Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1886910
Altchristlicho Mali". 
keit (Osiris) in Beziehung gebracht, auch im Ei gefunden. Der Name 900m? 
wird von Lepsius von dem Landesnamen Phönicien hergeleitet, und nur die 
Gleichnamigkeit des Vogels und der Pflanze scheint bedingt zu haben, dass 
die Palme an Stelle der Sykomore trat und als Sinnbild des Jahres bei den 
Aegyptern verwendet wurde. In der griechischen Litteratur finden wir die 
früheste Erwähnung des Phönix bei Hesiod, dann durch Vermittlung des 
Hekataeus bei Herodot (II 73). Nach Aussage der Einwohner von Heliopolis 
in Unterägypten wird da erzählt: nach dem Tode des alten Phönix bereite 
der junge Phönix aus Myrrhe ein Ei, höhle es so weit als möglich aus und 
lege den Vater hinein; das mit frischer Myrrhe verschlossene und auf sein 
früheres Gewicht gebrachte Ei trage er dann aus Arabien nach Heliopolis  
einmal in je 500 Jahren. Erst die alexandrinische Zeit brachte den Mythus 
vom Phönix zu rechter Blüte, indem sie ihn zur Verherrlichung der Ptole- 
maiden ausnutzte. In Rom wanderte derselbe seit den Tagen Sulla's ein, 
ward durch Ovid verbreitet, von Kaiser Claudius gebraucht, um dann in der 
Volksvorstellung jene Ausgestaltung zu gewinnen, welche sich seither in der 
Litteratur des Mittelalters und der Neuzeit abspiegelt: danach soll sich der 
Phönix selbst verbrennen und aus der Asche neu aufsteigen. Lucan und 
Plinius kennen bereits diese Fassung, Welche uns bei Statius und Martial aus- 
gebildet entgegentritt. Schon Hadrian liess zu Ehren Traians eine Münze 
mit dem Phönix schlagen; auf antoninischen Münzen entspricht die Aeternitas 
dem Phönix über der Weltkugel. Noch populärer wird er in der constanti- 
nischen Zeit. Bei der Neubegründung von Byzanz soll er sich abermals der 
Welt gezeigt haben; die Münzen Constantins verbinden seine Darstellung mit 
der felix reparratio tempoiruvn und der Perjaetuitas. Eusebius bezieht geradezu 
die Wiedergeburt des Phönix auf die Erneuerung des Kaiserthums in Con- 
stantins Söhnen (Vita Const. II 67). Um dieselbe Zeit schreibt Lactantius 
das umfassendste Gedicht über den Phönix, das uns neben dem des Claudius 
das Alterthum hinterlassen und das vielleicht nichts anderes ist als eine Alle- 
gorie der Erneuerung des Imperiums durch Oonstantin1. Es wäre auffallend 
gewesen, wenn die christliche Litteratur nicht frühzeitig den Mythus ver- 
werthet hätte. In der That finden wir schon bei Clemens Romanus 
(Ep. 1 ad Cor. c. 25) den Phönix als Vorbild und Erweis unserer Auferstehung; 
ähnlich in den Apostolischen Constitutionen (V 7), bei Cyrill von J eru- 
salem (Catech. XVIII 18), Origenes, Epiphanius, Gregor von 
Nazianz und in dem in Alexandrien entstandenen ,Physiologus' (wo der 
Phönix ausnahmsweise als Symbol der Auferstehung Christi auftritt); unter 
den Lateinern bei Tertullian (De resurr. c. 13), Commodian, Ambro- 
sius, Augustinus, Dracontius. Wagten die Monophysiten sich für ihre 
Lehrmeinung auf den Phönix zu berufen, so entwanden die Orthodoxen ihnen 
dies Argument mit dem Rufe ,Ch,riistzas mm ivnayo, sed Phoeniaä (Zeno). 
Glaubte man sich doch auch durch biblische Belege, wie Job 29, 19 und 
Ps. 92, 13, hierzu berechtigt, so dass es nicht wundern kann, wenn Gregor 
von Tours den Phönix unter die den sieben Weltwundern entgegengesetzten 
sieben Gotteswunder versetzt. 
1 Die Echtheit des Gedichtes ist von 
RITscHL, BÄHRENS u. A. angegriffen, von 
RIESE, EBERT, DECHENT und ScHöLL (a. a. O. 
S. 45) mit guten Gründen vertheidigt worden. 
Kraus, Geschichte der nhrist]. Kunst. I. 
Vgl. dazu noch m: ROSSI Bull. 1872, p. 135; 
Roma sotterranea II 314. BRANDT in den 
Comm. Wölfl. und zu seiner Ausgabe des 
Lactimtius (Vindob. 1892). 
8
        

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