeutung der Gottheit, und zwar in einer Reihe 
von biblischen Scenen, wie Adam und Eva, Abels und Melchisedechs Opfer, 
Noe, Abraham, Isaaks Opferung, Moses die Schuhe ausziehend oder die 
Gesetzestafeln empfangend, Elias' Auffahrt gen Himmel, Taufe Jesu, Christus 
unter den Aposteln u. s. W.2 Die früheste Andeutung dieser Symbolik ist 
übrigens bereits in dem ersten Briefe des Cleniens von Rom ge- 
 geben 3. Diese bisher unbeachtete Aeusserung gibt uns auch 
 den Schlüssel zu jener schon erwähnten Darstellung in einer 
  der Sacramentskapellen von S. Callisto, wo das Haupt der auf 
  dem Vordertheil des Schiffes stehenden betenden Person von 
 oben herab durch die Hand einer bartlosen, im Brustbild ge- 
X gebenen Person mit Nimbus berührt wird 4. Es ist die früheste 
 Darstellung jener Errettung aus jeglicher Sünde und jeglicher 
Fig. m Segen; Gefahr, von der Olemens spricht, und zugleich die früheste 
lateinischer Segen. Veranschaulichung der Gegenwart Gottes. Dass Gott im christ- 
lichen Alterthum nicht direct dargestellt wurde, ist eine all- 
  gemeine Annahme, zu deren Gunsten eine Reihe von Väter- 
 stellen (so aus Augustin, Prudentius u. s. W.) angerufen wer- 
 den können. Wir kommen auf die Frage zurück, 0b die Trinität 
 eine Darstellung erfahren hat. Kaum aber kann bestritten 
 werden, dass die sitzende bärtige Gestalt, welcher Abel und 
  Kain auf einem Relief ihre Gaben darbringen, die Gottheit 
.  oder eine Person aus der Trinität vorstellt 5. Und ebenso 
Fäfgeff;  dürfte die Anwesenheit des Alten der Tage (2 Mos. 17, 6) 
auf der Lipsanothek von Brescia, in der Scene des die Gesetzes- 
tafeln empfangenden Moses, auf einem Sarkophag von Syrakusö und auf den 
Mosaiken von S. Maria Maggiore anzunehmen sein 7. 
Der  Schon dem vorchristlichen Alterthum ist die Darstellung des Fusses 
 oder der blossen Fusssohle geläufig. Abbildungen von Füssen begegnen 
wir auf antiken Denkmälern, zuweilen von Inschriften begleitet, Welche die 
Heilung eines Leidens, auch den Abschluss einer Reise erzählen (PRO ITV 
1 Vgl. DIDRON Manual p. 456 und dess. 
lconographie de Dieu p. 289. MARTIGNY 
l. e. 2 p. 85. Ueber das früheste Aufkom- 
men der Hand als Sinnbild des Segens (auf 
Münzen) s. PIPER Myth. Il 688. 
2 Ein Verzeichniss dieser Scenen gab ich 
Real-Enoykl. I 629. Vgl. dazu noch die 
Hand Gottes auf den Darstellungen des 
hl. Laurentius bei DE ROSSI Bull. 1867, p. 85, 
und auf der des hl. Stephan auf der africa- 
nischen Capsel bei m2: ROSSI Caps. afric. tav. 1. 
3 Ep. I ad Cor. c. 60, 5 3. 
4 DE RossI Roma sotterranea II 347, 
tav. 15 1.  GARRUGCI Stor. tav. 54. 
5 BOTTARI III 40, zu tav. 137. 
6 GARRUCCI Stor. V 95, zu tav. 365. Vgl. 
dagegen LE BLANT in der Rev. arch. 1877, 
D60" und Sarcoph. d'A1'1es p. 12. 
7 CIAMPINI Vet. monument. I 212, tav. 50 1. 
 GARRUCGI Star. tav. 2l7'. 2194. Vgl. 
KRAUS Real-Encykl. der ehristl. Alterthümer 
I 628 f.
        

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