Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1886749
Buch. 
Drittes 
bis in der neuesten Zeit der Versuch gemacht wurde, die Inschrift als nicht 
altchristlich, vielmehr als ein Werk asiatischen Mysteriendienstes zu erweisen 1. 
Ich kann diesen Versuch nicht als gelungen betrachten und halte einstweilen 
an dem christlichen Ursprung des Epitaphs fest. Abercius erzählt in dein- 
selben seine Reisen nach Syrien und Rom, wo er überall Genossen im Gottes- 
dienste fand. ,Der Glaubeß setzt er dann hinzu, ,brachte hervor und setzte 
jedem Einzelnen eine Speise dar, den Fisch aus derselben Quelle, den über- 
grossen, unbefleckten Fisch, den die makellose Jungfrau ergriffen und ihren 
Freunden ganz zum Essen hingegeben hatte; und dieselbe gab ihnen guten 
gemischten Wein mit Brod' u. s. f. 
 Die  Das zweite der hier in Betracht kommenden Denkmäler ist die 1839 
ifjbffffgf bei Autun gefundene, zuerst von Pitra mitgetheilte Grabschrift des 
Pectorius2, Welche wol in die erste Hälfte des 3. Jahrhunderts zu setzen, 
also etwas Weniger jünger ist als die Abercius-Inschrift; letztere kann wegen 
der Verwendung auf der Stele des Alexander 216 nicht später als dieses Datum 
angesetzt werden, doch ist wahrscheinlich, dass sie noch vor 180 entstand. 
In dem Epitaph des Pectorius heissen die Christen ,die Kinder des himmlischen 
Fischesj und es wird die Christenheit aufgefordert, ,die gute Speise des Er- 
lösers zu geniessen: ,Iss', sagt der Todte, ,mit Begier, indem du den Fisch 
in deinen Händen haltstf 
Der Fisch ist aber nicht bloss als Symbol Jesu Christi aufzufassen. Die 
schon angeführte Aeusserung Tertullians und der Hymnus, welchen Clemens 
Alexandrinus am Schluss seines ,Paedagogus' mittheilt (,Fischer 
   der Menschen, der geretteten, der du aus dem Meere der Bos- 
u;  heit, aus den feindlichen Fluthen die heiligen Fische zu süssem 
uugjiißjgylllllll" Leben fängsU), lassen keinen Zweifel, dass der Fisch auch 
  Symbol der Gläubigen ist. Denkmäler, auf welchen man den 
Bälirääif  Fisch in diesem Sinne verwerthet ündet, sind freilich viel 
seltener und gehören, wie die erwähnten Decoravtionen von 
Taufgefässen und Baptisterien und wie der Ring des Bischofs Arnulf von 
Metz (Fig. 28) schon dem beginnenden Mittelalter an. Doch dürfte die Dar- 
stellung eines Delphins, der eine kleine Schlange verschlingt, auf dem Kalk- 
bewurf eines Loculus (1879 gef.) hier anzuziehen sein, wol auch der kleinere 
Fisch auf dem Carneol des Museo Kircheriano. Die auf Werken des 6. Jahr- 
hunderts (an einigen Ambonen zu Ravenna) auftretenden Fische dürften rein 
decorativen Charakters sein. 
DerFischer. Wir schliessen dem Fisch gleich das Symbol des Fischers und des Fisch- 
 fanges an. Es begegnet uns zweimal in den Wandgemalden von S. Callisto 
und einmal im Coemeterium der hl. Domitilla; auf einem Carneol, wo dem 
Fische das IXGYC beigeschrieben ist; auf einem Goldglas ist Christus vor- 
1 G. FICKER Berliner Sitzungsberichte V 
(1894) 87. Dazu V. SGHULTZE in Theol. Lit- 
teraturztg. 1894, Nr. 18. 19. DE Rossr Bull. 
1894, p. 65. Duomzsnm Bull. crit. 1894, 
p. 69. DE WAAL in Röm. Quartalschr. VIII 
(1894) 329. KRAUS in Rep. f. Kunstw. XVIII 
(1895) 44. HARNACK in ,Texte u. Unter- 
suchungew XII (1895) 4 ; zu( Leigztiäg 
G. WEYMAN in Hist. Jahrb. XVI 1895  
2 PITRA Spie. Solesm. I 560.  LENOR- 
MANT bei CAHIER et MARTIN M61. (Yarch. 
III 156.  FRANZ Christl. Denkm. v. Autun. 
Berl. 1841.  NOLTE et ROSSIGNOL in der ,Rev. 
archäologique XIII 505.  MARRIOTT Testi- 
mony of the Oatacombs p. 115 f.  C. Kuwa- 
HOFF C. I. Gr. n. 9890.  O. POI-IL Das Ichthys- 
Monument v. Autun. Berl. 1880.  WILPERT 
a. a. O. S. 57.  KRAUS Roma sotterrauea? 
p. 249.  LE BLANT Inscr. ehrät. de 1a. 
Gaule I 9 f.
        

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