Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1886826
Drittes 
Buch. 
erkennen 1. Dass, wie Heuser glaubt2, der Hirtenstab schon früh auch die 
Andeutung des Kreuzes in sich trage, nehme ich nicht an; doch ist dies auf 
späteren Bildern (Mosaiken des Jahres 440 in S. Nazario e Celso in Ravenna) 
iinleugbar der Fall. 
In den rein pastoralen Scenen mag der Milcheimer nur als Beiwcrk auf- 
zufassen sein. Das ist aber unzulässig, wo er selbständig oder in Verbin- 
dung mit dem Stab (auch auf dem Mosaik von S. Costanza nachgewiesens), 
oder, wie auf dem Bilde in S. Pietro e Marcellino (Fig. 34), von einem Nimbus 
umgeben auf dem Rücken eines Lammes erscheint. Es kann nicht zweifel- 
haft sein, dass die Milch als Sinnbild der Eucliaristie galt; schon der Alexan- 
drincr Clemens nennt die Christen fahrxrogprlfm; in der Vision der hl. Per- 
petua und bei Ambrosius erscheint uns ein Milchkäse als Symbol der Eucha- 
ristie: ,Vide0(, heisst es in jener, Jiomine-m in habitu pastoris oves mulgentenz    
et de caseo guod mulgebat dedit mihi quasi buccellam." Man muss sich die 
Augen absichtlich verschliessen, um in dieser Stelle eines der ältesten christ- 
lichen Documente nicht eine klare Illustration gewisser Katakonibenbilder zu 
sehen 4. 
Noch sei hervorgehoben, dass auf zwei Sarkophagen der gute Hirte die 
Brodvermehrung vornimmt 5. 
Der Pastor bonus war das erste Sujet, dessen sich 
 die früheste statuarische Kunst der alten Christen be- 
  machtigte. Wir kommen bei der Darstellung der 
 ,1i  Sculptur auf diese Statuetten des guten Hirten zu- 
 rück; hier sei nur daran erinnert, wie auch in dieser 
,  Ijäliflif; Thatsache ein Beweis für die ausserordentliche Popu- 
Ü   {p laritat und das hohe Alter und Ansehen dieses Symbols 
  VIIHI  liegt 6. 
 i 12  Das Lamm tritt uns in den Hirtenscenen überall 
 zunächst als Sinnbild des Gläubigen entgegen; bald 
Fig, 34, Lamm mit", dem Milch- auch, wie auf dem Grabstein des Faustinianum in S. Lu- 
einm-   cina, als selbständiges Bild des Christen ohne den 
(Aus der Katakombe von S. Pie-      
tro e Marcellino.) Hirten. Im selben Sinne werden Wir zwei Lammer 
wol als Andeutung eines christlichen Ehepaares zu 
fassen haben, und ebenso stellen die beiden Lämmer, Welche die Orans 
(das Bild der Kirche) umgeben, auf Deckengeinälden und Grabsteinen W01 
die Gemeinde der Gläubigen dar. Das sind alles Illustrationen zu Aeusse- 
rungen wie diejenigen Cyprians (und est aqua in Ecclesia scmcta, quae oves 
facit, Ep. LXXI), Cyrills (Äoyexuf npößai-a) und Petrus" Chrysologus (vos filioli 
dominiici gregis portio copiosa, niveo et diivino vestita iam vellere, Serm. CLXXIII) 7. 
Von da ist es nur ein Schritt zu der auf dem spalatinischen Marmors und 
auf den Mosaiken uns entgegentretenden Symbolik der zwölf (oder andeutungs- 
weise sechs) Lämmer als der Vertreter der Apostel. Dass man an diese 
1 DE ROSSI Roma sotterranea I 349, 
tav. 12. 
2 Bei KRAUS Real-Encyläl. 1668. 
3 DE ROSSI Musaioi crist. Lf. 17, S. 
4 Vgl. DE WAAL und Hmvsnn bei KRAUS 
Real-Encykl. II 394. 450. 
5 LE BLANT bei DE ROSSI Bull. 1887, 
p. 47. 
6 Für den Pastor bonus vgl. noch Real- 
Encykl. II 588 f.  BERGNER Der gute Hirt. 
Berl. 1890. 
7 Vgl. weitere Ausführungen bei MAR- 
TIGNY Etude archeiol. sur Pagneau et le bon 
Pasteur. Mäcon 1860. DE WAAL bei KRAUS 
Real-Encykl. II 267.  MÜNTER a. a. O. I 81. 
9 DE ROSSI Bull. 1891, p. 122; 1892, 1 f.
        

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