Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1886759
Altohristliche 
gestellt, mit Tunica und Pallium bekleidet, welcher einen Fisch an einer 
Angelschnur trägt. Auf Sarkophagen sind etwa drei Beispiele nachgewiesen, 
wo Fischer mit der Angelschnur und einen Fischkorb tragend erscheinen. 
Die Anwesenheit anderer biblisch-allegorischer Scenen auf einem Sarkophag 
des Lateranmuseums entscheidet in diesem Falle für die symbolische Auffassung 
des Sujets, in anderen kann dieselbe streitig sein. Evident erscheint sie auf 
einem Elfenbeinrelief, wo der Erlöser in einem Kahn am Steuer sitzt, neben 
ihm die Inschrift IXBTC steht und Petrus ein Netz mit einem Fische aus dem 
Wasser zieht. In solchen Fällen hat man gewiss an den Menschenfiseher zu 
denken, den der Hymnus des Clemens von Alexandrien feiert: ,der in der Sünden 
Meer die reinen Fische aus feindlicher Fluth mit süssem Leben ködertß eine Deu- 
tung, die auch Paulin von Nola unterstützt und die darum nicht aufzugeben 
ist gegen diejenige, welche in dem Fischfang ,die Errettung der Seele aus der 
Gewalt und dem Reiche des Todes zu neuem Dasein" sehen will. Doch kann 
man eine sepulcrale Beziehung für Sarkophagdarstellungen zugeben, wie die 
von Ostia, welche den hl. Petrus und den Fisch mit dem Steuer-Stater (Matth. 
17, 26) schildert; hier lässt sich der Anklang an das liturgische Gebet der 
Apostolischen Constitutionen (V 7) nicht leicht verkennen. 
Clemens nennt an dritter Stelle das Schiff, mit einem Zusatz, hin- Das Schilf. 
sichtlich dessen die Handschriften voneinander abweichen; die Einen lesen 
(zöpodpoluoöaa (mit glücklichem Winde dahineilend), die Anderen odpavoöpupzzöaa 
(himmelanstrebend), was in dem einen wie dem andern Fall einen guten 
Sinn gibt. Als Sinnbild des menschlichen Lebens mit seinen Kämpfen und 
Stürmen war das Schiff bereits Griechen und Römern bekannt, und es be- 
gegnet uns in sepulcralem Zusammenhang da, wo es in Verbindung mit dem 
durch einen Leuchtthurm angedeuteten Hafen des Todes oder des Grabes 
abgebildet wird; nicht minder, wo es mit dem Zusatze ETIIAOI (fahr wohl) 
uns entgegentritt, damit den Gedanken an die Ueberfahrt ins Reich der Schatten 
verbindend. Die altchristliche Symbolik hat diesen sepulcralen Gedanken auch 
aufgenommen, aber dem Sinnbild dann eine weitere Bedeutung gegeben. Im 
Anschlusse an jenen bewegt sich die Darstellung des Schiffs als Symbol 
der glücklich zurückgelegten Lebensfahrt auf den Epitaphien, unter denen 
das mit Zinnober auf den Verschluss eines Loculus im Coemeterium Ostrianum 
aufgemalte das älteste Beispiel sein wird. Im selben Sinne finden wir das Schiff 
combinirt mit anderen Symbolen: mit dem Leuchtthurm, mit der Taube ohne 
oder mit dem Oelzweig, mit der Acclamation IN PACE, mit dem Monogramm 
Christi oder dem Anker. Hier und da trägt das Schiff ein Gefäss, wobei 
man an des Lactantius Aeusserung zu denken hat: ßorpus est quasi vasculznn, 
quo taongzravn domicilio temporali Spiritus coelestis utatuf, ein Gedanke, den auch 
andere Kirchenvater, wie namentlich Prudentius, ausdrücken. Dass der Mast 
des Schiffes ein Symbol des Kreuzes sei, äussert Augustin mehrmals, und man 
hat mit Rücksicht darauf sowol den 'l'-förmig gebildeten Mast wie den Drei- 
zack als eine verhüllte Andeutung des Kreuzes erklärt. Ich habe indessen 
einigen Zweifel daran, dass sich diese Ausdeutung für die ersten Jahrhunderte 
feststellen lasse, und fürchte, dass hier einer der Fälle vorliegt, wo die Alle- 
gorik zu weit gehen kann. Dagegen ist zweifellos, dass das Schiff schon früh 
und gerne als Symbol der Kirche aufgefasst wird, so bei Hippolytus zu An- 
fang des 3. Jahrhunderts, so in den Apostolischen Constitutionen (II_57), Wo 
der Bischof als der Steuermann erscheint, während anderwarts Christus als 
solcher bezeichnet wird. Demgemäss sieht man auf einem geschnlttenell 
Kraus, Geschichte der Christ]. Kunst. I. 7
        

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