Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1886956
Altchristliche Malerä 
Auch dem Widder ist eine selbständige symbolische Bedeutung vindicirt Del-Kvichlei 
worden 1. Dass die Kirchenvater in Erinnerung an das Opfer Abrahams in 
ihm ein Bild des Opfertodes Christi (so Tertullian, Augustin, Ambrosius, 
Prosper), Andere ein Symbol der menschlichen Natur in Christo (Theophylakt) 
sehen, kann nicht bestritten werden; es liegt aber kein Anhalt für die An- 
nahme vor, dass diese Allegorik die Künstler inspirirt habe, WO sie jene Opfer- 
scene darstellen. Noch hinfälliger ist Garruccfs und Martignys Vermuthung, 
der die Heerde gegen den Wolf vertheidigende Widder sei als Vorbild Christi 
dargestellt worden, oder als habe die von Gregor d. Gr. verbreitete Vor- 
stellung des Widders als Sinnbild der Apostel bezw. der Vorsteher der Kirche 
Einfluss auf die Monumente gehabt. Bottari sah in dem Widder noch den 
von Christus wieder in Gnaden aufgenommenen Sünder, was schon Buonarruoti 
und Garrucci abgelehnt haben. Eher könnte man an derartige Beziehung bei 
dem Ziegenbock auf gewissen Pastoralscenen der Katakomben und einiger 
Sarkophage und Mosaiken denken. Wenn endlich, im Anschluss an die Ver- 
wendung des ,Widders' als Mauerbrecher in der römischen Kriegskunst, Mar- 
tigny u. A. den Widder auch als Symbol. der Kraft im Kampfe gegen die 
Feinde erklären, so scheint damit, trotz der Exegese des hl. Ambrosius zu 
Ps. 43, den Monumenten Gewalt angethan zu werden. 
Von Gliedern des menschlichen Körpers sind Hand Die Hand- 
und Fuss vielfach als Symbole in Anspruch genommen 
Z   worden. Auch hier ist Vorsicht geboten, sollen nicht 
   Vorstellungen einer spätern Zeit in die altchristlichen Jahr- 
 5  hunderte hineingetragen Werden. Was die Hand anlangt, 
    so kommt dieselbe zunächst hier gar nicht als selbständiges 
 Symbol, sondern nur in Ansehung ihrer Haltung und Be- 
wegung in Betracht. Man kann ein Symbol des Gelöb- 
Fig_45. Ham, nisses an sich nicht darin erblicken, wenn eine Hand eine 
(Nach Martisny-l Schedula mit dem Worte ZHCSC hält (Fig. 45). Dass in 
der ganzen Litteratur die erhobenen Hände Zeichen des 
Zurufes, der Exclamation, des Redens, des liehentlichen Bittens sind, ist 
bekannt, und in diesem Sinne begegnen sie uns auch auf zahlreichen Scenen 
unserer Sarkophage. Dass anbetende Personen dem Gegenstand ihrer Ad- 
oration eine Kusshand zuwerfen, dass Trauernde die Hand an die Wange an- 
legen, weiss man aus der antiken Kunst, und namentlich sieht man letzteres 
auf Kaisermünzen, wo die Trauer eroberter Provinzen in dieser Weise ver- 
anschaulicht ist. Demselben Gestus begegnen wir bereits bei Pilatus auf den 
Sarkophagreliefs und später viel öfter, ja durchgängig in der Haltung Mariens 
am Kreuze Christi. Das Zudecken der Hände mit einem Tuche (Velum) galt 
den Alten als Zeichen der Ehrerbietung. Demgemäss empfangen Elisaeus den 
Mantel des Elias, Petrus den Schlüssel des Himmelreiches, die Martyrer ihre 
Kronen auf Sarkophagen und Mosaiken mit verhüllten Händen. Den Act 
des Segnens sehen wir auf Sarkophagen, z. B. bei Heilung der Blutflüssigen, 
des Blindgebornen u. s. W., so dargestellt, dass der Herr die drei ersten 
Finger erhebt, die zwei anderen nach der Handwurzel niederbeugt (Fig. 46) 2. 
Seltener sieht man bloss Zeige- und Mittelfinger erhoben, die übrigen ge- 
bogen 3. Man nannte später den erstern Modus die lateinische Bene- 
1 HEUSER 
II 987. 
bei 
KRAUS 
Real-Encyklopädie 
Bommun tav. 
Ihid. tav. 72. 
121. 
8M
        

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