Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1886777
Malerei. 
Altchristlichigi 
begegnende Symbolik des Schiffs des Odysseus, welche ebenfalls durch Hippo- 
lytus und den hl. Maximus gewährleistet ist 1. 
Für die Taube gebraucht Clemens auffallenderweise nicht das bib- Die Taube. 
lische rrepurrspd, sondern rreleuig (oder rrälleza), d. i. die wilde Taube, die uns 
als palmnbßus auch auf den lateinischen Epitaphien begegnet. Auch dieses 
Sinnbild war der vorchristliehen Kunst nicht unbekannt; es kommt als Em- 
blem der Venus auf profanen Darstellungen vor? Der Christenheit musste 
es sich im Anschluss an die Heilige Schrift empfehlen, wo die Taube Noe in der 
Arche, den drei Jünglingen im Feuerofen als Friedensbote (daher als ,a pri- 
mordio diivincze pacis praeczf bei Tertullian erwähnt), dann im Munde des Er- 
lösers (Matth. 10, 16) als Bild der Einfalt erscheint. Im allgemeinen wird 
die Taube als Symbol der christlichen Seele, namentlich der zur ewigen Ruhe 
eingegangenen, aufzufassen sein; so kommt sie in Rom zwischen 200-500, 
in Gallien zwischen 378-612 nachweisbar vor. Palumbu-s eine felle, sine felle 
COZNHZÖOI, ist eine stehende graziöse Formel der coemeterialen Epigraphik im 
3. Jahrhundert; ihren Nachklang hat sie noch im 4. Jahrhundert, um dann 
zu verschwinden; nur im 10. Jahrhundert kehrt sie noch einmal in dem Leo- 
ninischen Vers Wieder: Der-mit in hac tumba Simplex sine felle c0lu1nba3. Im 
selben Sinne findet sich die Taube mit der Beischrift: ANIMA INNOCENS, 
g nxigß  , 
" ' "A ßw 14-  QW Wiäßiß 1m  
 imämwäßißwßäffßsxäläuuäärilßämß, 
Wandgemälde aus S. 
(D0 R o s s i.) 
Gallisto. 
ANIMA SIMPLEX. Man beobachtet auch die Namen der Todten den 
Täubchen beigesetzt, die zuweilen aus einem Gefässe trinken (vas inzmortaylßi- 
tatis) oder an Weintrauben picken. Am häufigsten tragen die Tauben den 
Oelzweig im Schnabel  die Illustration zu den so oft uns begegnenden 
Formeln IN PACE oder SPIRITVS TVVS IN PACE. Denselben Ge- 
danken darf man in der Vorliebe suchen, mit welcher Lämpchen in Gestalt 
von Tauben den Gräbern beigesetzt werden. Dass die Taube auch als Symbol 
der Apostel gebraucht wurde, schliesst man aus Paulin V. Nola (Ep. XII ad 
Sever.). Indessen werden monumentale Belege aus älterer Zeit dafür nicht 
beizubringen sein; das Gemälde in Praetextat zähle ich nicht dahin. Ebenso- 
wenig bin ich geneigt, eine Menge anderer Bedeutungen, welche die Taube 
als Symbol besitzen soll, anzuerkennen, noch mich der Einsicht zu verschliessen, 
dass sie gleich anderen Vögeln aller Wahrscheinlichkeit nach vielfach nur 
aus decorativer Rücksicht Verwendung fand. 
1 Vgl. HIPPOLYT. Philos. VII 1 (ed. Cmncm 
p. 335).  MAXIM. Homil. in cruc. c. 1 (ed. 
MIGNE p. 339  Zu dem ganzen Artikel 
WILPERT in Real-Encykl. d christl. Alterth. 
II 732. 
2 Vgl. v. FLORENCOURT im Jahrb. d. Ver. 
f. Alterthumsforsch. in d. Rhein]. VIII 104. 
 B. LORENTZ Die Taube im Alterth. (1887) 
ist mir nicht zu Gesicht gekommen. 
3 DE Rossl Bull. 4a ser. II 15; 5a ser. I 133.
        

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