Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1886651
Malerei. 
Altchristliche 
Concil von Nicäa (325) die Ausrechnung und oflicielle Ansage des Osterfestes 
für den ganzen christlichen Erdkreis übertragen hatte,  eine Anordnung, von 
der sich das Abendland erst seit der Mitte des G. Jahrhunderts an emancipirte. 
Bis zum 4. Jahrhundert war die griechische Sln-ache ofiicielle Kirchensprache, 
auch in Rom: die Elaitalahicn der römischen Bischöfe in S. Callisto sind, mit 
Ausnahme desjenigen des Papstes Cornelius, griechisch abgefasst; und griechisch 
schrieben die römischen Kirchenschriftsteller und die Päpste bis tief ins 
4. Jahrhundert. 
Unter diesen Umständen wird man nicht umhin können, die früh- 
christliche Kunst der ersten drei Jahrhunderte als eine ge- 
meinsame Schöpfung des griechisch-römisclien Geistes zu be- 
trachten, insofern er durch christlicheVorstellungen befruchtet 
und geleitet war. Einheitlich in Hinsicht der behandelten Sujets, ein- 
heitlich rücksichtlich der in Auswahl und Ausführung dieser Sujets hervor- 
tretenden Doctrin, wies diese Kunst provinciale und locale Nuancen auf, die 
dem verwaltenden Charakter von Volk und Landschaft entsprechen; freilich 
kann nicht geleugnet werden, dass in Rom Typen und stilistische Behandlung 
sich im allgemeinen der römischen Kunst der Kaiserzeit sozusagen vollständig 
anscluniegen. Die politische und kirchliche Bedeutung der Stadt, die Zahl 
und Erhaltung der uns hier überlieferten Denkmäler lassen diesen römischen 
Charakter der altchristlichen Kunst nicht bloss für die ersten vier, sondern 
für die ersten sechs Jahrhunderte als den dominirenden erscheinen, neben 
welchem die Kunst der Christen in Sicilien, Aegypten, Syrien, Griechenland, 
Gallien gewissermassen nur eine provinciale und locale Physiognomie hat. 
Man hat von verschiedenen Seiten her den Versuch gemacht, die uns 
erhaltenen Gemälde der römischen und neapolitailischen Coemeterion chrono- 
logisch zu ordnen 1. Diese (llzlSSlilßiltlüll erscheint in der That als eine 
Forderung der archäologischen WVissenschaft. Aber so anerkennensiverth die 
bis jetzt unternommenen Versuche dieser Art sind, so erscheinen sie doch 
nicht als befriedigend, und sie können es nicht sein, solange wir nicht einen 
mit Benutzung aller Mittel der modernen reproductiven Künste, namentlich 
der des photographischen Druckes, hergestellten Thesaurus der altchristlichen 
Bildwerke besitzen. Eine statistisch-chronologische Classilication auf die älteren 
Publicationen und selbst auf Garruccfs Abbildungen zu stützen, ist heute 
durchaus unzulässig, und wir verzichten daher lieber darauf, hier eine solche 
Statistik zu bieten, als dass wir ein nur zu leicht zu orschütterndes Gebäude 
vor den Augen des Lesers aufführen wollten. 
Die anderthalb Jahrhunderte zwischen Marc Aurel und Constantin stellen 
das inerkwürdigste Stück in der Seelengeschichte der Menschheit dar. Politisch 
hat Rom freilich ganz andere und grössere Zeiten gesehen als diese Periode 
absteigender Macht und sittlichen Verfalls. Aber in dieser Zeit vollzog sich 
das grösste Wunder der Weltgeschichte: das war die Verwandlung der heid- 
1 Vgl. die übrigens sehr brauchbare Schrift 
Loms Lmvonws: Bltudes sur les monuments 
primitifs de 1a peinture chrätienne en Italic, 
et. mölzmges a-rchäologiques. Paris 1885.  
FF 
O. P0111, Die altchristliche IPreSko- und 
Mosaikmalerci. Lpz. 1888. Dazu J. FIGKER 
in BRIEGERS Zeitschrift f. Kirchengeschichte 
X 253 f.
        

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