Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1886873
Altc-hristliche 
Malerei 
des Drachen mit dem todbringenden Apfel im Rachen, von dem Kreuze 
durchbohrt, auf welchem die Taube sitzt, während auf dem andern Theil der 
beckenähnlichen Lampe als Gegenstück der Delphin das eucharistische Brod 
des Lebens im Munde trätgtä Heuser fasst in demselben Sinne den Draco 
auf, welcher, von dem Labarum überstiegen, sich auf Münzen Constantins 
und seiner Söhne findet und so auch auf dem Bilde dargestellt war, welches 
(Jonstantin in der Vorhalle seines Palastes hatte anbringen lassen (Ensnß. Vita 
Const. III 3). Diese Ausdeutung erscheint mir nicht wahrscheinlich. Der Drache 
war seit den Zeiten Traians das von den Parthern entlehnte Feldzeichen der 
Cohorten, während den Legionen das Bild des Adlers vorgetragen wurde. 
Dieser Gebrauch ist wahrscheinlich durch das Christenthum nicht abgeschafft 
werden; von ihm ging die Bezeichnung Draconce-rius, wie der Fähnrich der 
Cohorten hiess, auch auf die Fahnenträger über, welche bei christlichen Pro- 
cessionen das Kreuz oder eine dem Labarum ähnliche Fahne trugen. Sehr 
bezeichnend ist, dass noch bei J onas von Orleans (also um 843) das La- 
barum geradezu Draco genannt wird? Ich vermuthe daher, dass auf den 
erwähnten Bildwerken und Münzen Constantins, dem synkretistischen Zuge 
der letzten Jahre seiner Regierung entsprechend, eher mit Absicht das tra- 
ditionelle Cohortenzeichen des Draco beibehalten 
  und mit dem Labarum combinirt worden ist 
   (Fig. es). 
f. C 3, Dass an der Stelle Christi auch christliche 
i. lillmhlllulmr  Martyrer und Heilige die Schlange mit dem Kreuz 
3'   i durchbohrend vorgestellt werden, ist ein ini all- 
i.  mm ä gemeinen nur der Ikonographie des Mittelalters 
3; A  ääwa .2 eigener Typus, Welcher die Ueberwindung des 
 f"   e." Iieidenthums ausspricht und zusammenzuhalten 
   1st mit der Legende so vieler mittelalterlichen 
 Glaubensboten (z. B. des hl. Pirmin auf der Insel 
 Reichenau), welche ihr apostolisches Werk da- 
F 38' V0" "gäielfzffnsia"ü"l5m" mit beginnen, dass sie den irdischen Boden ihrer 
Wirksamkeit von dem Gezücht der Nattern und 
den Lindwürmern befreien. Dass auch altchristliche Bildwerke ein der- 
artiges Beispiel bieten, bezweifelt de Rossi; doch macht derselbe darauf auf- 
merksam, dass die hl. Perpetua in ihrer Vision die Ankündigung ihres end- 
liehen Sieges darin erblickt, dass sie auf das Haupt des Drachen tritt,  
eine Scene, welche vielleicht in einem allerdings hinsichtlich seines christ- 
lichen Ursprungs zweifelhaften Mosaik aus Karthago wiedergegeben ist. Dem- 
entsprechend könnte man auch mit Marucchi auf einer Broncemedaille byzan- 
tinischen Typs  Jahrhundert) den hl. Laurentius sehen, wie er die 
Schlange niedertritt. Einen ähnlichen Gedanken wird das Mosaikbild der 
hl. Euphemia aus dem Jahre 688 veranschaulichen wollen 3. 
Es ist schon darauf hingewiesen worden, dass die frühesten Nachrichten 
über Kunstwerke der Gnostiker auch von Schlangenbildern reden. Der Schlangen- 
1 D1: Rossx Bull. 1868, p. 64. 77; 1869, 
p. 16. Vgl. ein Thongefäss des 5. Jahrh. 
51111- 1874, p. 132, und ein Elfenbein- 
diptychon des 4.  Jahrhunderts, Golu 
Thes. Dipt. III tav. 4. 
2 Ion. AUR. De cultu imaginum II 345 
(MIGNE t. OVI). Vgl. GARRUCCI Stor. I 438. 
3 Vgl. DE RossI Bull. 1887, p. 49. Dazu 
Bull. 1884-1885, p. 44.  MARUCCHI in der 
Röm. Quartalschr. I (1887) 316-329, Taf. 10.
        

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