Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1886661
Drittes 
Allegori- 
sdler Gha- 
rakter der 
römischen 
Kunst. 
nischen Welt in eine christliche. Wir haben hier den innern Gründen dieser 
Transformation nicht nachzugehen, die ja freilich so leicht nicht blosszulegen 
sind, die auch dem grossen modernen Gesehichtschreiber Roms unverständlich 
erscheinen und deren "Dunkel ihn abhielten, die Geschichte dieser Zeit zu 
schreiben. Hier haben wir uns nur mit der Frage zu beschäftigen, in welchem 
Zusammenhang die Anfange christlicher Kunst mit der geistigen und sitt- 
lichen Disposition standen, welche im 2. und 3. Jahrhunderte ltom beherrschte 
und in gewissen Denkmälern der sepulcralen Kunst ihren Ausdruck fand. 
Wenn irgend eine Thatsaehe jener Zeit in die Augen springt, so ist es 
das mächtige Hervortreten der religiösen Probleme. Für das erste Jahrhundert 
vor Christus und nach seinem Auftreten ist es schwer, das Verhaltniss der 
Gebildeten der römischen Gesellschaft zu diesen Problemen und insbesondere 
zu dem Unsterblich keitsglauben klar herauszustellen 1. Die Leugner der 
Unsterblichkeit waren zahlreich, nicht bloss in den eigentlich materialistischen 
Schichten des Epikureismus, sondern auch unter den ernsten Denkern. Zu 
Ende des 1. Jahrhunderts sehen wir Galenus, Quintilian, Tacitus sich zaudernd 
ausdrücken und die Sache völlig in der Schwebe lassen. Die stoische Lehre 
von einem Fortleben der Seele im Jenseits, bereits durch Cicero empfohlen, 
hatte in Seneca einen beredten und einflussreichen Vertheidiger gefunden. 
Mehr noch dürfte das Ansehen Plato's nach dieser Richtung gewirkt haben. 
Die Wiedererneuerung des Platonismus durch Plotin und seine Schule fand 
in Rein bedeutsamen Widerhall; die platonisirenden und pythagorisirenden 
Anschauungen eines Plutarch, Pausanias, Apuleius verfehlten gewiss ihres 
Eindruckes auf die Masse der Gebildeten nicht. Weit tiefer und nachhaltiger 
aber werden die Einflüsse des (lrients gewesen sein, welche seit Ausgang 
des 1. Jahrhunderts mehr und mehr das Abendland ergriffen. Die Juden 
brachten in die Diaspora einen religiösen Garungsstoff mit, der sich auf viele 
Jahrhunderte hindurch nachhaltig erwies. Man weiss, wie die Familie und 
der Hof Septim Severs und seiner Nachfolger von den Erinnerungen jüdischen 
Proselytismus berührt wurden. Aegyptische und syrische Culte drangen zu- 
gleich in Italien ein und fanden bald bis in die höchsten Kreise hinein Auf- 
nahme. Alle diese orientalischen Einflüsse  von den christlichen gänzlich 
zu schweigen  wiesen und führten auf den Glauben an die Unsterblichkeit 
hin. Hatte der Todtencultus der Griechen und Römer von jeher die Tendenz, 
das Band zwischen Lebenden und Todten fortzuspinnen, so gcvzann diese 
Absicht jetzt eine bedeutsame Vertiefung. Man hatte auch früher stets Werth 
darauf gelegt, das Gedächtniss der Abgeschiedenen zu erhalten und zu er- 
neuern: die heidnische Epigraphik erscheint oft wie ein Dialog zwischen 
dem Todten und dem Lebenden. Die Vorstellung verbreitete sich jetzt mehr 
und mehr, dass die Abgeschiedenen sich an der Erinnerung ihrer Hinter- 
bliebenen erfreuten, dass der Schmuck ihrer Gräber, die Rosen- und Veilchen- 
tage, das Licht der Grabeslampe und der Duft ihres Oeles, die Feier der 
Todtenmahle und all diese Veranstaltungen den Todten wohl thun und sie 
in einem angenehmen Zusammenleben mit den Ihrigen erhalten. Das Eindringen 
l Der Gegenstand ist öfter behandelt 
worden. Ich verweise auf REISACKER Der 
Todesgedanke bei den Griechen. 'l'rier1852; 
Lmnns Vorstellungen der Griechen über das 
Fortleben nach dem Tode. Populäre Auf- 
Sätze. 2 (1875) S. 303 ff. ; FRIEDLÄNDER Sitten- 
gesch. Roms III 5 681 f., und besonders jetzt 
auf das ausgezeichnete, für den Gegenstand in 
erster Linie in Betracht kommende Werk 
E. RonmimPsyche. 2Bde. Freib. 1890-1894.
        

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