Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1886786
Drittes Buch. 
r. Die Leier (llöpa yoomxä), welche Clemens in eigenthümlicher WVoise 
gerade als von Polykrates, dem Beherrscher von Samos, Wahrscheinlich als 
Freund des Anakreon, gebraucht erwähnt, ist als Sinnbild des Gesanges At- 
tribut des Apollo und des Orpheus. Sie begegnet uns daher auf den Orpheus- 
darstellungen der altchristlichen Kunst, über welche wir noch zu sprechen 
haben. Eine versteckte Symbolisiruug des Kreuzes hier zuzugeben, liegt kein 
Anlass vor. Die Leier in der Hand einer von ihrer Familie umgebenen jungen 
Frau (auf einem römischen Sarkophag) wird nichts anderes als die Wiedergabe 
einer häuslichen Scene sein. Als selbständiges Symbol kommt die Lyra nur 
auf eini en wenigen Ringen vor, deren einer zwei Schlangen und die Inschrift 
VIVAS HN DEO aufweist. 
zr. Auch der Anker war der vorchristlichen Symbolik nicht ungelaufig. 
Er begegnet uns als Zeichen des Neptunoultus auf römischen Münzen und 
auch im Gebrauche von Seeanwohnernä Einen Ring mit dem Schiffsankei- 
besass anscheinend Seleukus Nikator, was auch Olemens erwähnt. Im Hebräer- 
brief (6, 19) war derselbe als christliches Symbol bereits aufgenommen, und 
zwar als das der Hoffnung, dieses ,sichern und festen Seelenankers". Dem- 
gemäss begegnen wir ihm auf den Ziegel- und Marmorepitaphien der ältesten 
Abtheilungen von S. Priscilla und S. Oallisto. Die Verbindung des Ankers 
mit dem Ichthys deutet an, auf wen die Hoffnung des Christen gebaut ist, 
und gerade diese Combination ist auf geschnittenen Steinen besonders beliebt. 
Dass man bei zwei Fischen neben dem Anker mit Pitra an die Doppelnatur 
"in Jesu Christo denken soll, ist ganz gewiss nicht anzunehmen; 
  vermuthlieh bedingt die Neigung zu einer gewissen S mmetrie 
 der Anordnung derartige Verdopplungen. Dagegen känu man 
 mit Fug und Recht annehmen, das Vertrauen des Verstorbenen 
   werde da specieller betont, wo wir den Anker in Verbindung 
Forbmlm. mit der Taube oder zwei Pfauen, die an dem Boden des Gefässes 
essen, dargestellt sehen. Dass der Anker, namentlich in gewissen 
Gestaltungen, mit seinem Widerhaken u. s. f. die verhüllte Andeutung des 
Kreuzes (crux dissivnulata) biete, ist eine gewöhnliche, aber nicht unwider- 
sprochene Annahme. Man kann sie jedenfalls nicht auf den Grabstein von 
Gherchel, eher auf den Ring der Drury-Fortnumschen Sammlung stützen, welcher 
das ausgebildete Kreuz in Verbindung mit dem Anker bietet (Ißlig. 82). Beachtens- 
werth ist die Combination des kreuzförmigen Ankers mit dem Fisch und Schiff 
auf einer Lampe aus Ostiag, auf einer andern Lampe auch mit dem Schiff 
allein. Auch hier ist der Sinn unverkennbar. An Stelle des einen Fisches 
trifft man auch wieder den Delphin oder zwei Fische mit dem IXOYC ZOONTOJN, 
wie auf der mehrerwahnten Grabplatte des Kircherianum. Ein Ring mit Anker 
und daneben stehendem Xßorarä) Wojäsz) drückt den nämlichen Gedanken aus. 
Auf dem Sarkophag der Livia Primitiva sehen wir dem Anker und Fisch noch 
als weitere Exegese derselben Idee den guten Hirten beigegeben; während 
die Hoffnung im Herrn auf einem Carneol des Museo Kircheriano durch das 
auf seinem Rücken ein T-Kreuz tragende Lamm angedeutet wird. In einem 
andern Falle, auf dem Epitaph der Faustinianum im Coemeterium Callisti, 
blickt als Sinnbild des Todten ein Lamm nach dem Anker hin, dessen Quer- 
stange in die Mitte des Stammes gerückt ist. Dass der Anker mit Vorliebe 
auf Martyrer-Epitaphien gesetzt wurde, scheint mir unerweisbar. Dagegen 
1 Bull. 
arch. 
crist. 
175 a_ 
VI 116. 
2 BRUZZA in m: Rossfs Bull. 3 ß ser.
        

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