Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1886857
Malerei. 
Altchristliche 
der Herr die Macht des Teufels überwindet, zeigen die Geschichten vom Hirsch,  
dem Ichneumon und Hydrus, während die Bosheit und betrügerische List des 
Teufels in den schlimmen Eigenschaften des Fuchses, Igels und Waliischs 
dargestellt Wird. Dem Rebhuhn ahmt der Mensch nach, indem er Verstand 
gewinnt und sich zum Herrn und seiner Sache zurückwendet. Satans ohn- 
miichtige Wuth darüber charakterisirt der Onager, seine schliessliche Ver- 
werfung der Affe. Der alte griechische Text1 des Buches bezieht sich für 
alle diese schönen Dinge auf den Physiologus", unter dem sich vielleicht Ari- 
stoteles mit einem apokryphen Tractat verbirgt. Was seine Entstehungszeit an- 
langt, so nimmt Lauchert2, welchem wir die neuesten Untersuchungen über 
den ,Physiologus' verdanken, an, es sei derselbe vor der Ausbildung der gno- 
stischen Aeonensysteme, also etwa im ersten Viertel des 2. Jahrhunderts ent- 
standen. Im Zusammenhangs mit dieser Annahme lehnt Lauchert den von 
Pitra behaupteten gnostischen Ursprung der Schrift ab. Mit letzterm dürfte 
er recht haben; dagegen ist eine so frühe Entstehung des Buches wenigstens 
in der vorliegenden Recension nicht zuzugeben, da die Ausführungen seines 
Textes hinsichtlich der Lehre von der Trinität, Incarnation und der hypostati- 
sehen Union die dogmengeschichtliche Entwicklung des 4. Jahrhunderts voraus- 
setzen, und auch die volle Ausbildung des allegorischen Interpretationssystems 
das Vorausgehen der an Origenes anknüpfenden alexandrinischen Exegese in 
sich schliesst. Dass sich bei J ustin, Olemens Alexandrinus, Origenes, Tertullian 
bereits deutliche Spuren einer Benutzung des Buches finden (Onlcnnns In Gen. 
hom. XVII 5 erwähnt geradezu den ,Physiologus'), beweist nur, dass diesen 
Vätern ein ähnliches Werk vorgelegen hat, welches dem heutigen Text als 
Grundlage dient. Ob Ambrosius, Hieronymus und Augustinus, welche alle 
vielfach den Physiologus benutzten, gerade diesen unsern Text gekannt haben, 
bleibt noch zu untersuchen. Jedenfalls scheint nicht anzunehmen zu sein, 
dass der Physiologus in seiner jetzigen Redaetion auf die Ausgestaltung der 
vorconstantinischen Thier- und Pflanzensymbolila einen starken Einfluss ge- 
habt hat, wenn auch seit Ende des 4. Jahrhunderts ein solcher sich mehr 
und mehr bemerklich zu machen beginnt. 
Noch viel weniger kann, um dies hier einzullechten, davon gesprochen Die Clavis 
werden, dass das von Pitra unter dem Namen des Melito (Bischof von des Memm 
Sardes um 195) und unter dem Titel lxlleig (Clavis Scripturae) Veröffentlichte 
Glossar zu biblischen Ausdrücken, deren mystische Bedeutung auseinander- 
gesetzt wird, eine Einwirkung auf die altchristliche Symbolik gehabt habe. 
Dies Werk ist nichts anderes als eine Zusammenstellung aus den Schriften 
späterer abendländischer Kirchenvater von Augustinus und Gregor d. Gr. 
herab bis zu Pier Damiani; erst zu Ende des 11. Jahrhunderts scheint es 
seine abschliesscndc Itedaction erlangt zu haben 
1 Den griechischen Text gab 1855 PITRA 
auf Grund von Pariser Handschriften und 
mit Benutzung der beiden älteren Ausgaben 
des LUIS PONCE DE LEON (1587) und des 
Mnsroxrmss im III. Bd. des Spie. Solesmense 
heraus; dann LAUGHERT Geseh. des Physio- 
logus (Strassb. 1889) S. 229 f. Die Haupt- 
ausgabe des lateinischen ,Physio1ogus' ver- 
danken wir CAIIIER und MARTIN (M61. (Paroli. 
   
2 a. a. 0., besonders  64. 
3 PITRA in Spie. Solosm. II 3, 1. Eine 
kürzere und ursprünglichere Redaction gab 
Pitra nach einer Handschrift des 10. Jahr- 
hunderts in Anal. sacr. 1I. Betreff-s der 
Abhängigkeit des Bruches von Augustin siehe 
ROTTMANNER und DUCHESNE im Bulletin 
critique 1885, Nr. 3 u. 10. Dazu SEITZ in 
,Theologische Studien und Kritikerf 1857, 
S. 584 f.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.