Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1886815
Malari- 
Altchristliche 
fasst. Auch die übrige Heerde ist manchmal durch ein oder durch mehrere 
Schafe angedeutet, namentlich da, wo der Hirt kein Lamm auf den Schultern 
trägt. Ausnahmen bilden der mit dem Stabe in der Hand auf einem Hügel 
sitzende gute Hirt auf einem Gemälde bei Aringhi, wo zwei Oranten die 
Stelle der Lämmer einnehmenl, und der Pastor auf dem in Tunesien gefun- 
denen Wcihwassergefäss, wo die Schafe ebenfalls fehlen, aber ein Gladiator 
mit dem Siegeskranze und eine Palme als Sinnbild des Paradieses erscheinen 2. 
Die Schafe sind zuweilen durch Widder oder auch Ziegen ersetzt. Die bald 
gelehrige bald theilnahmslose oder abgewendete Haltung der" Thiere tritt am 
deutlichsten auf dem schönen Fresco von S. Callisto hervor, das wahrscheinlich 
im 4. Jahrhundert durch Anbringung eines Grabes in dem Arcosolium schwer 
geschädigt wurde 3. Neben dem guten Hirten, der das wiedergefundene Lamm 
auf den Schultern trägt, sieht man zwei seiner Jünger, welche das herab- 
strömende Wasser auffangen, um es den unten harrenden gelehrigen Lämmern 
mitzutheilen, also die Andeutung der Taufe. 
Eine besonders reiche Ausbildung der pastoralen Seite der Scene bietet 
eine Medaille aus dem 2-3. Jahrhundert, wo der Pastor unter dem mysti- 
sehen Oelbaum steht und den Hund zu seinen Füssen hat4. Anderwärts er- 
scheint der Hirt zwischen den Aposteln, deren jeder ein Lamm zu seinen 
Füssen hat. Wiederholt sieht man ihn auch zwischen den Darstellungen der 
vier Jahreszeiten. Auf Goldgläsern bemerkt man neben den zwei Schafen 
zu Seiten des Hirten noch zwei Bäume, in welchen man (ob mit Recht?) 
die Sinnbilder der Ecclesia ex circumcisionc und der Ecclesia ex gent-ibus ver- 
muthet hat. Auffallend ist auf einem Goldglas, dass nicht nur die Tunica 
des Hirten mit einem Purpurstreifen verziert ist, sondern auch die Schafe 
roth gefärbt sind,  wol eine Anspielung auf das Blut der Martyrer und 
die messianische Stelle Is. 63, 2_3 5. Nur ilüchtig sei daran erinnert, dass 
nach einigen Vätern"; das Thier, Welches der Hirt auf den Schultern trug, 
ein Bild nicht nur der sündigen Menschheit, sondern auch des vom Herrn 
zum Leiden angenommenen Fleisches war. 
Zwei Attribute des guten Hirten bedürfen noch einer besondern Be- 
trachtung: der Hirtenstab und der Milcheimer. Dass sie nicht eines selb- 
ständigen Sinnes bare Beigaben sind, geht daraus hervor, dass sie auch für 
sich allein, losgetrennt von dem Pastor, auftreten. Der Stab kommt mit und 
ohne Krümmung vor; man sieht in ihm das Symbol der Hirten gemalt und 
speciell in dem gekrümmten Peclum die Idee des Sammlers der zerstreuten Heerde, 
in dem geraden (Agoluvn) mehr die der Hut der widerspänstigen Schafe  
Im Anschluss an eine Aeusserung des Hilarius hat man auch die Ernährung 
der Lämmer durch die Speise der göttlichen Lehre und, sicher mit mehr Grund, 
in der Verbindung des Stabs mit der lllzelctra, dem Milcheimer, eine eucha- 
ristische Beziehung gefunden. Auf einem Fresco in einem der ältesten Cu- 
bicula von S. Lucina stehen Milcheimer und Stab zwischen Lamm und Widder 
auf einem Altar: hier glaubt de Rossi unzweideutig das mystische Opfer zu 
' ARINGHI Roma sotterranea I 581. 
2 DE Rossl Bull. 1867, p. 82-84. Aehn- 
lieh auf einem Grabstein bei KRAUS Real- 
Encykl. II 90, Fig. 60. 
3 DE Rossl Roma sotterranea II tav. 
agg. A; III tav. 9. 
4 DE ROSSI Bull. 1869, p. 42, tav. 1. 
5 Vgl. dazu PETR. CHRYSOL. Serm. OLIV. 
PRUDENT. Peristeph. IV 190 (turba   pur- 
pureorzcm). 
6 MELITO in Spic. Solesm. III 33.  Zmvo 
II tract. 55.  Tnnononnm. Opp. IV, dial. 3 
(ed. ScnULzE [1772] p. 258). Dazu GARRUGCI 
Vetri p. 60 sq.
        

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