Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1886881
Buch. 
Drittes 
cultus der Semiten ist bekannt 1. Der Zusammenhang desselben mit den auf 
den sogen. Abraxen, von welchen wir noch später zu sprechen haben, ist 
unleugbar; er wird durch die Nachrichten der häresiologischen Quellen über 
die ophitischen Gnostiker erläutert 2. 
 Der Adler, im Alten Testament öfter als Sinnbild der Stärke und 
Schnelligkeit erwähnt, wird namentlich mit Rücksicht auf Ps. 102, 5 (reno- 
cubitur ut agu-ilae iußvent-us tua) in der altchristlichen Litteratur vielfach als 
Symbol der in Christo gegebenen Erneuerung, auch der Auferstehung (so bei 
Ambrosius) und des Kampfes gegen den Satan (ebenda) aufgefasst. Gleichwol 
war es schwer oder unmöglich, ein dieses Symbol darbietendes Bildwerk alt- 
christlicher Epoche festzustellen. Die schon früher bekannten Darstellungen 
des Adlers mussten als rein ornamental aufgefasst werden: so z. B. einige 
Coemeterialgemalde, wie das in einem Cubiculum von S. Lucina3; so die auf 
den Mosaikböden von Capua und Valence4; so wol auch auf der schönen 
von de Rossi publicirten Elfenbeinpyxis von Karthago 5. Auf einem Grab- 
stein von Lyon hat der Adler wol nur die Bedeutung eines sprechenden 
Emblems, das den Namen des Todten, (Aquißizas, erläutern soll 6. Neuerdings 
glaubt indessen de Rossi7 mit Le Blant dem Adler eine symbolische Be- 
deutung zuschreiben zu dürfen auf jener Gruppe südgallischer Sarkophage des 
4. Jahrhunderts, welche das constantinische Monogramm Christi in der von 
den Krallen des Adlers gehaltenen Krone zeigen. Die betreffenden Denk- 
mäler sind leider zu schlecht erhalten, um sichere Schlüsse zu gestatten. 
Mir scheint, dass, ähnlich wie bei den Drachen, hier eine Combination vor- 
liegt, welche das gewohnte Legionsfeldzeichen, den Adler (vgl. VEGET. De 
re militari I 28), beizubehalten und mit dem Labarum zu verbinden suchte. 
3, Ebenso ungewiss dünkt mir die Verwendung eines andern Fürsten der 
Thierwelt in unseren altehristlichen Bildwerken. Mit Rücksicht auf biblische 
Stellen, wie Offb. 5, 5, galt der Löwe den Vätern allerdings als ein Sinn- 
bild Christi; wiederum aber auch, auf Grund von Ps. 56, 4-5; 90, 13. 
1 Petr. 5, 8, als dasjenige des Teufels, der umhergeht wie ein brüllender 
Löwe, suchend, wen er verschlinge,  Allegorien, welche wir bei Augustin 
sogar nebeneinandergestellt sehen. Für keine derselben lassen sich monu- 
mentale Belege beibringen. Da man glaubte, der Löwe schlafe mit offenen 
Augen, so galt er auch als Symbol der Wachsamkeit (vgl. Is. 21, 8). Man 
führt darauf die Anwesenheit der Löwen vor orientalischen und griechischen 
Tempeln, selbst vor demjenigen zu Jerusalem (1 Par. 28, 17) zurück und 
glaubt in diesem Sinne auch die zwei Löwen neben-der Arche und dem sieben- 
armigen Leuchter auf Goldglasern 8 wie an den Portalen altchristlicher Kirchen 
Roms erklären zu sollen. Man beruft sich dafür auf Denkmäler, welche 
Ciampini aus römischen Kirchen veröffentlicht hat; aber die bei ihm ab- 
gebildeten Löwen sind entweder antik bezw. orientalisch oder mittelalterlich; 
1 CIAMPINI Vet. mon. II 618, tab. 35. 
2 Vgl. BAUDISSIN Studien zur semitisehen 
Religionsgesch. (Lpz. 1876) Bd. I.  DE 
GUBERNATIS Zoo1. Myth. II 388.  SQUIER 
The Serpent Symbol and the worship of the 
reciprocal Principles of N aturo. New York 1851. 
3 Dm Rossl Roma sotterranea I tav. 16. 
Vgl. WILPERT in Zeitsehr. für kathol. Theo- 
logie 1888, p. 160. 
4 GAlumccl Stor. tav. 277. 
5 DE ROSSI Bull. 1891, p. 53, tav. 4-5. 
G LE BLANT Inscr. ehröt. de 1a Gaule 
l 158. 
7 DE Rossr Bull. 1891, p. 54. 
8 BUONARRUOTI Vetri tav. 25. PERRET 
Catacomb. IV pl.  2423-". Vgl. den 
Art. ,Löwe' des Dr. MÜNZ Real-Encylzlopädie 
II 343.
        

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