Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1886849
Drittes 
machenden Todes und der daraus erwachsenen Erlösung der Welt geleitet 
werdenfl 
Im Morgenlande scheint dieser Kanon auf das Emporkommen der Cruciüx- 
bilder bestimmenden Einfluss gehabt zu haben. Die lateinische Kirche da- 
gegen nahm die Beschlüsse des Trullanums von 692 nicht an; auch die nacl1- 
tragliche Bestätigung eines Theils derselben durch Papst Hadrian I kam dem 
Kanon 28 nicht zu gute, und es erklärt sich daher. wenn der Lyoner Diakon 
Florus im karolingisehen Zeitalter ebenso wie Paulinus von den Lammes- 
bildern preisend spricht und Sergius III im 10. Jahrhundert Crucifixe anfer- 
tigen liess, welche theils das Bild des Gekreuzigten theils das Lamm aus 
Gold und Edelsteinen gefertigt darstellten 2. Das Museo Cristiano des Vatican 
besitzt hervorragende Arbeiten dieser Art, wie denn das Agnus bei über- 
haupt im Abendland nie ausser Brauchs kam und gerade Stations- und 
Processionskreuze mit Vorliebe auf der Rückseite des Cruciflxes das Lamm 
Gottes darstellten. 
In den bisher behandelten Sujets haben wir die ältesten und gesichertsten 
Sinnbilder der altchristlichen Kunst kennen gelernt. Viel umstrittener ist 
der symbolische Charakter einer Reihe anderer Zeichen und Bilder, hinsichtlich 
deren man das Zugestandniss machen muss, dass ihr symbolischer Charakter 
im Alterthum nicht so allgemein anerkannt gewesen zu sein scheint und dass 
ihre Anwesenheit auf Epitaphien oft anderen als symbolischen Absichten ihren 
Grund verdankt. Wir werden uns daher in Bezug auf diese Bilder kürzer 
halten dürfen. 
Beginnen. wir mit denjenigen aus dem Thierreich. 
Hier erhebt sich zunächst die Frage, 0b und inwieweit wir bei dem Stu- 
dium der altchristlichen Thiersymbolik berechtigt sind, uns auf ein Buch zu 
stützen, welches für die mittelalterliche Ikonographie unzweifelhaft grosse 
DerPhysio- Bedeutung besitzt. Es ist der ,Physiologus'. Unter diesem Titel besitzen 
mm wir ein im christlichen Alterthum bereits verbreitetes, im Mittelalter in latei- 
nischer Uebersetzung wie in den Volkssprachen viel gelesenes Werk, welches 
uns von den meist fabelhaften Eigenschaften wirklich existirender oder auch 
fabelhafter Thiere und Pflanzen Nachricht gibt und an die Angabe dieser 
Eigenschaften moralische oder mystische Auslegungen knüpft. Da ist vom 
Löwen, der Sonnen-Eidechse, dem Charadrius, dem Pelikan, dem Nachtraben, 
dem Adler, dem Phönix u. s. f. die Rede. Der Baum Peridexeion wird als Bild 
der Dreifaltigkeit erklärt. Löwe und Einhorn symbolisiren das Mysterium der 
Incarnation. Eine zweite Eigenschaft des Löwen sinnbildet die Gottheit Christi, 
während die Verbindung der beiden Naturen in Christus durch den doppelten 
Adlerstein dargestellt wird. Den Sündenfall und die Erlösung linden wir in 
den Eigenschaften des Elephanten und Pelikan angedeutet; auf letztere werden 
auch die Geschichten von den Tauben, vom indischen Stein, der Feige, vom 
Charadrius und Nyktikorax bezogen. Für die Auferstehung wird wieder eine 
dritte Eigenschaft des Löwen, dann die Fabel vom Phönix und vom Panther 
benutzt. Recht seltsam nimmt sich die Monogamie der Krähe und Turtel- 
taube als Symbol der mystischen Ehe Christi und seiner Kirche aus. Wie 
1 LABBIÄ: Concil. III 1177.  C011. Reg. 
HEFELE Conciliengesoh. H12 340. 
2 Vgl. Bomxm De cruce Vaticana. p. 40. 
3 Auch CLAUDIUS von TURIN verehrt 
die Lammesbililer: ,Isti', heisst es bei ihm, 
  ,perversorum dogmatum auctoros agnos 
vivos volunt vorare et in pariete pictos ad- 
oraref
        

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