Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1886680
Drittes Buch. 
scheint, den Lohn verbürgen, der die Tugend erwartet; die Geschichte des 
Aktäon, des Marsyas, die Klytämnestra, der Gigantenkampf vielleicht die 
Strafen, die den Frevler treffen werden. Auf die Freuden der Seligen deuten 
die mit besonderer Vorliebe dargestellten frohen Vereinigungen, Tänze und 
Feste des Schwarms. der das Gefolge des Bacchus bildet, jenes bunte Gewühl 
der Bacchanten, Manaden, Satyren, Pane und Centauren, dessen Fülle nach 
Goethe auf Sarkophagen und Urnen den Tod überwältigt: „Die Asche da- 
drinnen scheint im stillen Bezirk noch sich des Lebens zu freuen." Auch der 
Gott selbst verbürgte durch seine Wiedergeburt aus dem Tode nach orphischer 
Lehre den Eingeweihten seiner Mysterien die Unsterblichkeit 1. Die von ihm 
zum Himmel erhobene Ariadne erschien als ein Vorbild der aus der Endlich- 
keit befreiten und in eine höhere Welt entrückten Seele; der Jubel und die 
festliche Freude des bacchischen Kreises, wie gesagt, als ein Sinnbild der zu 
helfenden Seligkeit. Den Zustand der Seligen scheinen auch die Züge und 
Chöre der auf den Wellen des Oceans sich wiegenden Nereiden und Meer- 
götter, die Spiele von Liebesgöttern zu bedeuten. Zu beiden Seiten der Via 
Latina sind bei Rom 1857 und 1858 zwei einander gegenüberliegende, statt- 
liche, zweistöckige Grabgebäude entdeckt worden, die der zweiten Hälfte des 
2. Jahrhunderts n. Chr. angehören. Die Gewölbdecke des Hauptgemachs im 
Unterstock des einen, das drei Sarkophage enthielt, ist reich mit Stuckreliefs 
verziert: ein Medaillen in der Mitte stellt die Seele des Verstorbenen als 
verhüllte Gestalt, von einem Greifen emporgetragen, vor, umgeben von 24 Me- 
daillons mit Bacchanten und Nereiden und Liebesgöttern in kleinen, vier- 
eckigen Feldernf2 
Ich habe diese Ausführungen eines der berufensten Beurteiler hier auf- 
genommen, um zu zeigen, was es mit dem Vergeben Derjenigen auf sich hat, 
welche den Graberschmuck der römischen Kaiserzeit als rein ornamentalen 
Charakters darstellen. Das von Friedländer beigebrachte Material liesse 
sich leicht vermehreng, und insbesondere kann man zeigen, dass nicht erst 
seit den Tagen der Antonine, sondern bereits seit Domitian ein Einfliessen 
asiatischer Culte, wie des Adoniscultes, und mit ihnen der Gedanke der Auf- 
erstehung, des Wiedererwachens des Lebens, wie er in der Allegorie des 
Adonis gegeben ist, statthat 4. 
Dass die ältere römische Kunst nicht eigentlich allegorisch war, wird man 
zugeben müssen. Aber diese altrömische Kunst hat unter fremden Einflüssen 
1 PLUTARCH. Cons. ad ux. e. 10. 
2 FRIEDLÄNDER a. a. O. III 694 f. 
3 Es sei hier nur auf das von J. J. BACHOFEN 
in seinem tiefsinnigen Werke über die Gräber- 
symbolik der Alten (Basel 1859) beigebrachte 
reiche Material hingewiesen. Es ist da nament- 
lich sehr eingehend das Ocnus-Syrnbol be- 
handelt. ,Dies Ocnus-Symbol, im Nilland 
heimisch, kehrt zu Delphi und in römischen 
Gräbern wieder, und während sein Ursprung 
in das Dunkel urerster Zustände gehüllt ist, 
begleitet es die alten Völker bis in jene Zeiten 
hinab, denen auf einsamer Seehöhe der Unter- 
gang des grossen Pan verkündet wurde 
(PLUTARGH. De def. orae. c. 17) und über der 
Hütte der Stern erschien. Das ist, was der 
antiken Gräberwelt eine so hohe Bedeutung 
leiht und ihre Betrachtung nach allen Seiten 
hin so fruchtbringend macht, dass in ihr die 
innere Einheit der alten Gedankenwelt schla- 
gender und greifbarer als anderswo hervor- 
tritt und eilende Jahrhunderte ihre umgestal- 
tende Macht nicht durchzuführen vermögen. 
Unwandelbar wie der Tod ist die Grabeswelt. 
An ihr geht j ede Neuerung spurlos vorüber. Eine 
Fülle geistiger Schätze liegt in den Nekropolen 
verborgen. Die Erde bietet wieder, was sie 
vor Tausenden von Jahren empfing  411i). 
4 Ich verweise für diesen Gegenstand auf 
den schönen Aufsatz meiner Freundin, der 
Gräfin ERSILIA CAETANI-LOVATELLI: I giar- 
dini di Adone (Roma 1892) p. 6. 9.
        

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