Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1886898
Altchristliche Malerei. 
für das christliche Alterthum ist damit nichts bewiesen, und Ciampini selbst 
will keine allegorische Bedeutung derselben bei den alten Christen an- 
nehmen 1. 
Der Hahn hatte schon in der vor- oder ausscrchristlichen Vorstellung Der 11.11.11. 
der Alten eine allegorische Bedeutung. Mit dem Morgenstern zusammen sollte 
er auf die Gewohnheit deuten, das Tageswerk mit dem Tagesanbruch zu be- 
ginnen 2. Die geläufigen Volksvorstellungen in Verbindung mit der Erinnerung 
an die Verleugnung Petri (Marc. 14, 30) mussten den Hahn als Bild der 
Wachsamkeit auch den Christen empfehlen, und so finden wir ihn, zugleich 
als Herold des Lichts, bei Prudentius (I Cathem.), Hilarius und Ambrosius 
gefeiert. Dass er als Symbol in der Kunst verwendet wurde, folgt daraus 
nicht, und ich finde für sein selbständiges Auftreten als solches keinen sichern 
Beleg. Auf den Sarkophagsculpturen begegnet er uns oft zu Füssen des 
Apostels Petrus oder auf einer Säule stehend in der Scene der Verleugnung. 
Seine Anwesenheit auf Grabsteinen dürfte aber stets auf persönliche Rück- 
sichten oder Liebhabereien zurückzuführen sein, und nur einige geschnittene 
Steine legen eine symbolische Scene nahe: ein Jaspis im Besitz des Herrn 
Druryi-Fortnum, wo der Hahn über dem Schilf steht, und ein von Perret 
publicirter Stein, welcher den Hahn mit dem Mono- 
gramm Christi über ihm zeigt. 
s Es ist bekannt, wie beliebt im alten Rom schon 
 Ad der Hahnenkampf Cpzzlli pugnantQ war. Die Dar- 
, i Stellungen desselben auf Lampen u. s. w. waren daher 
 nicht selten, und man begegnet ihnen auf christlichen 
7  Grabsteinen, Sarkophagen (wie dem berühmten der 
Villa Ludovisiä), auf einem in den Katakomben gefun- 
  denen Mosaik des lateranensischen Museums (Fig. 39). 
m" 39' Ohm Es ist mir schwer, der Ansicht4 beizupflichten, dass 
(Pcrrct IV 111.7.) hier eine Beziehung auf den guten Kampf des Christen 
vorliege, und nicht vielmehr eine Lieblingsbeschäftigung 
des Lebens vorgestellt wird. 
Der Pfau, sehr oft in der profanen wie altchristlichen Kunst (so als DQyPfnm 
Bindeglied in den concentrischen Kreisen von S. Callisto) als rein decoratives 
Füllstück verwendet, war im Alterthum der Juno geheiligt und begleitet 
daher die Diva in der Apotheose der Kaiserinnen, auf Münzen mit der Um- 
schrift CONSECRATIO. Man wird ihm daher eine allegorische Bedeutung 
hier nicht absprechen dürfen. Auch die Christen scheinen ihn frühzeitig 
als Sinnbild der Unverweslichkeit angenommen zu haben, vielleicht mit 
Rücksicht auf die auch von Augustin bestätigte Sage von der Unverwes- 
lichkeit des Pfauenlieisches. In diesem Sinne glaubte man ihn in Ver- 
bindung mit den vier Jahreszeiten in S. Callisto und in der Katakombe 
S. Gennaro zu Neapel annehmen zu dürfen; ebenso in Mailand, weiter in der 
Kapelle des Oceanus u. s. w. Es ergibt sich daraus die Bedeutung weiterer 
1 Vgl. CIAMPINI 1. c. I e. 3; p. 35, fab. 17. 
2 So in der Grabschrift einer Frau bei 
ANTIPATER Smomus (Anthol. Pal. VH 424) 
und auf der folgenden Grabschrift, ebd. 428. 
Vgl. dazu ARTEMIDOR. p. 147, 15 (ed. HERCH) u. 
MAX FRÄNKEL in der Arch. Ztg. XLII (1884) 
141 f. Irrthülnlicherweise sieht LUnw. GER- 
LITT den Hahn als Symhol der Auferstehung 
auf einer Grrabstele (HiSÜrPhiiOSOPh. Aufsatz 
zu Curtius' 70. Geburtstage). 
3 Vgl. V. SGHULTZE Arch. Stud. S. 113. 
4 Vgl. DE ROSSI Bull. 1868, p. 83.  Dr: 
WAAL in KRAUS Real-Encykl. der christlichen 
Alterth. I G42 f.
        

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