Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1886923
Drittes Buch. 
Der Ilirsch. 
Gleichwol kann der Phönix auf altchristlichen Denkmälern erst seit Con- 
stantin mit Sicherheit nachgewiesen werden. De Rossi vermuthet ihn aller- 
dings (Roma sotterranea II 13) in der öfter auftretenden Darstellung eines 
Vogels mit dem Palmzweig im Schnabel, die man hauiig mit der der Taube 
mit dem Oelzweig verwechselt hat, wie z. B. auf einigen 
JQAWQ Grabsteinen ausS. Callisto und noch spater auf den Thüren 
 der alten Paulskirche. Die nachconstantinischen Sarkopliage 
 üinlßyw zeigen ihn_auf einem Palmbaiime sitzend sechsmal, die Mo- 
 saiken dreimal; dazu kommt Je ein Goldglas und das Graffito 
 eines Epitaphs. Er ist halb einem Hahn, halb einem Fasan 
 ahnlich geschildert (Fig. All), entsprechend der Angabe des 
 Lactantius; auf einem Bleisiegel des Diakons Siricius hat er 
 die Gestalt eines Ibis oder Storches (Fig. 42). Auf einer 
 Bleimedaille 1 sieht man Christus zwischen zwei Palmbaumen, 
Q auf deren einem der Phönix sitzt. Der von Garrucci und 
Fig Äuflulönix von Martigny gemachte Versuch, den Phönix auch als Symbol 
einenäoiä-kgiwgäßiicg des des Völkerapostels Paulus zu erweisen, kann nicht als glück- 
(Bottar; I taVIQSJ licli bezeichnet werden 2.    
Der Hirsch ist nach mehr als einer Rücksicht für die 
altchristliche Symbolik in Anspruch genommen worden 3. Man hat sich dafür 
auf Aeusserungen der Heiligen Schrift (wie Holiel. 2, 7. 8. Ps. 28, 9; 41, 2) 
berufen, nicht minder auf Kirchenvater, wie Ambrosius, welcher in dem 
Hirsch ein Sinnbild Christi sieht, und auf die auch von Ambrosius (De virg. 
II 1) erzählte Sage, der Hirsch zertrete giftige Schlangen. 
 In der That kann nur Ps. 41, 2 (,wie der Hirsch nach der 
 Wasserquelle, so schmachtet meine Seele nach dir') etwa in 
 ß Verbindung mit Matth. 5, 6, wo von dem Hunger und Durst 
   nach der Gerechtigkeit die Rede ist, als Unterlage der monu- 
 mentalen Verwerthung des Sujets gelten. Ob sein Auftreten 
Fig 42 in den vier Ecken eines Cubiculums in S. Pietro e Marcellino 
Revers eines Blui- und auf einem Fresco in S. Agnese (BOTTARI II tav. 99; 
slegelssäfjilgiako"s III tav. 139) einen symbolischen Sinn hat, ist mir mehr als 
 zweifelhaft. Deutlicher tritt der allegorische Bezug auf nach- 
eonstantinisclien Sarkophagen Roms wie Südgalliens, dann namentlich auf den 
Mosaiken uns entgegen, da wo sich zwei Hirsche Wasser suchend nach dem 
Hügel hin bewegen (Fig. 43), auf welchem 
 das Lamm Gottes steht und aus dem die vier 
  Paradiesesströme entquellen (vgl. J oh. 4, 14), 
' -  _   oder auch rechts und links von dein Kreuze 
  stehen, wie in S. Giovanni im Lateran 4. 
m, 4a Sarkopllagrelief. Gewiss hat man dann weiter recht, die 
dürstenden Hirsche als ein specielles Sinn- 
bild der nach der Taufe verlangeiiden Seele zu betrachten; daher ihre häuiige 
Anwesenheit auf Taufgefässen5 und in Baptisterien, wie in der Taufkapelle 
1 DE Rossr Bull. 1871, p. 151, tav. 92. 
2 GARRUCCI Stor. I 180.  MARTIGNY 
Dict. des antiq. chrät. p. 641. Vgl. dagegen 
DE WAAL bei KRAUS Real-Encykl. I 624. 
3 MÜNZ bei KRAUS Real-Encykl. II 665. 
4 Vgl. BOTTARI Vetri tav. 21. 22.  LE 
BLANT Sarcoph. chrx-St. de 1a Gaule p. 21. 28. 
38. 48. 53. 57. 70. 116. 120. 132. 150. 151; 
Sarcoph. d'Arles p. 69. ÜRESGIMBENI Chiesa 
Later. p. 150. Vgl. MÜNZ bei KRAUS Real- 
Encykl. I G66. 
5 PACIAUDI De sacr. christ. balneis p. 137.
        

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