Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1886692
Altchristlioh? 
bedeutende Wandlungen erfahren, und vor allem ist sie durch die etru s- 
kische Kunst beeinflusst und rnodificirt werden. Die altetruskische Kunst 
erlebte gegen Ende des 8. Jahrhunderts und im 4. Jahrhundert eine Wieder- 
belebung in Rom, welche durch das Medium der orientalischen Culte (Cybele 
u. s. f.) vor sich ging. Diese erneuerte Kunst war vorwaltend oder gar rein 
allegorisch, wie es die alte Etruskerkunst war; ihre Kunstvorstellungen waren 
rein religiös-theologischer, ihre Sprache allegorischer, nicht bloss sepulcralei- 
Natur 1. Es wäre jetzt noch zu untersuchen, 0b und welche Berührungspunkte 
zwischen ihr und der altchristlichen Kunst bestanden. 
Diese Darlegung dürfte geeignet sein, das Auftreten der altchristlichen 
Symbolik in einem ganz andern und zum Theil neuen Lichte erscheinen zu 
lassen. Sie zeigt, in welche Atmosphäre dieselbe eintrat; wie wenig Fremd- 
artiges und Ueberraschendes sie dem Geiste und der Empfindung der Römer 
des antoninischen Zeitalters darbot. 
Wollte man unter sepulcralen Darstellungen solche verstehen, welche nur 
auf Tod und Grab, mit Ausschluss dessen, was jenseits dieser ,letzten Dinge; 
liegt, Bezug haben, so müsste man in Abrede stellen, dass die altchristliche 
Kunst deren kennt. Jene Gedanken, welche nur den unabwendbaren Unter- 
gang aller irdischen Creatur zum Inhalt haben, welche nur die Schrecken des 
Todes steigern und in der Finsterniss des Grabes keinen Lichtstrahl besserer 
Hoffnung haben,  sie lagen der Empfindung der ersten Christen vollkommen 
fern. Ihre sepulcralen Darstellungen sind zugleich symbolisch- 
allegorischer Natur. 
Wir gehen zur Aufzählung der einzelnen symbolischen Zeichen und Bilder 
über und beginnen mit denjenigen, welche uns Clemens der Alexandriner nam- 
haft macht, und über deren Auftreten seit Ende des 2. Jahrhunderts kein 
Zweifel walten kann 2. 
An der Spitze von allen steht der Fisch 3. Unsere Ansicht über die 
Entstehung dieses Symbols ist bereits auseinandergesetzt werden; sie erscheint 
Der Fisch. 
1 Die hier vorgetragene Ansieht ist die 
des bedeutendsten Vertreters der etruskisehexi 
Archäologie, ltiliminfs in Florenz, welchem, 
wie er inittheilt, auch MOMMSEN jetzt seine 
Zustimmung ausgedrückt hat.  Vgl. über 
den Gebrauch der Allegorie BLÜMNER Laokoon- 
Studien (Freib. u. Tüb. 1881) Bd. I. 
2 Es versteht sich, dass hier nicht auf 
alle Details eingegangen und die gesarmmte 
die einzelnen Symbole angehende Littcratur 
angeführt werden kann. Nach beiden Rück- 
sichten muss auf die Real-Encykl. d. ehristl. 
Alterth. sowie auf FR. Münrnns Sinnbilder n. 
Kunstvorstellungen der alten Christen' (Altona 
1825) verwiesen werden. Es muss des wei- 
tern bemerkt werden, dass wir, um den Zu- 
sammenhang nicht völlig zu zerreissen, bei 
dieser Uebersicht der einzelnen Symbole 
ausser den Wandmalereien auch die übrigen 
Zweige der Kunst berücksichtigen. 
3 Vgl. PITRA IXBTE sive de pisce alle- 
äF 
gorico et syinholico (Spieil. Solesm. Ill 
499   DE ltossi De c-hrist. monum. 
IXHTZV cxhibentibus (ibid. p. 545  
lnscr. christ. urb. R. II 1, p. x11 sq.  FERD. 
BECKER Die Darstellung Jesu Christi unter 
dem Bilde des Fisches. Bresl. 1866.  WIL- 
PERT Prineipienfragen der christlichen Archäo- 
logie mit besonderer Berücksichtigung der 
Iersehungen" von SenuLTzE, HASENCLEVER und 
Aonnms, Freiburg 1889, S. 37 f. (gegen 
V. SenULTzn Archäologische Studien, und 
H. AGHELIS Das Symbol des Fisches und die 
Fischdenkmäiler der römischen Katakomben. 
Marb. 1888). Die Unreife des Urteils und 
die Anmasslichkeit des Tons, welche Schriften 
wie die letztgenannte auszeichnet, überhebt 
mich der Verpflichtung, mich mit den in ihr 
vorgetragenen Ansichten ausein a-nderzusetzen; 
übrigens ist Hrn. Aehelis bereits durch Wil- 
pert die gebührende Zurechtsetzilng zu thell 
geworden.
        

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